Der begeisterte Coesfelder Fotograf Heiner Erkmann stellt in der Stadtbücherei aus

Architektur durch die Linse

Seit 20 Jahren besitzt Hobbyfotograf Heiner Erkmann diese Großbildkamera im Format 9 mal 12 Zentimeter.

Coesfeld. Er steht mit 74 Jahren nicht nur sechs Tage in der Woche in seinem Augenoptik- und Juweliergeschäft, sondern häufig auch sonntags hinter seiner ungewöhnlichen Großbildkamera: Heiner Erkmann, der aus ideologischen Gründen seit Jahren nicht mehr Auto fährt.

Dafür genießt er mit Fahrrad und kleinem Anhänger, beladen mit seinen nicht gerade kleinen Kamera-Utensilien, die Natur im Kreis Coesfeld – und tut gleichzeitig etwas für seine Gesundheit. Zielpunkte seiner bei schönem Wetter ganztägigen Sonntagsfototouren sind insbesondere architektonische Bauwerke, denen er sich seit einigen Jahren verstärkt widmet.

Dabei steht ihm eine Großbildkamera im Format 9 mal 12 Zentimeter der holländischen Marke Cambo zur Verfügung. „Das ist das klassische Großbildformat. Die habe ich mir vor rund 20 Jahren gekauft“, erzählt der Fotobegeisterte. „Es ist eine Mattscheibenkamera, das heißt, man sieht direkt auf der Mattscheibe, wenn die Einstellung fertig ist. Man schiebt die Filmkassette ein, die für zwei Aufnahmen reicht, und belichtet.“

Mit 16 Jahren zur

Fotografie gekommen

Wie er zu diesem ungewöhnlichen Fotoapparat kam? „Irgendwann kam mal der Wunsch auf, einen höheren Qualitätsstandard in der Abbildung zu erreichen und auch die Möglichkeit zu haben, bei Architekturaufnahmen die Perspektive zu korrigieren, zum Beispiel die stürzenden Linien parallel zu stellen“, so Heiner Erkmann. „Vorher hatte ich schon mit einer Kleinbildkamera und später 6 mal 6 fotografiert, aber die vorgenannten Möglichkeiten waren nicht gegeben. Mit dieser Kamera ist es eine ruhigere und beschaulichere Arbeit.“

Nach dem Aufstellen des Stativs wird die Kamera aufgeschraubt. „Dann nehme ich diverse Korrekturen vor, danach wird die Kassette mit dem Film in die Kamera eingelegt und belichtet.“ Bevor er losfährt, hat er schon ziemlich genaue Vorstellungen von seinen Objekten. „So hat man nebenbei die Möglichkeit, jedes Negativ dem Motiv entsprechend zu entwickeln.“

Begonnen hatte sein Hobby Fotografieren mit 16 Jahren. „Meine erste Kamera war eine Leica-Kleinbildkamera. Die hatte mir mein Vater vererbt.“ Anfänglich waren es Dias, die Heiner Erkmann machte. Nachdem er sich zunächst auf die Landschaftsfotografie konzentriert hatte, stieß er vor einigen Jahren bei einer Fahrradtour auf eine Arbeit von Kunststudenten aus Münster. Es waren farbige Skulpturen. „Diese fotografierte ich und erweiterte diese Serie durch profane Objekte in diesen Farben. Daraus entstand dann 2009 eine Ausstellung in Coesfeld.“ Der Auslöser für ihn, sich der Architekturfotografie zu widmen, die ihn schon immer interessiert hatte.

Filmentwicklung seit

30 Jahren in eigener Hand

Es folgte unter anderem eine Fahrt nach Enschede: „Die Hochhäuser bis zu 110 Meter Höhe und die modernen Gebäude auf dem Unigelände haben mich gereizt“, so der ausgebildete Augenoptikermeister, der seine Filme seit rund 30 Jahren selber entwickelt und vergrößert. „Ich halte es für wichtig, dass man die Fotos selber ausarbeitet, um seine Vorstellungen besser verwirklichen zu können. Ich bin ledig, deshalb kann ich so viel Zeit investieren.“

Mittlerweile hat der Coesfelder eine Reihe Ausstellungen durchgeführt, davon eine unter dem Namen „Städte an der Berkel“, die in fünf Städten lief, danach eine Ausstellung über den Architekten Pictorius. Die hatte das Berufskolleg Pictorius initiiert. Später hingen die Bilder noch einen Sommer lang in der Billerbecker Kolvenburg.

Schwarz-Weiß-Fotos von

Kirchen im Münsterland

„Für jedes Projekt brauche ich rund zwei Jahre Anlauf“, erklärt Heiner Erkmann, der nun ab dem heutigen Mittwoch für vier Wochen im Foyer der Stadtbücherei Schwarzweiß-Fotos von romantischen Kirchen im Münsterland präsentiert. Es sind Detailfotos aus einer früheren Ausstellung im Sandsteinmuseum Havixbeck im Formt 50 mal 60 Zentimeter. „Davon nehme ich jetzt sechs Bilder.“

Für das Büchlein „Coesfelder Großer Kreuzweg mit Anna Katharina Emmerick“, mittlerweile in zweiter Auflage im Dülmemer Laumann-Verlag erschienen, steuerte der Fotokünstler übrigens die Fotos bei.

Wer demnächst sonntags jemanden mit Fahrrad, Anhänger und schwerem „Geschütz“ sichtet, kann ziemlich sicher sein: „Scharfschütze“ Heiner Erkmann ist auf der Jagd nach schönen Motiven …

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