„Das Bonbon der Polizeiarbeit“: Start der Verkehrserziehungsaktionen in den Kindergärten 

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Große Augen machten die Kinder im St.-Lamberti-Kindergarten beim Begutachten der von Jürgen Sicking mitgebrachten Utensilien, unter anderem der Polizeiuniform mitsamt Funktionsmütze, Winkerkelle und Handschellen.

Coesfeld. Wenn man als Kindergartenkind morgens in den Kindergarten kommt und ein großes Loch in der Scheibe zu sehen ist, was macht man dann? Na klar – die Polizei anrufen! Und unter welcher Nummer? Auch das wissen die Kinder im Kindergarten Anna Katharina Emmerick wie im Schlaf und rufen: „110“. Zufrieden sinkt Verkehrssicherheitsberater Jürgen Sicking von der Kreispolizei in seinen Stuhl im Stuhlkreis zurück. Seine Aufgabe: Den angehenden Schulkindern im Kreis Coesfeld die Scheu vor der Polizei zu nehmen und das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu vermitteln.

Pünktlich zum neuen Jahr haben wieder die Verkehrserziehungsaktionen der Polizei in den Kindertageseinrichtungen begonnen. Jürgen Sicking fährt dafür in die Kindergärten im Kreis, um in kindgerechter Form den Polizeialltag des „Freund und Helfers“ nahezubringen und zu zeigen, wie man sich richtig und sicher im Straßenverkehr verhält. „Der Kontakt zu den Kindern ist sehr wichtig, weil viele die Polizei als Bestrafung kennenlernen – beispielsweise, wenn es heißt: ,Wenn du nicht gehorchst, kommt die Polizei und holt dich.’“

Spielerisch hat Jürgen Sicking den Kindern im Kindergarten Anna Katharina Emmerick den Polizeialltag nähergebracht.

Sicking hat die Aufgabe im Jahr 2016 von Klaus Aufenanger übernommen. „Für mich ist das das Bonbon der Polizeiarbeit – ich kann mir nichts Schöneres vorstellen“, sagt er. Und das merkt man auch, wenn man ihm bei der Arbeit zuschaut: Bei seinen Fragen recken sich Dutzende Kinderhände in die Höhe, beim Begutachten der Uniform und der Handschellen staunen die Kinder – und vor allem wird viel gelacht. Zum Beispiel, wenn jedes Kind einmal die blaue oder weiße Funktionsmütze der Polizei aufsetzen darf. Oder, wenn ganz überraschend festgestellt wird, dass Kinderhände einfach durch die Handschellen rutschen. Denn die sind natürlich nur für Erwachsene gedacht – was die Kinder mit viel Freude bei ihrer Erzieherin Irmgard Steinkamp feststellen dürfen.

Auch die Kinder vom Kindergarten Maria Frieden haben viel zu lachen, als Kindergartenkind Jakob aus den Handschellen rutscht. „Das war wirklich lustig, weil die Handschellen zu klein waren“, kichert er und öffnet im Anschluss die Handschellen seiner Erzieherin Irmgard Richters, die sich ohne Hilfe nicht befreien kann.

Lustig wird es, als bei Kindergartenkind Luca die Handschellen abfallen, weil die natürlich nicht für Kinderhände gedacht sind.

Die Angst vor der Polizei scheint der Letteraner den Kindern jedenfalls genommen zu haben. Aber die Kinder nehmen auch ganz handfestes Wissen mit nach Hause: Wie man sich richtig anschnallt, warum Sitzschalen im Auto erst für Schulkinder sind und was man macht, wenn man von fremden Menschen auf der Straße angesprochen wird. Der kleine Lion aus dem Kindergarten Anna Katharina Emmerick zeigt das ganz selbstbewusst, als er ein Kind mimen soll, das seine Eltern verloren hat, und sich weigert, zu dem fremden Mann mit nach Hause zu gehen. „Das hast du toll gemacht“, lobt ihn sein Freund Louis.

Zum Abschied gibt es von der Sparkasse gesponserte Leuchtstreifen für alle. Lion erklärt: „Damit man auch im Dunkeln gesehen wird.“ Auch beim anstehenden Kauf der Schulranzen solle auf die Sichtbarkeit geachtet werden, betont Sicking.

Sein Besuch ist Teil der Verkehrserziehungsaktionen in den Kindertageseinrichtungen. Dazu gehören auch ein Ampelgang, der Besuch der Polizeistation und eines pädagogischen Puppenspiels der Verkehrspuppenbühne der Polizei. Auch Eltern-Infoveranstaltungen werden angeboten. Die Termine können die Eltern der in diesem Jahr einzuschulenden Kinder in den Kindergärten erfahren.

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