Lamberti-Pfarrdechant Hans-Theo Hülper verabschiedet sich am 16. Oktober

„Ein Stück Coesfeld“ zieht nach Recklinghausen

Pfarrdechant Hans-Theo Hülper vor dem Teil seines Arbeitszimmers, den er all die Jahre im Blick hatte – vor dem Kreuz, das er im ersten Semester seines Studiums 1966/67 als Geschenk bekam.

Coesfeld. Als was er den Coesfeldern in Erinnerung bleiben wird?

„Hoffentlich nicht als Baupastor, Fusionspastor oder Gremienpastor“, sagt Hans-Theo Hülper, scheidender Pfarrdechant von St. Lamberti. „Am schönsten wäre es, wenn mich die Gemeinde einfach als Pastor wahrgenommen hat“, sagt er bescheiden. Im Gespräch mit den Streiflichtern wirft er einen Blick zurück auf 19 Jahre in Coesfeld. Am 28. September verlässt Hülper die Kreisstadt und zieht nach Recklinghausen. Offiziell verabschiedet wird er am 16. Oktober.

Bauten, Gremienarbeit und am Ende auch die Fusion mit St. Jakobi und Maria Frieden mögen ihm zwar als verallgemeinernde Schlagworte zu wenig sein, sie fielen aber durchaus in seine Zeit in Coesfeld.

Beispiel Gremien: „Der Pfarrdechant von St. Lamberti ist ein Stück Coesfeld“, hat er festgestellt. Die Konsequenzen: Ein stets voller Terminkalender, die Mitarbeit in der Leitung zahlreicher Institutionen wie dem Krankenhaus, Altenheimen, Kindergärten…

Beispiel Fusion: Die Zusammenführung der „alten“ Gemeinde St. Lamberti mit St. Jakobi und Maria Frieden war zum Ende seiner Amtszeit noch einmal ein Kraftakt. „Hier ist sie jedoch ohne böse Leserbriefe abgelaufen.“ Das sei nicht selbstverständlich, habe allerdings auch daran gelegen, dass mit St. Jakobi bereits eine Seelsorgeeinheit bestanden habe.

„Mein Interesse war die Seelsorge und der glaubende Mensch“, sagt Hülper. Und in diesem Interesse ging er auf die Menschen zu. Für Pfarrer, die darüber klagen, dass ihnen Verwaltungsaufgaben über den Kopf wachsen, hat er bis heute kein Verständnis. „Ich kann keinen Pastor ernst nehmen, der über Verwaltung klagt, weil er dann Hilfsmittel wie Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat oder Zentralrendantur nicht ernst nimmt.“

Nach Coesfeld gekommen war der Pfarrer 1992, als er die Gemeinde St. Lamberti in einer Zeit des Umbruchs übernahm. Gut in Erinnerung geblieben ist ihm der Einführungsgottesdienst. „Der Empfang war sehr freundlich – und die Lambertikirche proppenvoll.“ Überhaupt übt das Gotteshaus bis heute eine starke Faszination auf den Pfarrer aus. „Das ist ein lebendiger Bau. Alle Baustile haben ihre Spuren hinterlassen“. Kurz nach seinem Amtsantritt erlebte er zum ersten Mal die Verehrung des Coesfelder Kreuzes hautnah mit – und war später an der Verschiebung der „Großen Kreuztracht“ vom Pfingstdienstag auf den Sonntag nach dem Fest Kreuzerhöhung im September beteiligt.

Dass es ihn im Ruhestand ins nördliche Ruhrgebiet zieht, ist kein Zufall. „Meine allererste Stelle als Diakon hatte ich in Waltrop“ – einer Nachbarstadt. Seinerzeit habe er Recklinghausen als eine „lebendige und lebenswerte Stadt“ wahrgenommen, zudem kenne er den aktuellen Propst recht gut. „Meine Wohnung ist direkt im Zentrum, da hat man viel Kultur um sich herum.“ In der Propstei St. Peter wird sich Hülper als Emeritus (Ruheständler) einbringen.

Warum nicht Coesfeld als Alterssitz in Frage kam? „Das wollte ich bewusst nicht.“ Er wolle Platz machen für den Nachfolger. Und das zieht er durch: „Es heißt, dass man ein Jahr lang in seiner alten Pfarrei nichts verloren hat. Das möchte ich auch so halten“.

Insgesamt ist er dankbar für die Zeit in Coesfeld. Das wird auch in seinem letzten Grußwort im Pfarrbrief deutlich. Darin schreibt er, seit 1 200 Jahren werde in St. Lamberti Gottesdienst gefeiert. „Meine Zeit ist nur ein Augenblick. Aber es war für mich erfüllte Zeit, Zeit, die ich nicht missen möchte.“

Und was wünscht er den Coesfeldern für die Zukunft? „Dass hier weiterhin ein lebendiges Gemeindeleben herrscht.“ Hinter allen äußeren Werten müsse jedoch Jesus Christus erkennbar bleiben. Der Abschiedsgottesdienst für und mit Hans-Theo Hülper beginnt am Sonntag, 16. Oktober, um 10 Uhr in der Lambertikirche. Danach gibt es noch einen Empfang im Pfarrheim.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare