Coesfelderin Romina Küper lebt ihren Traum von der Schauspielerei

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Auf der Bühne und vor der Kamera fühlt sich Romina Küper wohl, die extremeren Rollen sind genau das Richtige für sie. Auch wenn sich Theaterbühne und Filmset kaum mehr unterscheiden könnten – ihre Jahre an der Freilichtbühne möchte die gebürtige Coesfelderin nicht missen.

Coesfeld/Berlin. Tanz, Theater, Schauspiel – das ist die Welt, in der sich Romina Küper wohl fühlt. Seit ihrem dritten Lebensjahr spielte und tanzte die gebürtige Coesfelderin in verschiedenen Vereinen, unter anderem viele Jahre bei der Freilichtbühne Coesfeld. Heute lebt die 24-Jährige in Berlin. Ihr Studium ist dabei eher ein Nebenprojekt, stattdessen konzentriert sich Romina mit ganzer Kraft auf ihre Karriere als Schauspielerin.

Ein Selfie vom Dreh für die Kinoproduktion „Jonathan“ (2015): Romina Küper mit Schauspiel-Kollegin Ella-Maria Gollmer.

Geplant war das so eigentlich nicht. Nach ihrem Abitur am Gymnasium Nepomucenum im Jahr 2011 zog es Romina zunächst nach Dortmund. Von dort aus pendelte sie zum Studium der Komparatistisk und Theaterwissenschaft nach Bochum. Doch nach Coesfeld wurde auch Dortmund bald zu klein für sie. „Ich wollte in eine größere Stadt, deshalb der Hochschulwechsel und der Umzug nach Berlin. Wahrscheinlich habe ich schon damals vom Schauspiel geträumt, wollte mir das aber selbst nicht eingestehen. Das Risiko zu Scheitern schien einfach zu groß“, sagt sie rückblickend. Dabei hat die heute 24-Jährige eigentlich ein gesundes Selbstbewusstsein, Schüchernheit ist für die gerade mal 1,58 Meter große Nachwuchs-Schauspielerin eher ein Fremdwort. Bühnenerfahrung hat sie dank ihres langjährigen Engagements an der Coesfelder Freilichtbühne reichlich, zum Beispiel durch ihre Hauptrollen in „Peter Pan“ (2009) und „Hallo, lieber Gott“ (2010).

Das hat ihr zwar einiges an Erfahrung und Übung eingebracht, zwischen Theaterbühne und Filmkamera sieht Romina aber große Unterschiede: „Auf der Bühne geht es darum, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen, du spielst für das Publikum. Beim Film ist das ganz anders. Es gibt kein Publikum, die Szenen sollen möglichst echt und naürlich wirken – und zwar ohne dir anmerken zu lassen, dass dir der Tontechniker die Tonangel vor’s Gesicht hält und der Regisseur von der Seite aus alle deine Bewegungen aufmerksam verfolgt.“

Der Einstieg in die Welt der Film- und Fernsehproduktion gelang bei Romina – wie so oft in der Branche der Kunst- und Kulturschaffenden – durch Zufall. Auf der Suche nach einem neuen Zimmer registrierte sie sich bei einer Online-Plattform für Wohnungssuchende, stellte sich als ganz normale Studentin vor und gab erstmals auch ihr Facebook-Profil an. „Von der Regisseurin, in deren WG ein Zimmer frei war, habe ich wegen dem Zimmer nie wieder was gehört. Stattdessen hat sich irgendwann eine Schauspiel-Agentin per Facebook bei mir gemeldet, die mich gerne kennenlernen wollte. Die Regisseurin hatte mein Profil an sie weitergeleitet. Das war natürlich total krass, ich hatte einen richtigen Schock, aber ich habe mich auch riesig gefreut!“

Inzwischen lässt sich Romina nicht mehr schocken, wenn sich Regisseure, Casting-Agenten oder Schauspielkollegen bei ihr melden. Ziemlich genau drei Jahre lang wohnt sie nun schon in Berlin, mit ihrem Freund fühlt sie sich in der gemeinsamen Wohnung in Schöneberg wie Zuhause und das Hin und Her zwischen Castings, Filmdreh und der Vorbereitung auf die nächsten Rollen ist fast schon zum Alltag geworden. Rund 15 Schauspiel-Castings hat Romina in den Jahren 2015 und 2016 jeweils besucht, dazu kamen noch Castings für Werbefilme und Ähnliches.

Vor anspruchsvollen Rollen hat Romina keine Scheu. „Die eher extremeren Figuren sind genau mein Ding! Wenn ich mich voll auf die Figur einlasse, dann fühlt sich das Spielen genau richtig an.“ Schwieriger seien da schon eher die Schauspiel-Castings: „Castings sind richtige Stresssituationen. Auf Knopfdruck verschiedene Emotionen und Spannungsbögen hervorzurufen erfordert schon einige Übung und Vorbereitung.“

Aber auch wer seine Sache gut macht und schauspielerisch sein Bestes gibt, hat noch lange keine Rolle sicher. „Vielleicht passt deine Größe, dein Typ oder deine Haarfarbe nicht zu den Vorstellungen des Regisseurs. Solche Castings können manchmal extrem frustrierend sein, denn letztlich liegt die Entscheidung der Filmemacher außerhalb deines Wirkungsspektrums. Anzuerkennen, dass eine Absage nichts mit der eigenen Persönlichkeit oder dem eigenen Talent zutun hat, ist manchmal gar nicht so einfach.“

