SL-Serie Teil 7: Die Kolpingspielschar zum Fall Hugo Oppenheimer

Café-Gespräch im Museum

Klärchen Kaup, Gisela Wiedau, Karl-Heinz Terwey und Theo Borgert im Ausstellungsraum „Nationalsozialismus“. Die Mitglieder der Kolpingspielschar haben die Station zum Leben des Juden Hugo Oppenheimer mitgestaltet.

Coesfeld. Die Ausstellungsräume im Stadtmuseum „Das Tor“ sind gut gefüllt.

Fotos, Briefe, andere persönliche Dokumente und Gegenstände sind auf vielfältige Weise an den unterschiedlichen Stationen ausgestellt. Und mittendrin gibt es eine Kulisse, die auf den ersten Blick so gar nicht an diesen Ort zu passen scheint. Im siebten Teil der Streiflichter-Serie „Coesfelder Geschichte(n)“, in der es um einzelne Exponate des Museums und die dahinterstehenden Menschengeschichten geht, erzählen Klärchen Kaup, Gisela Wiedau, Theo Borgert und Karl-Heinz Terwey von der Kolpingspielschar Coesfeld, was es mit dieser Station auf sich hat und wie sie selbst in Verbindung dazu stehen.

Kulisse vom ehemaligen

Café Kemper nachgestellt

Zwei Stühle, die sich, getrennt durch einen Tisch in ihrer Mitte, gegenüber stehen. Auf dem Tisch liegt eine Speisekarte, an der Wand dahinter hängt ein Gemälde, das einen Ausschnitt der Coesfelder Innenstadt in den 1930er Jahren zeigt. Tritt man näher heran, setzt man sich vielleicht auf einen der Stühle, kann man plötzlich leise Stimmen vernehmen. Irgendjemand scheint sich zu unterhalten. Bei genauerem Hinhören werden die Besucher im Museum dann Zeugen einer längst vergangenen Zeit.

Plötzlich scheinen die 30er Jahre wieder Realität zu sein. Die Stühle und der Tisch gehören zur Einrichtung des Cafés Kemper in der Schüppenstraße. Vier Leute, zwei Frauen und zwei Männer, sitzen an einem ähnlichen Tisch und unterhalten sich, während im Hintergrund die Kaffeetassen klappern, über die jüngsten Vorkommnisse in Coesfeld:

Am 14. Februar 1935 hat es einen Unfall gegeben, der einflussreiche Kaufmann Hugo Oppenheimer ist angefahren und tödlich verletzt worden. Aber war das schreckliche Geschehen wirklich ein Unfall? Oder vielmehr eine geplante Tat? Schließlich war Hugo Oppenheimer doch Jude gewesen und hatte sich bereits mehrfach kritisch gegenüber den Nationalsozialisten geäußert…

Klärchen Kaup, Gisela Wiedau, Theo Borgert und Karl-Heinz Terwey stehen zunächst etwas erstaunt vor der Audio-Station im Stadtmuseum. Es ist das erste Mal, dass sie sich die nachgestellte Gesprächszene im Café in aller Ruhe anhören können. Ganz gespannt lauschen sie ihren eigenen Stimmen, die im breiten Hochdeutsch miteinander diskutieren. „Im vergangenen Sommer wurden wir als Mitglieder der Kolpingspielschar gefragt, ob wir die Vertonung des Audiobeitrags übernehmen möchten“, erinnert sich Kaup. Nachdem sie das von Georg Veit geschriebene Drehbuch erhalten und die Rollen zugeteilt hatten, machten sich die vier Sprecher an die Arbeit: In breitem Hochdeutsch, aber nicht auf Platt sollten sie sich miteinander unterhalten, die Stimmen sollten nicht gekünstelt und der Text möglichst frei klingen. Als „dat“ und „wat“ richtig saßen und für den letzten Funken Authentizität sorgten, ging es in die Musikschule. „Mit einem professionellen Tontechniker haben wir ungefähr eineinhalb Stunden an der Aufnahme gearbeitet“, so Kaup.

Schwierig sei das Sprechen nicht gewesen, sagt Borgert. Schließlich hätte die Gruppe auf die Erfahrung aus den Theaterstücken der Kolpingspielschar zurückgreifen können. „Leicht gefallen ist mir meine Rolle trotzdem nicht“, ergänzt Wiedau, „Es war für mich ziemlich schwierig, mich so deutlich gegen die Juden zu positionieren.“ Die anderen nicken zustimmend.

Station über Hugo

Oppenheimer und Familie

Auf den zweiten Blick erkennt man schließlich, dass die Café-Kulisse sehr wohl in den Raum passt. An der Wand gegenüber befindet sich eine große Station zu Hugo Oppenheimer und seiner Familie. Dort erfährt der Besucher, wie es nach dem Unfall weiterging.

Als Witwe sah sich Hedwig Oppenheimer genötigt, das familieneigene Textilgeschäft aufzugeben. Zunächst nach Düsseldorf umgezogen, gelang der Mutter mit ihren zwei Kindern schließlich die Flucht in die USA..

Mit einer „Wiedergutmachungszahlung“ sollte der Verlust des Besitzes später entschädigt werden. Bis heute ist die genaue Todesursache des zweifachen Familienvaters ungeklärt.

Streiflichter-Ausgabe vom 20.6.2012

Von Tina Walther

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