Schüler des Nepomucenums prüfen ökologischen Einfluss des Normanntores

„Das Ding kann weg“

Laura Banneyer stellt ihren Mitschülern aus den Bio-Leistungskursen des Nepomucenums Ideen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an der Berkel / Umflut vor. Foto hlm

Coesfeld. „Was ist das?“ staunte die Schülerin mit einem lang gezogenen „s“ beim „das“.

Einen Flusskrebs hatte sie in der Berkel zwischen Gerichtsring und Reinigstraße im Kescher gefangen. Mit weiteren 28 Mitschülern aus den Leistungskursen Biologie des Gymnasiums Nepomucenum ging sie der Frage nach, welche Auswirkung eine Schleuse auf die im Wasser lebenden Tiere hat? Um darauf eine Antwort zu finden, verglichen die Elftklässler einen relativ naturnahen Abschnitt der Berkel mit einem aufgestauten Bereich der Umflut oberhalb des Normanntores.

Flussaufwärts der Schleuse fanden die Schüler nicht nur weniger Tierarten. Es fehlten bestimmte Insektenlarven, die Indikatoren für eine gute Gewässerqualität sind. Dafür gab es Tierarten, die für stehende Gewässer charakteristisch sind und im sandgeprägten Tieflandfluss nicht vorkommen sollten. Bestätigung bekamen sie durch die Arbeitsgruppe, die die Struktur – den Aufbau des Gewässers – mit Hilfe von Kartierbögen bewertete. Dem Gewässerabschnitt zwischen Normanntor und Daruper Straße gaben die Schüler die Note mangelhaft: ein überformtes und verbautes Fließgewässer, fernab des natürlichen Erscheinungsbildes. Der Abschnitt zwischen Gerichtsring und Reinigstraße schneidet zwar nicht mit der Bestnote ab, weist aber einige naturnahe Elemente auf, die sich auch in der Artenvielfalt widerspiegeln. Eine dritte Arbeitsgruppe machte sich mit Wasserproben auf den Weg ins Labor des Abwasserwerkes und ließ die Qualität überprüfen. Zurück kamen sie mit dem Gesamtergebnis: „Keine großen Abweichungen zwischen den beiden Messstellen.“ Aber der Sauerstoffgehalt im Wasser war im Bereich des Normanntores etwas geringer.

Welche Schlussfolgerung ziehen die Schüler aus ihren Ergebnissen – vor allem mit Blick auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie? Das Gesetz fordert mindestens eine barrierefreie Auf- und Abwärtsbewegung der Tiere in den Fließgewässern. Für die heimische Berkel bedeutet das zwei Schleusen zu überbrücken: das Normanntor und das Walkenbrückentor. Am gestrigen Dienstag präsentierte eine sechsköpfige Schülerdelegation vor Vertretern des Abwasserwerkes ihre Vorschläge. Die größte Barriere stellt das Walkenbrückentor dar. Eine Fischtreppe würde erhebliche Kosten verursachen. Ein Abriss scheidet wegen der historischen Bedeutsamkeit aus. Auch für den Hochwasserschutz ist das Bauwerk bedeutsam, stellten sie klar. Bleibt für die Passierbarkeit der Wassertiere als alternative Route die Fegetasche. Diese ließe sich ökologisch gut aufwerten. Um die Barriere am Normanntor aufzuheben, spielten die Jugendlichen verschiedene Varianten durch. Mit einer Fischtreppe sei eine Aufwärtswanderung möglich. Das verbessere aber nicht die Struktur des Gewässers. Schüler Christoph Thiemann setzt einen Punkt: „Das Ding muss weg.“ Das hebe zwar den Stillgewässercharakter auf und entziehe dem Karpfen den Lebensraum. Aber diese Fischart gehöre nicht in den heimischen Fluss. Die Jugendlichen sind sich einig: „Die Berkel ist ein Fließgewässer und muss fließen.“ Einen Nebensatz fügt Nils Heermann hinzu: „Wir haben eine rein ökologische Betrachtung vorgenommen und keine gesellschaftliche und kulturelle.“

„Ihre Argumente nehme ich auf jeden Fall mit in die weitere Diskussion“, kommentiert Rolf Hackling, Betriebsleiter des Abwasserwerkes den Vorschlag der Jugendlichen. Er lobt die gute Ausarbeitung und Präsentation der Ergebnisse von den Schülern.

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