22 ehrenamtliche Mitarbeiter geben beim „Mittagstisch“ 365 Tage im Jahr Essen aus

„Ein Stück Familie geworden“

Coesfeld. Mit vereinten Kräften wird die Spülmaschine ausgeräumt und das Essen in die Wärmebehälter getragen.

Der Kaffee muss noch angestellt, das Besteck in Servietten eingerollt, Milch und Zucker bereit gestellt werden. Rinderbraten in Rotweinsoße gibt es heute, dazu Kartoffeln und Wirsinggemüse. Eine halbe Stunde haben Gerburg Schwering und Hannelore Kalthoff, die die heutige Schicht übernehmen, dafür Zeit – denn um Punkt 12.30 Uhr werden die Türen für die Gäste geöffnet. „Die Leute kommen sobald das Licht an ist“, lacht Gerburg Schwering und ergänzt: „Die Leute hier sind für mich mittlerweile ein Stück Familie geworden. Mit den Jahren sind richtige Vertrauensverhältnisse entstanden.“ 22 ehrenamtliche Mitarbeiter engagieren sich circa 1 900 Stunden im Jahr für den „Mittagstisch am Lambertiplatz“ und geben dort täglich jeweils zu zweit von 12.30 bis 14 Uhr etwa 20 bis 25 Essen aus. Und das an 365 Tagen im Jahr – auch an Weihnachten!

„Einige der Ehrenamtlichen sind schon seit Anfang, also seit mittlerweile 15 Jahren dabei“, sagt Felix Schürhoff, der Anfang dieses Jahres die Geschäftsführung übernommen hat. „Als ich gefragt wurde, ob ich diesen Job machen will, war ich direkt begeistert. Nachdem ich in Rente gegangen war, habe ich ohnehin eine Aufgabe gesucht. Ich wollte was Soziales machen“, erzählt Schürhoff.

Die Beweggründe, sich für den Mittagstisch zu engagieren, sind sehr unterschiedlich: „Ich habe immer gerne geholfen. Zum Ehrenamt kam ich dann über die KAB“, sagt Hermann Uphues, der von Anfang an dabei ist. Hannelore Kalthoff hatte eine andere Motivation: „Als ich das Rauchen aufgehört habe, brauchte ich eine Aufgabe. Weil es mir immer gut ging, wollte ich gerne mal etwas zurückgeben. Und dann habe ich erfahren, dass für die Essensausgabe beim Mittagstisch noch Leute gebraucht wurden.“

An Heiligabend werden in diesem Jahr Gerburg Schwering und Alma Müller – wie schon in den vergangenen Jahren – Essen für die Bedürftigen ausgeben. „Heiligabend ist schon sehr besonders“, meint Schwering. „Letztes Jahr haben wir 22 Essen und 27 Kaffee ausgegeben. Zusätzlich bekommt jeder Gast Schokolade, zwei Mettwürstchen, Socken, Spritzgebäck und Kuchen.“ Zudem herrsche an Heiligabend immer eine ganz besondere, positive Stimmung: „Nach dem Essen machen wir immer eine kleine Feier, zu der auch der Bürgermeister kommt. Dort erzählen wir lustige Geschichten – wir wollen die Leute ja nicht zu nachdenklich stimmen“, erzählt Schwering.

„Einer unserer Gäste schreibt jedes Jahr an Weihnachten Geschichten auf, die er dann an die anderen Gäste verteilt. Da kommen einem fast die Tränen.“

HANNELORE KALTHOFF

Die Gästeanzahl an Heiligabend ist von Jahr zu Jahr größer geworden. Während in den ersten Jahren die Hemmschwelle noch zu groß war, an einem solch besonderen Tag wie Heiligabend zum Mittagstisch zu kommen, kommen die meisten Gäste nun gerne: „Die Leute kennen sich mittlerweile und sind einfach so vertraut miteinander geworden“, weiß Schwering. In 15 Jahren sind deshalb auch einige Gepflogenheiten an Heiligabend zum Ritual geworden: „Einer unserer Gäste schreibt jedes Jahr an Weihnachten Geschichten auf, die er dann an die anderen Gäste verteilt. Da kommen einem fast die Tränen“, berichtet Hannelore Kalthoff.

Für viele ist der Mittagstisch zum festen Bestandteil ihres Alltages geworden. Einige Gäste nehmen für ein Essen beim Mittagstisch sogar weite Wege auf sich. „Wir hatten einen gehbehinderten Gast, der täglich aus Münster mit dem Zug angereist ist, hier gegessen hat und dann wieder nach Hause gefahren ist“, berichtet Kalthoff. „Es ist für einige einfach ein Stückchen Tagesstruktur geworden“, so Schwering.

Der Mittagstisch, der am 6. Dezember dieses Jahres sein 15-jähriges Bestehen feierte, hat in den letzten Jahren immer mehr Anklang gefunden. Während zu Beginn manchmal nur zwei, drei, vier oder auch mal gar kein Gast da war, sind heute bis zu 25 Besucher pro Tag zur Normalität geworden. „Seit wir im Juli umgezogen sind, haben wir besonders viele neue Gäste. Viele davon sind Frauen“, erzählt Kalthoff. „Früher war ich schon mal da und kein Gast kam. Das gibt es heute nicht mehr“, lacht Maria Viefhues, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen.

Um sicherzustellen, dass täglich zwei Hilfskräfte vor Ort sind, um das Essen auszugeben, treffen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter ein Mal im Monat zu einem Frühstück, bei dem der Einsatzplan für den nächsten Monat besprochen wird. „Es kam aber fast noch nie vor, dass eine Person alleine war – auch an Heiligabend finden sich eigentlich immer Leute“, weiß Gerburg Schwering.

Mittagstisch

Am 1. Juli 2014 zog der „Mittagstisch am Bahnhof“ aus finanziellen Gründen in die neuen Räumlichkeiten am Lambertiplatz 1. Mit dem Umzug übernahmen gleichzeitig die Katholischen und Evangelischen Kirchengemeinden in Coesfeld und Lette die rechtliche Trägerschaft des „Mittagstisch am Lambertiplatz“. Finanziert wird der Mittagstisch durch die Kooperationspartner (die KAB, die Kolpingsfamilie und den Caritasverband für den Kreis Coesfeld) und durch Spenden. Zudem spendet der Deutsche Milchkontor in Coesfeld schon seit mittlerweile knapp 15 Jahren Joghurts, die zu jedem Essen als Nachtisch gereicht werden. Ein Essen kostet die Gäste momentan 1 Euro, ein Kaffee 0,30 Euro. Ab dem 1. Januar wird sich dieser Beitrag auf 1,50 Euro für ein Essen und 0,50 Cent für einen Kaffe erhöhen.

Spenden

Spenden zur Unterstützung des Projekts an: Kath. Kirchengemeinde St. Lamberti, BLZ: 40154530, Konto-Nr.: 0037380714, Stichwort „Mittagstisch“. 

SL-Ausgabe vom 23.12.2014

Von Raphael Haag

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