„Ein Dorf rettet sein Freibad“

Auch zwei Ex-Coesfelder engagieren sich im Vorstand des Freibad Sythen

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Thomas Böwing (hinten links) und Timo Deitmer (vorne rechts) stammen beide aus Coesfeld und sind Wahl-Sythener. Beide engagieren sich im Verein Freibad Sythen e. V., der das Freibad im Halterner Ortsteil in Eigenregie betreibt. Sie sind Teil eines vielköpfigen Vorstands – hier ist ein Teil des Vorstands auf dem Bademeister-Häuschen kurz vor einer gemeinsamen Sitzung zu sehen.

Sythen/Coesfeld/Dülmen. Als die Stadt Haltern vor 14 Jahren ankündigte, dass das Freibad in Sythen aus Kostengründen geschlossen werden soll, gründeten mehrere Sythener einen Verein und pachteten das 1973 gebaute Freibad mitsamt dem Restaurantgebäude von den Stadtwerken Haltern. Von Anfang an aktiv mit dabei der gebürtige Coesfelder Thomas Böwing. Er bringt sein Fachwissen als Steuerberater mit ein und wirkt seit sechs Jahren als 1. Kassierer. Seit anderthalb Jahren 2. Vorsitzender und Geschäftsführer des Vereins ist Timo Deitmer, der bis vor sechs Jahren noch bei den Wasserballern in seiner früheren Heimatstadt Coesfeld aktiv war und mit ihnen bis in die Verbandsliga kam.

„Weil meine Frau aus Sythen kommt, bin ich vor 30 Jahren hierher gezogen. Das passt ganz gut – ich arbeite in Coesfeld, meine Frau in Marl“, erklärt Thomas Böwing. Auch Timo Deitmer wählte – 2014 war das – mit Blick auf Familien- und berufliche Verhältnisse Sythen als Wohnort: „Ich arbeite in Düsseldorf und komme von hier gut mit der Bahn dorthin. Meine Eltern wohnen in Coesfeld und in Datteln meine Schwiegereltern – da liegen wir ziemlich in der Mitte“, so der 43-Jährige.

Zahlreiche Ehrenamtliche

Jede Woche investieren die beiden Ex-Coesfelder Freizeit für den Freibad-Verein. „Da sind wir aber bei weitem nicht die einzigen, denn bis auf zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe, die hier hauptberuflich tätig sein, haben wir zahlreiche Mitglieder, die viel ihrer Freizeit ehrenamtlich einbringen – im Vorstand, beim Kassendienst, bei Wartung und Reparatur der Schwimmbadtechnik, bei Wasseraufsichten, bei der Pflege der Becken und der Grünanlagen, beim Organisieren von Events, beim Marketing, bei Sanierungs- und Reparaturarbeiten und und und. Unser Slogan ,Ein Dorf rettet sein Freibad’ stimmt von daher voll und ganz“, meinen die beiden Ex-Coesfelder. Beide versuchen, wenigstens einmal in der Woche auch als Nutzer ins Freibad zu kommen.

Alle Facetten des Vereinssteuerrechts

„Es war damals eine ziemliche Herausforderung, die steuerliche Situation optimal für den Freibadverein zu gestalten. Alle Facetten des Vereinssteuerrechts kommen hier zum Tragen, aber auch Ertragssteuern und Gewerbesteuern sind Themen. Und weil wir als Verein auch Personal beschäftigen, sind hier Sonderregelungen und unter anderem Ehrenamtspauschalen zu beachten“, zeigt Thomas Böwing auf. Der 57-Jährige hat alle Zahlen im Blick: „In der aktuellen Saison haben wir in den ersten vier Wochen bis Ende Juni an der Kasse 19 298 Eintritte registriert – 6 351 davon bezahlt; bei den übrigen Besuchern handelte es sich um Vereinsmitglieder, die mit ihrer Mitgliedschaft eine Freibad-Flatrate haben“, berichtet er. „Der erfolgreichste Tag war dabei Sonntag, 30. Juni. 2 500 Personen waren – über den Tag verteilt – an diesem Tag im Bad. Schon heftig.“

Vereinsmitgliedschaft kostet seit 13 Jahren 25 Euro

Seit Gründung des Freibad-Vereins gelten konstante Mitgliedsbeiträge: Erwachsene zahlen 25 Euro pro Jahr, Bis-18-Jährige 15 Euro, Familien inklusive Kinder bis 17 Jahre 60 Euro. Ein offensichtlich attraktives Preismodell: „Aktuell haben wir knapp 6 000 Mitglieder“, so Thomas Böwing. Angesichts von rund 6 500 Einwohnern in Sythen eine beachtliche Zahl. „Aber wir haben auch von außerhalb Sythens Mitglieder. Beispielsweise aus Dülmen 639 Personen und aus Coesfeld fünf“, so Geschäftsführer Timo Deitmer.

