Rund 130 Sternsinger aus der Anna-Katharina-Gemeinde waren am Freitag und Samstag unterwegs

Zu Besuch aus dem Morgenland

„Wir kommen daher aus dem Morgenland...“ – mit diesen Worten begrüßten die rund 130 Sternsinger im Alter von vier bis 16 Jahren am Wochenende die Gläubigen im Einzugsgebiet der Anna-Katharina-Gemeinde. Viele Leute freuten sich über den kurzen Besuch und waren gerne bereit zu spenden.

Coesfeld. Es ist Freitagmittag, 13 Uhr, als die ersten Kinder und Jugendlichen das Pfarrzentrum Anna Katharina betreten.

Zuerst geht es in den großen Saal, der kurzerhand zur Umkleide umgewandelt wird. Ein roter oder blauer Umhang? Eine richtige Krone oder doch lieber ein Turban? Und wo sind eigentlich die Sterne für die Sternträger? Nachdem all diese Fragen geklärt sind, werden einige Kinder noch mit dunkler Farbe geschminkt. Die diesjährige Sternsingeraktion der Anna-Katharina-Gemeinde kann beginnen.

Aber bevor die kleinen Königinnen und Könige in Dreier- bis Fünfergruppen losziehen, um die Haushalte der Gläubigen aufzusuchen, geht es noch kurz zum Aussendungsgottesdienst in die Kirche. Kaplan Fabian Tilling freut sich auf die „größte weltweite Aktion von Kindern für Kinder.“ Dann ist es endlich so weit: Gegen 14.20 Uhr verlassen die ersten Sternsinger das Pfarrgelände. In alle Richtungen machen sie sich auf – zum Tüskenbach, Stadtbusch oder Neubaugebiet Nord-West.

Sternsinger werden mit

Geld und Süßem belohnt

14.30 Uhr. Im Wienhörsterbach klingelt es an der Haustür. Es dauert einen kurzen Moment, bis eine Frau die Tür öffnet und überrascht im Rahmen stehen bleibt. Ellen, Robin, Fiona und Larina helfen ihr gerne auf die Sprünge. „Wir kommen daher aus dem Morgenland…“, singen sie. Jetzt ist alles klar, die Sternsinger sind wieder unterwegs! Geduldig hört sich die Frau das Lied und die darauf folgenden auswendig gelernten Texte an.

„Das habt ihr aber toll gemacht“, sagt sie und verschwindet kurz in einem Nebenraum. Neugierig warten die vier Sternsinger am Eingang, bis die Frau mit einem Geldschein und einigen Süßigkeiten zurückkommt. „Das hier ist für euch“, sagt sie, steckt den Schein in die Sammeldose und die Süßigkeiten in einen großen Stoffbeutel, den Robin ihr entgegen hält. „Dürfen wir noch den Segen anschreiben?“, fragt Fiona. „Ja, natürlich“, antwortet die Frau und schaut zu, wie die Neunjährige mit Kreide an die Hauswand schreibt. Dann ist der kurze Besuch auch schon wieder vorbei, die Kinder bedanken sich und machen sich auf zur nächsten Haustür. Was bleibt, ist die seltsame Botschaft aus Kreide. 20*C+M+B+13. Was das wohl bedeuten mag? „Caspar, Melchior und Balthasar“, wird ein Sternsinger beim Aussendungsgottesdienst am Samstag auf die Frage von Pastor Johannes Hammans antworten. „Naja, fast“, schmunzelt der. Gut, dass das jetzt nochmal geklärt wird. Eigentlich steht das C+M+B für den lateinischen Satz „Christus mansionem benedicat“, was übersetzt heißt „Christus segne dieses Haus“.

„Wir besuchen die Leute nämlich nicht nur, um Geld und Süßigkeiten zu sammeln, sondern auch, um sie für das kommende Jahr zu segnen“, erklärt einer der Teilnehmer. Innerhalb von nur zwei Tagen besuchen die Sternsinger nahezu alle Haushalte im Gemeindegebiet. Eine Aufgabe, die das gesamte Seelsorgeteam niemals in so kurzer Zeit bewältigen könnte. „Die Frau, bei der wir gerade waren, hatte richtig Tränen in den Augen. Die war schon ganz alt und bekommt bestimmt nicht so oft Besuch“, erzählt Luisa. „Deshalb ist es gut, dass wir hier waren.“

Kurz nach 18 Uhr. Endlich haben Ellen, Robin, Fiona und Larina es geschafft. Nach fast vier Stunden haben sie an jede Haustür in dem ihnen zugeteilten Gebiet geklingelt. Nicht immer wurde ihnen aufgemacht, aber schließlich ist auch nicht überall jemand zu Hause und manche können mit den Sternsingern vielleicht auch gar nichts anfangen. Es war kalt, es hat genieselt, irgendwann wurde das Singen und Textaufsagen anstrengend.

Warme Suppe und

Getränke zur Stärkung

Aber die Arbeit hat sich gelohnt: Mit vier schweren Tüten voll mit Süßigkeiten und einer Sammeldose, die mit Geldscheinen und Münzen gut gefüllt ist, kehren die vier zum Pfarrzentrum zurück. Schnell bringen sie ihre Kostüme wieder in die Umkleide, die Tüten und das Geld werden ihnen von den erwachsenen Helfern abgenommen. Dann endlich gibt es etwas Warmes zu Essen und Getränke.

Nicht nur für Ellen, Robin, Fiona und Larina war es die erste Teilnahme an einer Sternsingeraktion. „Es war anstrengend, aber es hat auch richtig Spaß gemacht“, wird Neville am Samstag zum Ende der Aktion sagen.

Zum Thema

Rund 130 Sternsingerinnen und Sternsinger waren es, die am Wochenende durch die einzelnen Gemeindegebiete zogen. Die jüngste Teilnehmerin war vier Jahre alt, die Ältesten waren 16. Insgesamt haben die Kinder und Jugendlichen 12,5 Kilogramm Obst, 432,6 Kilogramm Süßigkeiten und 14 485,58 Euro gesammelt. Das Geld kommt der Partnergemeinde in Navrongo (Ghana) zugute. Ein Teil der Süßigkeiten geht nach Rumänien.

Interview: „Die Jüngste war erst vier Jahre alt!“

Alexandra Thier ist Mitglied im Sternsinger-Ausschuss der Messdiener. Mit Streiflichter-Mitarbeiterin Tina Walther sprach sie über die diesjährige Aktion.

Streiflichter: Zum wievielten Mal warst du nun aktiv bei der Aktion.

Alexandra Thier: Früher war ich als Königin unterwegs. Seit drei Jahren bin ich in der Organisation tätig.

Streiflichter: Bist du nach diesem Wochenende zufrieden?

Alexandra Thier: Ja, sehr. Wir hatten mehr Sternsinger als jemals zuvor, vor allem mehr Jüngere aus den Grundschulen. Größere Probleme gab es keine.

Streiflichter: Gab es für dich in diesem Jahr ein besonders schönes Ereignis?

Alexandra Thier: Unsere jüngste Teilnehmerin in diesem Jahr war erst vier Jahre alt. Sie ist ein ganzes Gebiet mitgelaufen und hat ihren Text aufgesagt. Das fand ich wirklich beeindruckend!

Streiflichter-Ausgabe vom 9.1.2013

Von Tina Walther

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