Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V.

Wo Kunst und Kultur Therapiebestandteile sind: IBP e.V. blickt auf ein 30-jähriges Bestehen zurück

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Der Verein Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V. (IBP e.V.) veranstaltet im Jahresverlauf zahlreiche Kunst- und Kulturevents. In der Geschäftsstelle wirken dabei (von links) Martin Althoff (Geschäftsführer), Claudia Dreier, Andrea Schmäing (Geschäftsführerin), Maria Sprey, Ursula Eismann, Sascha Dalitz, Astrid Broll und Peter Tiemann.

Coesfeld/Darup/Billerbeck. In diesem Jahr feiert der Verein „Interkulturelle Begegnungsprojekte e.V.“ (IBP) sein 30-Jähriges: Im Anfang stand die Idee, kulturelle Begegnungen über Staats- und politische Blockgrenzen hinweg zu bewirken. Das war 1989 – die Zeit, als sich die Grenzen zu den osteuropäischen Ländern öffneten. Aus dieser Idee entstand innerhalb der drei Jahrzehnte eine Institution mit 110 hauptamtlichen Mitarbeitern. Sie helfen Frauen und Männern mit Alkohol- und anderen Suchtproblemen und mit psychischen Erkrankungen, ein Leben ohne Suchtmittelkonsum und mit Struktur zu führen. Hierbei bilden Kunst und Kultur ein festes Element der sozialen Arbeit. Das neue Kulturprogramm der IBP mit zahlreichen Veranstaltungen auf dem Alten Hof Schoppmann in Darup und in und an Billerbecks Bahnhof gibt hierzu einen Einblick.

„Unsere Klienten sind bei den Kunst- und Kulturveranstaltungen immer beteiligt – nicht zuletzt bei der Vorbereitung und Nachbereitung der Veranstaltungen sowie bei der Durchführung, aber auch bei der Begegnung mit der Kunst und mit den Künstlern. Auch dies ist Bestandteil von Inklusion“, sagt Martin Althoff. Der Diplom-Sozialpädagoge und Diplom-Sozialwirt MA hat zusammen mit Diplom-Sozialpädagogin Andrea Schmäing die Geschäftsführung des IBP e.V. inne; im Verein sind auch beide als Vorsitzende tätig. Nachdem sie sich im Studium kennengelernt hatten, hatten sie die IBP e. V. vor 30 Jahren mit ins Leben gerufen und maßgeblich geprägt und bewegt.

1994 erste stationäre Einrichtung eröffnet

Nach und nach entwickelte sich die Arbeit des IBP e.V.: 1994 wurde das Haus Pfauengasse in Coesfeld in Betrieb genommen. Hier leben zehn Klienten des IBP e.V. Insgesamt werden 90 Personen von der IBP stationär betreut. Etwa im Wohnheim in Coesfeld, das 1997 eröffnet wurde. Ambulant betreuen die IBP e.V. aktuell rund 90 Klienten; begonnen hatte dies 2002. 1995 entstand die Dienstleistung Sozialwerkstatt Coesfeld (DiSoCo). Hier findet Berufsbildung statt und arbeiten Klienten des IBP e.V. mit Holz und anderen Materialien – von hier aus starten aber auch Arbeitseinsätze. So bieten die IBP e.V. Garten- und Grünpflege an, außerdem werden von hier ausgehend Arbeiten in Wohnungen verrichtet – etwa Renovierungen in IBP-eigenen Immobilien.

