Zeitzeugenberichte, Fotos und mehr

Dauerausstellung über Barackenlager im Heimathaus Lette

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Das Planungsteam um Projektleiterin Dr. Vera Brieske, Dr. Anna Lammers und Meike Lammers präsentiert den interaktiven Medientisch, der Pläne und viele Fotos aus allen Nutzungszeiten des Barackenlagers zeigt.

Lette. Die Erzählungen des Zeitzeugen Dietmar S. (geboren 1939) sind Meike Lammers besonders in Erinnerung geblieben. Er gehörte zu den rund 11.000 Ostvertriebenen, die 1946 im Kreis Coesfeld untergebracht waren. Da er sein Zuhause so plötzlich verlassen musste, konnte er sein liebstes Spielzeug, das die Eltern aufwendig angefertigt hatten, nicht mitnehmen. Diese Geschichte zeige symbolisch, wie schlimm die Situation vieler Vertriebenen war.

Viele weitere Interviews, Objekte aus dem Gepäck der Vertriebenen, Chroniken, Fotos und Medienstationen sind seit Sonntag in der neuen Ausstellung „Spuren der Vertreibung – Barackenlager Lette“ im Heimathaus Lette (Bahnhofsallee 10) zu sehen. Errichtet wurde das Barackenlager 1933 durch die Nationalsozialisten – angeblich als SA („Sportschule“), in Wirklichkeit als eine paramilitärische und ideologische Ausbildungsstätte.

Von Truppführerschule zum Altenpflegeheim

1935 wurde es zur Truppführerschule 8 des Reichsarbeitsdienstes umfunktioniert und ab 1945 als Lager für ausländische Zwangsarbeitskräfte genutzt. Zum Durchgangslager für die Ostvertriebenen wurde es 1946 und danach ab 1960 zum Altenpflegeheim „Heidehof“ für diejenigen von ihnen, die nicht mehr arbeitsfähig waren und auf Bauernhöfen keine Unterbringung fanden.

Vertrieben wurden von 1945 bis 1950 etwa 14 Millionen Menschen, fast zwei Millionen von ihnen blieben verschollen oder starben auf den Transporten. Gesicherte Zahlen gibt es bis heute nicht.

Lebensgeschichten der Vertriebenen  

Die Geschichte des Barackenlagers und der Vertriebenen in Lette und Umgebung sowie die politische Vorgeschichte der Vertreibung sind Themen der neuen Dauerausstellung im Heimathaus Lette. Die historischen Zusammenhänge sind verschränkt mit den Lebensgeschichten von Vertriebenen dargestellt, sodass die Auswirkung der Politik auf das einzelne Schicksal deutlich wird. „Nach heutiger Kenntnis war die Vertreibung der Deutschen die größte zwangsweise ‘Bevölkerungsverschiebung‘, die es je gab. Für viele Familien ist die Vertreibung bis heute ein Teil ihrer eigenen Geschichte. (…) Ein bedeutendes Zeugnis dieser Zeit ist das Barackenlager Lette“, heißt es im Einleitungstext in der Ausstellung.

Zwei Ausstellungsräume im Heimathaus

Der Verein Denkmal Barackenlager hat die Ausstellung ins Leben gerufen und durch Fördermittel realisieren können. Entwickelt wurde sie durch ein extra engagiertes Planungsteam um Projektleiterin Dr. Vera Brieske, Dr. Anna Lammers aus Münster, zuständig für die Gesamtkonzeption, und Meike Lammers aus Dortmund, zuständig für die Konzipierung der Medienstationen. „Zuerst erfolgte die grobe Sondierung des Themas. Danach haben wir uns den Objektbestand angeschaut. Der Verein Denkmal Barackenlager hatte zum Beispiel schon 23 Interviews von Zeitzeugen erstellt“, erläutert Anna Lammers die ersten Schritte. „Anschließend haben wir uns die Räume im Heimathaus angeschaut.“ Die zwei Ausstellungsräume mit einer Gesamtfläche von 34 Quadratmetern sind nach Inhalten unterteilt. Im ersten Raum geht es konkret um das Barackenlager und dessen Bau- und Nutzungsgeschichte. Im zweiten Raum ist die historische Vorgeschichte anschaulich dargestellt. Weitere Infos auf www.barackenlager-lette.de.

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