St.-Christophorus-Kliniken: Techniker prüfen mehr als 10 000 Geräte pro Jahr

„Das ist teilweise schlimmer als beim TÜV“

Heriburg-Schüler Marcel Glados (Mitte) im Werkstattbereich des Coesfelder St.-Vincenz-Hospitals mit einer Infusionspumpe. Über deren Technik kann gesteuert werden, wie schnell eine Infusionslösung durch die Pumpe befördert wird. Christian Kallaus (links), stellvertretender Leiter Medizintechnik, und Technischer Leiter Klaus Krais schauen dem 17-Jährigen über die Schulter.

Coesfeld. Es ist immer so eine Sache mit der Technik.

Eine Welt ohne Computer, Fernseher, Fön und Wasserkocher – undenkbar. Doch mitunter scheinen diese schönen Dinge des Alltags ja plötzlich ein Eigenleben zu entwickeln. Wer kennt das nicht? Gerade dann, wenn man unbedingt drauf angewiesen ist, gibt die Heizungsanlage ihren Geist auf, stürzt am PC eine Software ab oder gleich das ganze System zusammen, streikt der Rasierer oder versagt ein Handyakku … Für ein Krankenhaus wäre all dies ein Horrorszenario. Schließlich ginge es hier um Menschenleben, wenn plötzlich ein wichtiges medizinisches Gerät die Arbeit versagt! Klaus Krais aber kann gottlob Entwarnung geben.

„In den 27 Jahren, in denen ich hier beschäftigt bin, mussten wir genau zwei Mal per Kurier bei einer Herstellerfirma ein Ersatzgerät anliefern lassen, weil die letzte unserer eigenen Reservemaschinen für einen Notfall angeschlossen werden musste“, verdeutlicht der Technische Leiter der St.-Christophorus-Kliniken, wie sehr hier auf die Technik Verlass ist. „Die Ausfallsicherheit der Geräte und auch deren Verfügbarkeit bei uns sind sehr hoch“, sagt der Diplom-Ingenieur.

Marcel Glados ist noch Schüler und besucht als solcher die Stufe elf des Heriburg-Gymnasiums in Coesfeld. In den vergangenen zwei Wochen gehörte er mit zum 30-köpfigen Technikteam der Christophorus-Kliniken. Im Rahmen eines Schülerpraktikums erhielt der 17-Jährige viele für ihn neue Einblicke. „Medizintechnik ist sehr interessant“, sagt der Billerbecker – und liefert die Begründung für seine Praktikumswahl gleich nach: „Ich könnte mir schon vorstellen, in diese Richtung ein Studium zu machen.“ Zwei Aspekte würden hier miteinander verbunden, sagt Marcel Glados: „Die Arbeit mit Menschen und die Arbeit mit der Technik.“

Marcel Glados erhielt

spannende Einblicke

Kleinere Defekte beheben, etwa eine ausgefallene LAN-Verbindung wiederherstellen oder einen ausgefallenen Wagen auf Vordermann bringen, dazu Wartungen und Kontrollen an medizinischen Geräten durchführen (natürlich unter den wachsamen Augen der technischen Fachkräfte) – der praktische Einsatz war ein wesentlicher Bestandteil des Praktikums für den an Technik und Naturwissenschaften interessierten Heriburg-Schüler. Zudem wertete er statistische Zahlen des vergangenen Jahres aus, zum Beispiel wie viele Störmeldungen es in welchen Einrichtungen gab.

Dass diese Übersicht ganz schön umfangreich ist, liegt nicht etwa daran, dass es überproportional viele Störfälle gegeben hätte. Es ist vielmehr allein schon auf die vielen Einrichtungen zurückzuführen, die in Trägerschaft der Christophorus-Trägergesellschaft stehen und deren technischen Geräte daher von dem Team um Klaus Krais auf Vordermann gebracht beziehungsweise gehalten werden: neben vier Krankenhäusern (St.-Vincenz-Hospital Coesfeld, St.-Gerburgis-Hospital Nottuln Franz-Hospital und Klinik am Schlossgarten Dülmen) zählen drei Seniorenrichtungen (St.-Katharinenstift und St.-Laurentiusstift in Coesfeld und St.-Elisabethstift in Nottuln) und der ambulante Pflegedienst „VICA“ (auch Caritasverband) dazu.

Da kommt so einiges zusammen. „Wir haben insgesamt 6 100 technische Geräte allein aus dem medizinischen Bereich, die spätestens alle zwei Jahre gewartet werden müssen, teilweise auch halbjährlich oder jährlich“, nennt Krais eine stolze Zahl.

10 000 Geräte werden

jedes Jahr geprüft

„Und dazu kommen die anderen technischen Geräte: Lüftungs- und Heizungsanlagen, Wasseraufbereitungs- und Förderanlagen, natürlich auch Kaffeemaschinen und Leuchten.“ Und viele, viele mehr. Unter dem Strich mache das 10 000 bis 12 000 Geräte, die jedes Jahr geprüft werden. Und zwar nach ganz bestimmten Vorgaben.

„Bei medizinischen Geräten gibt es ein ausführliches Prüfprotokoll für jede Wartung. Das ist teilweise schlimmer als beim TÜV“, schmunzelt Klaus Krais. Es erfordere auch ein hohes Maß an Veranwortung. Denn die Freigabe eines Geräts per Plakette durch den dazu befugten und unterwiesenen Mitarbeiters sei mit der persönlichen Haftung verbunden. „Der Mitarbeiter, der ein medizinisches Gerät prüft, ist dafür verantwortlich, dass es einwandfrei wieder in den Verkehr gebracht wird!“

Allzu groß müsse die Sorge über ein plötzliches Aussetzen eines medizinischen Geräts aber nicht sein. Krais: „Die Geräte zeigen computergesteuert frühzeitig Abweichungen und Störungen an – bevor sie ganz ausfallen würden.“ Auch für einen etwaigen Stromausfall sind die Kliniken und Altenheime gewappnet – jeweils durch entsprechende Notstromaggregate. „Die werden zudem vorgeheizt, so dass sie an 365 Tagen im Jahr aus dem Stand arbeiten können.“

Notstromaggegrater aus dem Stand einsatzbereit

Krais selbst ist zurzeit nicht nur in Fragen von Organisation und Management, sondern auch als Bauprojektleiter gefragt – für die Umbauarbeiten am Franz-Hospital in Dülmen und am St.-Gerburgis-Hospital in Nottuln. Immer wieder pendelt der Dülmener daher zwischen den drei Standorten. Die meiste Arbeit verrichtet er jedoch von Coesfeld aus, in der dem dortigen Krankenhaus direkt benachbarten Zentralverwaltung. „Unsere Betriebstechniker arbeiten aber direkt vor Ort in den Einrichtungen, die jeweils über entsprechende Werkstätten und Technikräume verfügen“, erläutert der Diplom-Ingenieur.

Marcel Glados hat es überall gut gefallen. „Es war wirklich sehr lehrreich“, bilanziert der Schüler, der auch Räume mit Bergen an Dokumentenordnern zu sehen bekam. Kein Wunder bei einer jährlichen fünfstelligen Zahl an Wartungen und Protokollen …

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