Historischer Fall wird in Ausstellung im St.-Pius-Gymnasium erörtert

Attentat auf die Synagoge

Caroline Bayer (von links nach rechts), Maike Voss, Johannes Hauswald, Andrea Weßendorf, Anna Velken, Jonas Weitkamp, Marvin Blankenstein, Nick Meiners, Fabian Löbbers und Geschichtslehrer Bernd Ostendorf haben sich ein ganzes Schuljahr intensiv mit der Synagoge in Ahaus beschäftigt. [aK]Foto: Lesting[eK]

Coesfeld. Im Foyer der Aula des St.-Pius-Gymnasiums werden Stellwände hin und hergeschoben.

An einem Tisch sitzen zwei Schüler und redigieren Texte. Es herrscht geschäftiges Treiben. Viel Zeit bleibt den Mitgliedern des Projektkurses Geschichte der Q1 auch nicht mehr. Am 24. Juni müssen alle Stellwände perfekt ausgerichtet und alle Texte fehlerfrei sein. Schließlich soll bei der Präsentation der Arbeit eines ganzen Schuljahres alles möglichst perfekt sein.

Seit Beginn des Schuljahres arbeiten die neun Mitglieder des Projektkurses unter Leitung von Geschichtslehrer Bernd Ostendorf an einem Fall, den sie sich zu Anfang selbst ausgesucht haben. „Dass wir uns das Thema selbst aussuchen durften, war total gut!“, meint die 17-jährige Andrea Weßendorf. „So haben wir uns mit etwas beschäftigt, dass uns auch wirklich interessiert.“

Die Arbeit habe sehr viel Spaß gemacht. Dabei schien es zu Beginn so als würde diese sehr mühselig werden. „Wir hatten vor unseren Recherchen nur die Information, dass ein Attentat auf die Synagoge in Ahaus stattgefunden hat, dass dieses im November 1934 war und dass daran vier Jugendliche beteiligt waren, von denen drei das Nepomucenum in Coesfeld besuchten“, erinnert sich Ostendorf. Jetzt weiß die Truppe um einiges mehr.

Schüler haben lange intensiv geforscht

In ihrer Ausstellung wollen sie den Fall, zu dem vorher nicht viel bekannt war, vorstellen. Dazu haben sie monatelang intensiv geforscht. „Unsere Recherchen fanden überwiegend in Archiven statt, aber auch der Kontakt mit anderen Historikern war eine wichtige Quelle“, berichtet Johannes Hauswald (17) aus Billerbeck. „Zunächst hatten wir nur eine Akte mit geschwärzten Namen“, sagt Andrea Weßendorf. „Deshalb haben wir uns auch total gefreut, als wir die Namen der Täter herausgefunden haben.“

Die vollen Namen werden in der Ausstellung zwar nicht genannt, doch es werden Einblicke in die Biografien der Täter geboten, der Tatverlauf wird anhand eines Modells der Synagoge verdeutlicht und auch die damalige Berichterstattung über die Tat wird beleuchtet. Besonders in Erinnerung bleiben werden den Schülern viele Momente, die sie gemeinsam während des letzten Jahres erlebt haben. Doch einige stechen besonders heraus. „Vor einem halben Jahr hätte ich niemals damit gerechnet, dass der Vorfall in Ahaus sogar bis nach Berlin durchdrang. So wurde der Prozess letztendlich durch ‚Erlass des Führers‘ niedergeschlagen“, berichtet der 17-Jährige Fabian Löbbers von dem Ergebnis der Forschungen.

Bernd Ostendorf zeigt sich sehr zufrieden mit der Arbeit, die die Gruppe geleistet hat: „Allein die Vorbereitung der Ausstellung hat bedeutend mehr Zeit gekostet, als uns aufgrund der zwei Wochenstunden zur Verfügung standen.“ Deshalb arbeiteten die Schüler auch ein Wochenende im Mai im Kloster Gerleve an der Präsentation ihrer Ergebnisse. „Das Wochenende in Gerleve war besonders spannend, weil wir da so intensiv gearbeitet haben“, meint der Letteraner Fabian Löbbers. Nun werden die letzten Vorbereitungen getroffen, damit die Ausstellung ein voller Erfolg wird. Natürlich erhoffen sich die Mitglieder des Projektkurses viele interessierte Besucher. Ab Mitte nächster Woche kann die Ausstellung werktags von 8 bis 16 Uhr bis zum 11. Juli im Foyer des St.-Pius-Gymnasiums besucht werden.

Streiflichter-Ausgabe vom 19.6.2013

Von Simon Lesting

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