Unternehmerin Anna Picker aus Lette arbeitete auf der „MS Europa“

„Ein ‚es geht nicht‘ hat es bei uns an Bord nicht gegeben“

Anna Picker aus Lette arbeitete als so genannte „Junior-Sommelière“ für sechs Monate auf dem Luxusliner und durchlief dort verschiedene Abteilungen.

Lette. Mit ihren erst 27 Jahren hat Anna Picker schon mehr erlebt als andere in ihrem ganzen Leben.

In sechs Monaten auf der „MS Europa“ um die halbe Welt und das rein beruflich. Das ist aber lange nicht der einzige Meilenstein im beruflichen Lebenslauf der gebürtigen Letteranerin. Über die Freiherr-vom-Stein-Schule, das Oswald-von-Nell-Breuning-Berufskolleg sowie die Steigenberger Hotelfachschule in Bad Reichenhall führte der Weg weit weg von der Heimat. Dazwischen absolvierte sie eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau im Brenners Parkhotel in Baden-Baden. Die lebenslustige Münsterländerin wollte mehr von der Welt sehen: Vom ländlichen Leben in Lette zog es die damals 22-Jährige über den großen Teich nach New York.

„Ich habe mir damit einen

Kindheitstraum erfüllt“

Für ein Jahr war ihr berufliches zuhause die Lounge im 36. Stock des Mandarin Oriental Hotels. Hier verwirklichte sie sich als Assistant-Managerin einen Kindheitstraum. „Von dort oben hatte man einen traumhaften Blick auf den Central Park“, schwärmt Anna Picker, die dort für die Mitarbeiterplanung, Abläufe und Veranstaltungsplanung zuständig war. „Die High Society ging dort aus und ein“, verrät sie. „Da wurde damals sogar die Pressekonferenz zur Vorstellung des neuen Films Sex and the City abgehalten.“

Während ihres Arrangements am Big Apple richtete sie ihren Blick aber schon in die Zukunft. Denn der Aufenthalt in den USA war auf ein Jahr befristet. In ihrer Wohnung in Manhattan schmiedete sie Pläne für ihre Zeit auf dem Kreuzfahrtschiff. Die Mindestvoraussetzungen waren klar vorgegeben: Ihr Englisch sollte „sitzen“ und der körperliche Check-Up musste bestanden werden. Für ein Sicherheitstraining wurde Anna Picker schließlich auf ein Hausboot nach Rostock eingeladen. Erst dann war sie zum Vorstellungsgespräch zugelassen. Nach kurzer Wartezeit in der Heimat, in der sie heute übrigens den Partyservice Picker in Zusammenarbeit mit Markus Pentrup betreibt, hatte sie dann die Bestätigung der Hapag-Lloyd im Briefkasten und ihrem Abenteuer stand nun nichts mehr im Wege.

Oder doch? Was war mit dem Thema Seekrankheit oder Platzangst!? „Damit habe ich mich natürlich im Vorfeld auseinander gesetzt.“ Doch keines von beiden bremste die Letteranerin aus. Mit dem Flieger ging es nach Sydney, wo es für sie und weitere rund 280 Crew-Mitglieder an Bord ging. Sieben Tage die Woche, elf Stunden am Tag – so schaute ihr Pensum aus. Alles zum Wohle der Passagiere, die zwischen rund 1 000 Euro für eine Mehrtagesreise und 100 000 Euro für eine Weltreise hinblättern. „Die Europa zählt zu den exklusivsten Schiffen der Welt.“ Ein Golfsimulator, der Friseur wie auch der Beautysalon, der Fitnessraum, Sauna, der Wellnessbereich und ein Swimmingpool sorgen für Wohlbefinden. Des Weiteren laden an der Promenade eine exklusive Boutique sowie ein Juwelier zum ausgiebigen Shopping ein. „Ein ‚es geht nicht‘ hat es bei uns an Bord nicht gegeben“, betont das Crewmitglied. Doch, ihr fiel noch etwas ein! „Der Film Titanic fehle im DVD-Regal“, sagte sie mit einem Augenzwinkern.

Während ihrer Reise habe sie sich manchmal gewünscht mit den Passagieren für einen Tripp von Bord zu gehen. „Auf Hamilton Island in Australien wäre ich gern mit ausgestiegen. Da war es traumhaft. Eine kleine Insel ohne Autos.“ Auf ihrer Reise erlebte sie Wetterschwankungen von ganz heiß mit über 40 Grad in Australien bis zu 16 Grad und Regen in Venedig, aber auch unvergessliche Erlebnisse. „Ich erinnere mich noch gut an einen Tag, da stand ich mit einem kleinen Jungen am Fenster und wir beobachteten Delphine, wie sie hochspringen.“

Was blieb ihr nach dieser Reise: „Ich habe gelernt, wie man unter sehr hohem Leistungsdruck erfolgreich arbeitet.“ Auf die Frage, ob es ein Wiedersehen mit der Europa gibt, sagt sie klipp und klar: Ja und ergänzte schmunzelnd: „Aber dann als Gast.“

Zum Thema

Die EUROPA, das Flaggschiff von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten, setzt internationale Maßstäbe: Vom Berlitz Cruise Guide 2010 wurde sie bereits zum zehnten Mal in Folge als einziges Kreuzfahrtschiff weltweit mit dem begehrten Prädikat Fünf-Sterne-plus ausgezeichnet. Das Schiff bietet 408 Gästen ausschließlich Suiten mit separatem Wohn- und Schlafbereich. Jede davon verfügt über einen begehbaren Kleiderschrank und nahezu alle über eine private Veranda. In der Europa Lounge, dem Konzert- und Ballsaal, stehen internationale Showstars auf der Bühne.

Streiflichter-Ausgabe vom 23.1.2013

Von Sebastian El-Saqqa

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