Zu den IBP e.V. gehören aktuell 30 Wohnungen 

Denn: Zu den IBP e.V. gehören mittlerweile auch 30 Wohnungen. „Anfangs haben wir Wohnungen gemietet, in denen unsere Klienten wohnen konnten. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es in mancherlei Hinsicht für den IBP e.V. sinnvoller ist, Wohnungen und Häuser zu kaufen und Wohnungen an die Klienten zu vermieten. Viele unserer Klienten hätten sonst Schwierigkeiten, auf dem freien Wohnungsmarkt Bleiben zu finden“, erklärt Martin Althoff. Auch komplette Mehrfamilienhäuser mieten die IBP e.V. und vermieten Wohnungen an die Klienten weiter. „Die Eigentümer haben von uns die Sicherheit, dass die Immobilien in gutem Zustand bleiben“, so Althoff. Seit 1999 gibt es in der Trägerschaft des IBP e. V. den Pferdehof Hövel in Darup. Dort wohnen aktuell 16 Klienten und kümmern sich um die 13 dort eingestellten Pferde. Auch Hühner werden gehalten, deren Eier nicht nur in Billerbeck beim Wochenmarkt, sondern auch am Bahnhof Billerbeck verkauft und in den Einrichtungen zur Essenszubereitung verwendet werden. Im vergangenen Jahr wurde unter anderem mit Musik das 20-jährige Bestehen des Pferdehofs Hövel gefeiert.

Kultur und Kulinarik in Billerbeck und Darup 

Seit 2004 sind die IBP e.V. in Billerbecks Bahnhof aktiv – mit Getränke- und Speisenangeboten sowie immer wieder auch mit Konzerten sowie Lesungen und Ausstellungen. 2015 kam dann der Alte Hof Schoppmann in Darup hinzu – ein Projekt der Regionale 2016. Auch dort sorgen die IBP e.V. für ein Speisen- und Getränkeangebot und für kulturelle Programme, außerdem sind die IBP e.V. Ansprechpartner für die Nutzung der Räume vom Alten Hof Schoppmann. Und auch für Catering für kleinere und größere Gesellschaften sind die IBP e.V. Ansprechpartner. Sowohl an Billerbecks Bahnhof als auch auf dem Alten Hof Schoppmann haben sich die Programme am 1. Mai zur Tradition entwickelt – mit Spielen für die Kinder, Speisen- und Getränkeangebote und nicht zuletzt Live-Musik.

Geschäftsführung weiter in Händen der IBP-Gründer 

„Wir sind schon ein wenig stolz auf das, was sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat“, sagen Martin Althoff und Andrea Schmäing, denen eines wichtig ist: „Die IBP e.V. sind zwar stark gewachsen – die Geschäftsführung liegt jedoch weiter in unseren Händen – auch wenn wir uns in die Materie hineinknien mussten und müssen. Dadurch, dass wir Sozialpädagogen weiterhin die Geschäftsführung haben, können wir sozialpädagogisch und kulturprogrammatisch entsprechende Schwerpunkte und Akzente setzen“, sagt Andrea Schmäing. Wenn sie und Martin Althoff auf die 30 Jahre zurückblicken – was wird da deutlich? „Wir verwalten uns in Deutschland bis in eine Sackgasse“, ist Martin Althoff frei heraus. „Und man muss sich vor Augen halten: wenn ich viel aufschreibe und viel verwalte, muss das noch lange nicht heißen, dass meine fachliche Arbeit gut ist“, so der 57-Jährige, der in den Verwaltungs- und Dokumentationspflichten eine Haltung von Misstrauen ausmacht.

Heutige Klientel teilweise recht jung 

Auch ein weitere Punkt sei deutlich: „Früher waren die Personen, die wegen psychischer Erkrankung oder wegen Alkoholsucht zu uns kamen, in der Regel viel älter als heute. Und sie waren meist beruflich qualifiziert. Heute sind viele unserer Klienten viel jünger und ohne Berufsqualifikation“, so Martin Althoff. Trotz aller Schwierigkeiten: „Rund 30 Prozent der Personen, die unsere Hilfe in Anspruch nehmen, sind später wieder in der Lage, im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – sie werden vom Nutzer des Sozialsystems also zur Stützte des Sozialsystems – das ist wirklich erfreulich“, so Martin Althoff. Was er und Andrea Schmäing sich wünschen würden? „Dass sich viele Klienten eher Hilfe geholt hätten, so dass die Situation nicht so schlimm wird.“ Wenn beispielsweise ganze Rechtsanwaltskanzleien wegen Überforderung psychisch krank werden und Hilfe brauchen oder Lehrer stationäre Hilfe benötigen. „In unserer Gesellschaft kann es einfach jeden und jede treffen, professionelle Hilfe nötig zu haben.“

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