Mit den Mitgliedsbeiträgen „kommen wir kostenmäßig auch dann im großen Ganzen durchs Jahr, wenn es ständig regnen würde“, so Thomas Böwing, der gleichzeitig betont, dass auch finanzielle Reserven für den Verein wichtig sind: „Das Freibad hat eine gute Substanz. Aber es ist von 1973 – da müssen wir gerüstet sein für den Fall, dass gestandene Technik ausfällt.“ Gut für die Vereinsfinanzen ist bestes Wetter – nicht nur wegen vieler zahlender Besucher. Sondern auch, weil weniger Gas gebraucht wird. Denn das Beckenwasser wird auf konstant 24 Grad gehalten. „Bei heißem Wetter müssen wir sogar manchmal kaltes Wasser beimischen.“

Manch ein Mitglied sieht seinen Jahresbeitrag als reine Unterstützung zum Erhalt des Freibads und geht gar nicht selber schwimmen. Daher möchte der Verein die Mitgliedsbeiträge konstant halten. Und so ist er seit 2006 auch nicht gestiegen.

5 Euro Zusatzbeitrag für badnutzende Mitglieder

Aber: „Manche Arbeiten hier im Bad, die Ehrenamtliche übernehmen könnten, müssen wir an Firmen vergeben, weil nicht genügend Freiwillige ,an die Schüppe gehen’“, so Timo Deitmer. Als sich vor diesem Hintergrund für diese Saison ein höherer Finanzbedarf ankündigte, entschied der Vorstand, dass Mitglieder, die das Bad tatsächlich nutzen, bei ihrem ersten Freibadbesuch der Saison einmalig 5 Euro extra zu entrichten haben. „30 Euro für eine ganze Saison Freibad-Flatrate – auch das ist ,schweinegünstig’, wie uns Gäste sagen“, so Timo Deitmer. Geöffnet hat das Bad montags bis freitags 7.30 bis 9 Uhr und 15 bis 21 Uhr. Samstags, sonntags, feiertags und in den Ferien ist das Bad durchgehend von 7.30 bis 21 Uhr geöffnet. Der Tageseintritt für Nichtmitglieder beträgt 5 Euro (Erwachsene), für Kinder von 3 bis 17 Jahren 2,50 Euro. Auch Zehner- und 20er-Karten sind im Angebot.

Firmen sponsern den Sythener Freibad-Verein

Viele Firmen und Gewerbebetriebe engagieren sich für das Freibad und spenden an den Freibadverein – an jedem der Ein-Meter-Startblöcke am 50-Meter-Becken finden sich Werbetafeln. Und auf der gut gepflegten Homepage des Freibads (www.freibad-sythen.de) sind 22 sponsernde Firmen aufgelistet. „Auch wenn wir nach Baumaschinen oder nach einem Trecker fragen, haben wir kein Problem. Das ist toll“, freut sich Timo Deitmer. Auch über eine weitere gute Zusammenarbeit freut er sich: „Wir konnten mit dem Freizeitbad düb in Dülmen eine Kooperation verwirklichen: Kai Potthoff aus Dülmen arbeitet in der Sommersaison als Fachangestellter für Bäderbetriebe bei uns in Sythen und im Winter im Freizeitbad düb.“ Der zweite Fachangestellte für Bäderbetriebe geht außerhalb der Freibad-Saison einem ganz anderen Beruf nach.

Deutsche Lufthansa steuerte 100 000 Euro bei

Was die Finanzen anbetrifft, erhielt der Verein auch von der deutschen Lufthansa Hilfe: „Als wir die oberen Beckenränder erneuern mussten, hat die Lufthansa zweckgebunden 100 000 Euro beigesteuert. Die Eltern zweier Sythener Mädchen, die gern in unser Freibad gekommen waren und beim Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ums Leben kamen, hatten sich für diese Zuwendung eingesetzt“, so Timo Deitmer. Er, Thomas Böwing und die übrigen Aktiven des Freibadvereins freuen sich nun schon auf den 24. August. Dann steigt auf dem Freibadgelände die schon bald traditionelle „Karibische Nacht“ mit DJ und Liveband, Cocktails, karibischen und regionalen Leckereien und Nachtschwimmen. „Das bringt auch Geld in die Kasse – was wir natürlich brauchen. Denn wir wollen die Duschen und Sanitärräume sanieren“, so Timo Deitmer.

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