„Die Bibel zur Sprache bringen“: Lektoren in Coesfelder übernehmen Verkündigungsauftrag

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Hildegard Mensing (links) und Gertrud Stockmann führen den Lektorendienst in der Anna-Katharina-Gemeinde bereits seit einigen Jahren gemeinsam aus.

Coesfeld. Sie verkünden das Wort Gottes – und sind deshalb aus den Gottesdiensten der Coesfelder Kirchengemeinden nicht wegzudenken: die ehrenamtlichen Gemeindemitglieder, die den Lektorendienst ausführen. „Die Lektoren bringen die Bibel zur Sprache“, sagt Johannes Hammans, Pfarrer in der Anna-Katharina-Gemeinde Coesfeld. Genau deshalb sei der Dienst so wichtig. 25 Gemeindemitglieder sind aktuell in der Anna-Katharina-Gemeinde als Lektoren tätig. Zwei von ihnen: Hildegard Mensing und Gertrud Stockmann. Die Coesfelderinnen gestalten einmal im Monat den Gottesdienst in der Pfarrkirche Anna Katharina mit. Neben der Lesung gehört auch das Vortragen der Fürbitten zu ihren Aufgaben.

Wenn für das Duo der Lektorendienst ansteht, sind beide Frauen schon früh auf den Beinen. Bevor der sonntägliche 9-Uhr-Gottesdienst in der Pfarrkirche Anna Katharina beginnt, müssen die Fürbitten einmal geprobt werden - hier ist Teamwork gefragt. Hildegard Mensing, die das Down-Syndrom hat, und Gertrud Stockmann ergänzen sich gut. „Wir lesen die Fürbitten im Wechsel vor“, verrät Stockmann. „Vorher gucken wir gemeinsam, wer welche Fürbitte übernehmen kann.“ Nach einer kurzen Absprache kann es dann auch losgehen – fehlen dürfe nur die Lesebrille nicht, sagt Hildegard Mensing mit einem Schmunzeln. Für Gertrud Stockmann ist noch ein wenig mehr Vorarbeit nötig. Sie übernimmt das Vortragen der biblischen Textstelle, die vom Pastor oder Pfarrer vorgegeben wird.

„Da die biblischen Texte nicht für unsere Zeit geschrieben sind, ist das Vortragen manchmal eine Herausforderung“, sagt Johannes Hammans. Damit solche Herausforderungen gut gemeistert werden können, bietet das Kreisbildungswerk Coesfeld Schulungen für Lektoren an. „Denn von der Qualität des Lektorendienstes hängt ab, ob die Gemeinde zuhört“, so Johannes Heling, der Leiter des Kreisbildungswerkes Coesfeld. Die Gliederung des Textes gibt dem Lektor Hinweise darauf, wann Sprechpausen gemacht werden sollten und wie die Intonation sich verändern könnte. Besonders wichtig sei es außerdem, laut und deutlich zu sprechen, sagt Gertrud Stockmann, die auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann– Bereits seit 27 Jahren engagiert sie sich als Lektorin. „Wenn ein Text ein Gleichnis enthält, kann man ihn lebendiger lesen. Da passiert ja etwas. Bei beschreibenden Texten muss man dann schon gucken, wie man das liest“, so Stockmann. „Schlimm ist es nur, wenn man einen Text nicht versteht“, ergänzt die Ruheständlerin mit einem Lachen. Und wenn dann mal ein Versprecher dabei ist? „Das kommt schon mal vor“, sagt Stockmann, die in Anna Katharina auch im Kirchenchor singt. „Dann liest man einfach weiter. Viele in der Gemeinde kennt man ja, da fühlt man sich beheimatet.“ Lampenfieber ist bei Hildegard Mensing und Gertrud Stockmann schon lange passé. Früher sei manchmal ein wenig Aufregung dabei gewesen, erinnert sich Gertrud Stockmann, die auch außerhalb des Lektorendienstes gerne den Gottesdienst besucht. Aber nach 27 Jahren sei Aufregung kaum mehr ein Thema – genauso wenig für Hildegard Mensing. „Ich bin nicht aufgeregt. Ich finde das einfach schön“, sagt die 55-Jährige, die den Dienst als Lektorin nicht mehr missen möchte. „Ohne Kirche ist es für mich langweilig.“

„Ehrenamt ist ja außerdem immer auch eine Bereicherung“, betont Stockmann, die viel Freude daran hat, stellvertretend für die Gemeinde zu sprechen. Eine ganz besondere Art des Ehrenamtes.

Presbyterium führt Lesungen durch

Immer ein Mitglied des achtköpfigen Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Coesfeld übernimmt die Lesung im Gottesdienst.

Wer die Lesung durchführt, ist in der evangelischen Kirchengemeinde Coesfeld anders geregelt als in den katholischen Gemeinden: Das achtköpfige Presbyterium übernimmt die Lektorentätigkeit. Dabei gibt es einen Diensthabenden, der Pläne für die Verteilungen der einzelnen Gottesdienste erstellt. Ein Presbyter übernimmt dann regulär die Begrüßung, spricht das Glaubensbekenntnis mit und liest die Lesung vor. 

„Bei besonderen Gottesdiensten kann es allerdings auch vorkommen, dass andere Gemeindemitglieder außerhalb des Presbyteriums die Lesung übernehmen, wie beispielsweise Jugendliche bei Jugendgottesdiensten oder auch Senioren“, erklärt Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann, „Das kommt dann immer auf die Organisatoren des Gottesdienstes und die jeweiligen Gruppen an und geschieht in einzelner Absprache mit dem Lektor.“

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Lektoren in Anna Katharina

In der katholische Kirchengemeinde Anna Katharina in Coesfeld sind zurzeit 25 Lektoren tätig. „Wir haben schon viele, aber wir können immer noch mehr gebrauchen“, sagt Pfarrer Johannes Hammans. Interessierte aus der Gemeinde Anna Katharina können sich im Pfarrbüro, Am Tüskenbach 18 oder unter Tel. (02541) 2740 informieren.

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Lekotrenschulung

Das Kreisbildungswerk Coesfeld bietet in der Regel zwei Lektorenschulungen im Jahr an. Bei Bedarf könne jedoch eine weitere Schulung eingerichtet werden, so Johannes Heling, der Leiter des Kreisbildungswerkes Coesfeld. Die Schulung richtet sich an Interessierte im Kreisdekanat Coesfeld. Die nächste Lektorenschulung - ein Grundkurs - findet am Freitag, 15. März, von 18 bis 21.30 Uhr und am Samstag, 16. März, von 9.30 bis 17 Uhr in der Kolpingbildungsstätte Coesfeld statt. Unter der Leitung von Sprecherzieherin Renate Weiß werden Aspekte der Rhetorik in Theorie und Praxis durchgenommen. Außerdem soll der Zugang zu den Bibeltexten erleichtert werden. „Von der Qualität des Lektorendienstes hängt ab, ob die Gemeinde zuhört“, sagt Johannes Heling. „Deshalb ist es wichtig, die Lektoren entsprechend zu schulen.“ Anmeldungen für die Schulung werden in den Pfarrbüros entgegen genommen.

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