Der 15-jährige Linus Wietheger aus Dülmen fuhr mit dem Mountainbike über die Alpen

„Es ist Adrenalin pur“

Konzentriert: Über schmale Wanderwege führte die Tour über die Alpen.

Dülmen. Mit dem Fahrrad kurz zur Schule zu fahren, gehört zum Alltäglichen im Leben der meisten Jugendlichen. Doch wer überquert mal eben die Alpen, dem größten Gebirge im inneren Europa? – der 15-jährige Linus Wietheger aus Dülmen.

Mal eben war es für den Schüler des Annette-Droste- von-Hülshoff Gymnasiums nicht. „Ich habe es mir nicht so anstrengend vorgestellt“, sagt Linus, der seinen Schulkollegen von seiner Tour nichts verraten hat.

Elf Tage lang fuhr er mit sechs Gleichaltrigen über Wanderwege von Oberstdorf zum Gardasee. Bis auf seinen Cousin Constantin Jehn kannte Linus keinen. Begleitet wurde die Gruppe von Coach Andreas Neuhauser, der seit einigen Jahren für Jugendliche solche extremen Mountainbike-Touren anbietet. „Für Jugendliche wird in diesem Bereich wenig angeboten“, so die Eltern von Linus, Sigrid und Guido Wietheger. Bei ihrer Urlaubsplanung Anfang des Jahres äußerte Linus den Wunsch, wieder eine Mountainbike-Tour zu machen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Schüler des AvDH Gymnasiums an einer Tour in Hindelang teilgenommen. Hier verbesserte er seine Fahrtechnik.

Für die Überquerung der Alpen vom 12. bis zum 22. August dieses Jahres ein unbedingtes Muss: Schmale Schotterwege, steile Abfahrten beziehungsweise Anstiege mussten Linus und die übrigen Teilnehmer bezwingen. „Ich kann mich gut einschätzen“, sagt Linus mit ruhiger Stimme.

Fast täglich trainierte Linus vor dem Tourbeginn. Dafür radelte er einige Kilometer mit seinem Mountainbike durch die Baumberge-Region herum. An einem Tag fuhr er mit seinem Vater – dieses Mal mit einem Rennrad – zu seinem Onkel die rund 120 Kilometer lange Strecke nach Krefeld. „Nicht genug trainiert“, resümiert der Schüler mit Blick auf die Tour über die Alpen.

Der höchste Punkt ihrer Tour war das Madritschjoch mit 3 123 Metern über dem Meeresspiegel. Für die Mutter von Linus, Sigrid Wietheger, die wie ihr Mann Guido viel und gerne Rennrad fährt, hatte erst Bedenken, ob ihr Sohn die Tour schafft. „Die anderen Teilnehmer waren recht durchtrainiert“, erinnert sich Sigrid Wietheger. Ein Landesmeister im Mountainbike fahren war mit dabei. „Die Gruppe war super“, so Linus. Der Coach Andreas gab ein mittleres Tempo vor. Wer schneller fahren konnte, fuhr vor. Und an den Abzweigungen wurde auf den letzten gewartet. „Ich mochte das Herunterfahren. Es ist Adrenalin pur“, sagt Linus mit leuchtenden Augen und zum Erstaunen seines Vaters fügt er hinzu: „Die Landschaft war klasse.“

An einigen Stellen mussten die Jugendlichen von ihrer Mountainbikes absteigen. Dann hieß es für Linus und die anderen, das Rad schieben oder auf die Schulter zu nehmen. 13 Kilogramm wiegt das Mountainbike von Linus.

Vor mehr als zweieinhalb Jahren kaufte er sich das Rad. Sein Vater suchte nach einem guten, günstigen Rad für seinen Sohn und wurde fündig. Um das Geld zusammenzubekommen, verkaufte er sein altes Spielzeug, sparte sein Geburtstags- und Weihnachtsgeld. Auf der Tour versagte sein Fahrrad nur einmal. „Der Bremshebel ging kaputt“, so Linus. Doch angesichts des Begleitfahrzeuges konnte dieser Schaden schnell behoben werden. In dem Fahrzeug wurden auch das Gepäck und die Zelte der Gruppen befördert. „Wir hatten immer einen Tagesrucksack dabei“, so Linus.

Rund 40 bis 60 Kilometer legten die Jugendlichen täglich zurück. Und morgens um 7 Uhr saßen sie bereits auf ihren Sätteln. Verpflegt wurden sie vom Kochteam, das im Begleitfahrzeug mitfuhr.

Auch eine Brandwunde am rechten Unterschenkel wird Linus an die Alpentour erinnern. „Meine Scheibenbremsen sind heiß gelaufen“, so Linus, der die Verletzung nicht ganz so tragisch sieht. Ein anderer Teilnehmer hatte sich die Hand gebrochen und fuhr dennoch weiter. Für die nächste Tour haben sich die Jugendlichen verabredet. Dann geht es wieder in die Berge.

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