Ausgefallener Tisch von Hans Hillermann ist „das Maß aller Dinge“ für Spielefreunde

Dieser Tisch hat eine Geschichte

Hans Hillermann hat sich seinen Tisch als Gebrauchsmuster patentieren lassen.

Coesfeld. Er ist aus Holz, hat eine Fläche von 1,5 Quadratmetern und steht in der Küche der Coesfelder Familie Hillermann.

Soweit ist das für einen Tisch erstmal nichts Ungewöhnliches. Schaut man sich das Stück aber einmal genauer an und lauscht den Ausführungen seines Erbauers, wird schnell klar: Dieser Tisch hat eine Geschichte. Und die wollte es im vergangenen Sommer sogar, dass dem Tisch zumindest in Spielerkreisen deutschlandweites Lob zuteil wurde.

Der Beginn dieser nicht ganz alltäglichen Geschichte liegt schon fast acht Jahre zurück. Er war geprägt von einem profanen Wunsch: „Wir wollten einen neuen Tisch haben. Und der sollte – ohne, dass wir ihn umbauen müssen – zwei oder drei, aber auch sieben, acht oder neun Leute aufnehmen können“, sagt Hans Hillermann. Klar war: Der Gang ins schwedische Möbelhaus würde hier keine Lösung sein. Hillermann würde wieder einmal „Ausgleichssport“ betreiben müssen.

Das bedeutete für den Coesfelder, der sieben Jahre lang als Tischler arbeitete, inzwischen aber als Kunsthistoriker für das Erzbistum Paderborn Kirchenschätze begutachtet, in seiner Freizeit einmal mehr Säge, Hobel und Schleifer zu schwingen. Doch wie sollte der neue Tisch aussehen? „Es war mir klar, dass der irgendwie rund werden sollte“, sagt der 51-Jährige. Gleichzeitig sollte die Umrisslinie vergrößert werden. „An einem kreisrunden Tisch sitzt man ja zu weit auseinander.“

„Der hat Charakter,

damit passiert was“

Nach mehrmaligem Hin- und Herprobieren und Probesitzen der Hillermanns an einem Modell entstand schließlich nach und nach das fertige Werk – und das ohne einen auch nur grob vorhandenen Plan. Von oben betrachtet, ähnelt der aus einer massiven Kirschbaumplatte entstandene Tisch bis heute einem Kleeblatt – „eine sehr organische Form“, wie sein Erschaffer findet. Nicht etwa Lack, lediglich Öl schützt die Oberfläche. „Der hat Charakter. Damit passiert was“, spielt Hillermann auf im Laufe der Jahre sichtbar gewordene Gebrauchsspuren an.

Das Objekt wurde sogleich in den Alltag integriert. Der Tisch bewährte sich – wie gewünscht nicht nur beim Frühstück zu dritt, sondern auch bei abendlichen Runden mit Freunden, zu denen sich auch schon mal bis zu zwölf Leute um das Möbelstück gruppierten. „Das ist sehr interessant – da bilden sich an den drei Ausbuchtungen einzelne Gesprächsinseln wie an kleinen Besprechungstischen“, sagt Hans Hillermann. Gleichzeitig bleibe jeder aus der Gesprächsrunde auch mit den anderen am Tisch in Verbindung.

Großes Lob auf größter

Spielemesse der Welt

 Soweit die Bewährungsproben in privater Runde. Über Coesfeld hinaus bekannt wurde der Tisch dann erst im Sommer vergangenen Jahres. Freunde der Familie, begeisterte Spieler von Gesellschaftsspielen, fanden Gefallen an ihm. Sehr zum Erstaunen von Hans Hillermann: „Da hatte ich vorher gar nicht drüber nachgedacht.“ Denn die Freunde regten an, den Tisch auf der größten Spielemesse der Welt, den Internationalen Spieletagen in Essen, zu präsentieren. Dort stand er nun, und Spielejunkies aus dem ganzen Land untersuchten ihn auf Praxistauglichkeit. Auch sie waren überzeugt.

Dann erhielt der Tisch ein schriftliches Denkmal und ganz besonderes Prädikat: Dieter Niehoff, seines Zeichens Bekannter der Hillermanns, Coesfelder und Autor für das Spielemagazin „Fairplay“, widmete dem Möbelstück einen Artikel. „Für mich ist die kleine Dreierrunde das Maß aller Dinge. Und dafür sind die konkaven und konvexen Schwünge wirklich ganz außerordentlich luxuriös“, heißt es darin. Und mehr noch: „Dieser Tisch ist der beste Tisch der Welt für jede spielende Dreierrunde.“

„Das ist natürlich seine Meinung“, sagt Hans Hillermann. Und doch ist er sichtlich geschmeichelt von dem Lob. „Jedenfalls würde ich den Tisch immer wieder genau so bauen.“ Zweimal hat er das für Bekannte bereits gemacht.

Zwar weiß er mittlerweile, welche Begeisterung er in Spielerkreisen mit seinem ursprünglich reinen Küchentisch ausgelöst hat, ein großes Geschäft wittert er trotzdem nicht. „Das ist nicht so mein Ansinnen“, sagt er. Allerdings hat er sich den Tisch vorsichtshalber beim Patentamt als Gebrauchsmuster schützen lassen.

Und so gibt es den „besten Spieletisch der Welt“ wohl weiterhin nur auf besonderen Wunsch und als Sonderanfertigung. Dann aber 100 Prozent originalgetreu. Maß genommen wird in einem solchen Fall am Exemplar in der Hillermann’schen Küche.

Auch Rollstuhlfahrer

profitieren von der Bauart

.Eine weitere Eigenschaft hat der Freizeittischler erst lange nach dem Bau des Tisches entdeckt: Auch Rollstuhlfahrer profitieren von seiner Bauweise, weil sie in den Ausbuchtungen an drei Seiten von der Tischplatte umgeben sind und so viele darauf abgestellte Gegenstände selbst erreichen können. Und an der Unterseite stören weder Zarge, noch Tischplatte, weil die weit in die Mitte gerückt sind.

Solche nachträglichen Erkenntnisse sowie der allmähliche Entstehungsprozess des Tisches faszinieren seinen Erfinder, der sich schon während seines Studiums der Kunstgeschichte gerne mit Design befasste. „Ein Objekt ist ein Kunstwerk, wenn alles an der richtigen Stelle ist. Wenn da nicht zu viel ist, aber auch nicht zu wenig.“ Genau so sei es auch bei dem Tisch. „Ich bin von Form und Funktion des Tisches überzeugt“, betont Hillermann.

Bei all dem Philosophieren über den außergewöhnlichen Tisch: Meistens, so Hans Hillermann, redeten er und seine Familie auch ganz unspektakulär von dem Gebrauchsgegenstand: „Das ist unser 1,5 Quadratmeter großes Aufschnittbrettchen.“

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