Vom Arbeitnehmer zum Firmenchef – Hubert Lewes Weg zum 15-Mann-Maschinenbau-Unternehmen 

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Schon seit 20 Jahren wuchtet Hubert Lewe (links, mit Ewald Görtz) in seiner Maschinenbaufirma auch große Werkstücke aus.

Coesfeld/Dülmen/Darfeld. „Das Gerät ist eine tolle Sache und eine große Arbeitserleichterung“, sagt Andreas Rahmann. Der Hofinhaber aus Harle meint damit den Erdbeergrubber der Coesfelder Maschinenbaufirma Lewe. „Der Grubber hilft dabei, dass wir auch ohne Chemie unsere Erdbeeren unkrautfrei halten können. Und er bearbeitet den Boden so, dass es da im Vergleich zu vorher viel mehr Regenwürmer gibt und er viel besser auch große Regenmengen vertragen kann.“ Dieser Erdbeergrubber – er ist die Neuentwicklung der Maschinenbaufirma Lewe im Gewerbegebiet Dreischkamp in Coesfeld. „Landmaschinenbau ist für uns ein weiteres Standbein – neben unserem allgemeinen Maschinenbau und unserer Lohnfertigung“, so Hubert Lewe, der das Unternehmen vor gut 20 Jahren gegründet hat.

Gegründet quasi aus der Not heraus. Denn nach 27 Jahren, in denen er in Dülmen bei der Textilmaschinenbaufirma Hergeth tätig gewesen war, war auch für ihn 1996 Schluss. Die Firma Hergeth-Hollingsworth hatte Insolvenz angemeldet – von der Entlassung betroffen waren über 400 Mitarbeiter.

„Ich war 42 Jahre alt, und in Deutschland gab es damals fünf Millionen Arbeitslose“, erinnert sich Hubert Lewe, der zum Schluss bei Hergeth als Meister der Endmontage im Einsatz war. Die Hergeth-Insolvenz – auch für Hubert Lewe begann eine schwere Zeit: „Ich hatte neu gebaut und drei Kinder – und fast ein halbes Jahr gab’s wegen der Insolvenz kein Geld. Und das nach 27 Jahren Berufstätigkeit dort.“

Er kannte die Maschinen, die bei Hergeth hergestellt wurden, aus dem Eff-Eff. Maschinen, die nichtgewebte Stoffe – Vliesstoff – herstellen. „Sie hatten und haben heute noch weltweit einen guten Ruf – sie halten 30 Jahre und länger“, so Hubert Lewe, der nach der Hergeth-Insolvenz zu Hause in Rorup damit begann, Maschinenteile der Herget-Maschinen zu reparieren, Ersatzteile zu fertigen und zu verschicken. „Fast jede Woche ging eine Kiste in Richtung Amerika.“ Und nahm Aufträge an, Bleche mit einem Autogenbrennschneideapparat zuzuschneiden. Das Gerät dazu hatte er drei Jahre vor der Hergeth-Insolvenz von Herget bekommen, um damit nach Feierabend zu Hause für Hergeth Bleche zu bearbeiten; später kaufte er das Gerät. Weitere Gerätschaften für den Maschinenbau erwarb er bei der Insolvenz-Versteigerung der Firma Hergeth. Platz für die Geräte hatte er zu Hause. Somit entsprechend ausgestattet, baute er seine eigene Maschinenbaufirma auf.

2003 bezog er mit dem Unternehmen das 7500-Quadratmeter-Grundstück mit 2700 Quadratmetern unter Dach im Gewerbegebiet Dreischkamp in Coesfeld – erst zur Miete; inzwischen ist das Areal gekauft. Computergesteuerte Metallbearbeitungszentren, Schweißgeräte, zwei Auswuchtmaschinen auch für große Werkstücke, Drehmaschinen, eine Lackierhalle und inzwischen ein 15-köpfiges Team bearbeiten Aufträge von inzwischen mehreren hundert Kunden – und die Anschaffung weiterer Geräte zur schnelleren Auftragsbearbeitung ist geplant. Immer noch repariert und wartet das Unternehmen Textilmaschinen – aber auch ganze neue Anlagen und Anlagenteile werden hergestellt. „Es macht Spaß“, sagt Hubert Lewe, der vor 20 Jahren noch geplant hatte, bis zur Rente bei Hergeth zu bleiben.

Nun hat der 63-Jährige als Firmenchef den Ruhestand im Blick. Mit seinem 35-jährigen Sohn und Mitgeschäftsführer Michael ist die nächste Generation seit langem mit an Bord: Der gelernte Konstruktionsmechaniker kam 2007 in den Betrieb, absolvierte nach Abendschulkursen die Prüfung zum Maschinenbaumeister. Und hat wie sein Vater Lust an Neuem – wie dem Landmaschinenbau. Der kam 2017 mit der Übernahme des Landmaschinenherstellers Heilers aus Darfeld ins Unternehmen.

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