Coesfelder pilgern seit zwei Jahrzehnten nach Kevelaer

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Elisabeth Recker (von links), Hermann Kloster und Marlies Kersen von der diesjährigen 12-köpfigen Pilgergruppe.

Coesfeld. Freitag, 3. August, 4 Uhr: Nach einem Gebet und dem Reisesegen in der Jakobikirche durch Rudolf Schulze-Bertelsbeck machen sich zwölf Pilger zur Wallfahrt nach Kevelaer auf, darunter auch die Coesfelderinnen Marlies Kersen, seit 2003 dabei, und Elisabeth Recker, bereits 21-malige Teilnehmerin der Pilgertour.

Schon um 2.15 Uhr packt Kevelaer-Hobbyorganisator und -fahrer Herman Kloster eine große Menge an Getränken in den Bulli. Erstmals ist er nun als Beifahrer mit im Einsatz, wobei sein Schwiegersohn Gregor Gröning das Fahrzeug lenkt. „Vor 20 Jahren habe ich von Hubert Rüping das Organisieren der Wallfahrten und das Fahren von Willi Gehling übernommen.“

Eine Menge zu tun blieb für Kloster schon Monate vor der diesjährigen Marienwallfahrt: „Fünf handgeschriebene Seiten mussten abgearbeitet werden. Ab April habe ich schon die Quartiere gesucht, telefonisch und direkt vor Ort.“ Auch für die Koordinierung der vorgesehenen Verpflegungsstände und die Versorgung mit Getränken ist er zuständig. Die rund 100-Kilometer-Fußstrecke ist mit einer Reihe Stationen verbunden. „Die erste Pause machten wir nach rund 18 Kilometern am Artesischen Brunnen. Dort wurden Stühle und Bänke aus dem Bulli geholt“, so Kloster. Nach einer halben Stunde ging es weiter über elf Kilometer Richtung Borken. Hier hatte der Hauptakteur bereits ein Stehcafé für die Gruppe reserviert. Die nächste Station war dann Borken-Rhedebrügge. Nach neun Kilometern erreichten sie die dortige Kirche, später dann zunächst den Klausenhof und anschließend das zwei Kilometer entfernt liegende Dingden. Bis dahin hatten die Pilger bereits 52 Kilometer bewältigt. „Hier fand um 17.15 Uhr eine kurze Andacht statt. Im Altenheim St. Josef haben wir übernachtet.“

Am zweiten Tag, Samstagmorgen ab 7 Uhr, führte sie der Weg von der Pankratiuskirche aus weiter in Richtung Rhein, den man nach einem zweistündigen Fußmarsch erreichte. „Von Rees aus sind wir mit dem Taxi über den Rhein nach Obermörmter gefahren, dem nördlichsten Ortsteil der Stadt Xanten. Dann sind wir eine Stunde am Rhein entlanggelaufen bis zur Kirche Marienbaum.“

„Vor 19 Jahren sind wir mal an einem Schützenfest vorbeigekommen. Die Musik hat uns dann zum Tanz inspiriert.“ ELISABETH RECKER

Weitere Stationen waren danach der Reichswald und eine Gaststätte im Üdamer Bruch. „Seit fast 50 Jahren lassen wir uns hier schon Plätze reservieren.“ Um 14 Uhr setzten die Teilnehmer in Richtung A 57 über Wirtschaftswege ihren Pilgergang fort. „Ich stelle immer an verschiedenen Stellen in zwei bis drei Kilometer Entfernung Mineralwasser, Apfelschorle und Malzbier hin. Mit 100 Flaschen komme ich nicht aus.“ Um 16.30 Uhr erreichte man den Fluss Niers in Kevelaer, wo man sich noch eine Pause mit einem Kümmerling gönnte. Die letzte Teilstrecke über drei Kilometer endete dann am Zielort Gnadenkapelle mit dem Marienbild „Trösterin der Betrübten“ am Kapellenplatz. „Um 18 Uhr gab es eine Andacht in der Pax-Christi-Kirche mit insgesamt rund 40 Besuchern. Dann sind alle noch in die Gnadenkapelle gegangen.“ Um 19 Uhr folgte die Rückfahrt. „Mehrere Personen waren am Samstag noch mit dem Fahrrad nach Kevelaer gekommen“, berichtet Kloster.

Bei der Kevelaer-Tour gerne getragen wird seit 2011 auch der orangefarbene Pilgerschal. „Herr Schulze-Bertesbeck und ich haben ihn entworfen“, so Elisabeth Recker. „Ich habe ihn genäht und wir haben ihn bei der Firma Eckert drucken lassen.“ Ein Ereignis ist ihr noch in guter Erinnerung geblieben: „Vor 19 Jahren sind wir mal an einem Schützenfest vorbeigekommen. Die Musik hat uns dann zum Tanz inspiriert.“ Am Sonntagabend gab es um 19 Uhr noch eine kurze Abschlussandacht mit Segen, durchgeführt von Pastor Thomas aus Indien, und anschließend beendete ein gemütliches Treffen in der Gaststätte Haselhoff an der Jakobikirche die aktuelle Wallfahrt. Das Fazit nach der rund 100-Kilometer-Pilgertour von Elisabeth Recker und Marlies Kersen: „Es ist wohl anstrengend, wenn man in Kevelaer angekommen ist, doch ist man auch gerührt und dankbar, dass es wieder geschafft wurde – und man freut sich auf das nächste Jahr. So Gott will, sind wir alle am 2. und 3. August 2019 wieder bei der Pilgertour dabei.“

Zum Thema: Kevelaer-Fahrten

Monika Voß von der Rezeption der katholischen Pfarr- und Wallfahrtsgemeinde St. Marien Kevelaer: „Seit 1642 ist Kevelaer schon Marienwallfahrtsort. Es kamen früher mal jährlich über 800 000 Besucher. Nach Auskunft unseres Wallfahrtleiters Dr. Rainer Killich sind schon seit 1910 Coesfelder Pilger zu uns gekommen. Die Wallfahrten sind vom 1. Mai bis zum 1. November.“

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