Sich am Set unbeobachtet zu fühlen, ist gar nicht so einfach: Romina beim Dreh zu „Dissonanz“ (2016) mi Regisseur Linus Joos und weiteren Crew-Mitgliedern im Hintergrund:

Da ist es angenehm, sich nicht alleine um alles kümmern zu müssen: Unterstützung bekommt Romina von Angela Hobrig von der gleichnamigen Schauspielagentur. Sie ist zuständig für alles jenseits des künstlerischen Bereichs. „Meine Agentin schlägt mich für Castings vor, empfiehlt mich weiter, kümmert sich um mein Schauspielprofil und die Aushandlung meiner Verträge und Gagen. Und falls beim Dreh etwas nicht passt oder ich nicht mehr weiter weiß, hat sie ein offenes Ohr für mich.“

Ein offenes Ohr, Verständnis und Unterstützung – das bekommt Romina auch von ihrer Familie: „Meine Eltern lassen mir in dieser Hinsicht jeglichen Freiraum. Ein ,Mach was Vernünftiges’ gab es bei uns nie. Sie kennen mich einfach zu gut und haben mich immer aufgefordert, etwas Kreatives zu machen. Ich selbst war es immer, die dachte, sie muss was ,Richtiges’ machen.“

Gleichzeitig steht für sie fest: „Studium und Schauspiel – das geht gar nicht!“ Die letzten beiden Jahre habe sie ihr Studium ziemlich vernachlässigt, zwischenzeitlich sogar gar keine Kurse mehr belegt. „Zwischen den vielen Castings und Drehtagen war einfach keine Zeit dafür. Inzwischen bin ich hier aber richtig angekommen, mein Leben hat sich wieder etwas normalisiert und ich kann auch zeitweise wieder zur Uni gehen.“

Nach Coesfeld kommt die 24-Jährige inzwischen nur noch selten. „Das ist schon sehr anders als Berlin. Ich komme wirklich gerne her, um meine Familie zu sehen und ich genieße es, hier im Grünen spazieren zu gehen, aber aus Berlin gehe ich erstmal nicht mehr weg. Das ist einfach meine Welt.“

Trotz einiger Rückschläge konnte Romina vor allem im vergangenen Jahr auch erste größere Erfolge verbuchen, darunter die Hauptrolle im Film „Baby Bitchka“ (2016) unter der Regie von Anna Maria Roznowska, Studentin an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Als „Sascha“ spielt Romina darin eine Figur, die nicht im Einvernehmen mit dem aktuellem Weltgeschehen ist. „Sie betrinkt sich um zu vergessen, und merkt nicht wie sie immer mehr zu einem Narzissten wird, zu einem Gegner, nicht gegen das Unrecht der Welt ist, sondern zu einem Gegner ihrer selbst“, beschreibt sie ihre Rolle.

Es sind diese Filme jenseits des Kommerz- und Blogbuster-TVs, die Romina reizen. „Mir gefallen die vielschichtigen und ungewohnten Rollen. Ein guter Film muss für mich eine gute Geschichte haben. Ich will mich in meinen Rollen ausprobieren können und Dinge tun, die ich selbst noch nie erlebt habe.“ Für Romina geht somit ein spannendes und ereignisreiches Jahr 2016 zu Ende. Von ihrem persönlichen 2017 hat sie klare Vorstellungen: „Ich freue mich darauf, einige der fertigen Filme zu sehen und möchte viele neue tolle Sachen drehen.“ Wie sie das erreichen möchte? „Ich werde mein Bestes geben, den Rest entscheiden die anderen!“

Filmographie

2017 Louis (AT) (Hauptrolle), R: Anna Maria Roznowska, Kino 2016 Dissonanz (AT) (Hauptrolle), R: Linus Joos, BA-Film Universität Bayreuth 2016 Deine beste Zeit (Hauptrolle), R: Patrick Suite, BA-Film FH Aachen 2016 Dri Chinisi (Hauptrolle), R: Victor Buzalka, DFFB Kurzfilm 2016 Baby Bitchka (Hauptrolle), R: Anna Maria Roznowska, DFFB 2015 Jonathan, R: Piotr J. Lewandowski, Kino 2015 Gleißendes Glück, R: Sven Taddicken, Kino 2015 Anfang (Hauptrolle), R: Gio Korkashvili, DFFB Abschlussfilm 2015 Goldfische mögen kein Gebrüll (Hauptrolle), R: Antonia Walther, DFFB Kurzfilm 2015 Let me ask my mum first (Hauptrolle), R: Anna Maria Roznowska, DFFB Kurzfilm 2015 Rummel, R: Katharina Wolll, DFFB Kurzfilm 2015 Lone Wolf (Hauptrolle), R: Anna Maria Roznowska, DFFB Kurzfilm 2015 Landsmann, R: Hans Henschel, Kurzfilm 2014 Universe/Earth/Florida, R: Linus Dutz und Rick Decker, UDK Berlin Kunstfilm 2014 Gangsigns & Küsse - Sickless, R: David Dollmann, Musikvideo

Demoband unter https://www.schauspielervideos.de/fullprofile/schauspieler-romina-kueper.html.

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