André Terwey ist seit zehn Jahren aktiv in der Museums-Schmiede Beckmann in Ramsdorf

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Auch dieses große Kreuz vor der Schmiede hat André Terwey gefertigt.

Coesfeld/Ramsdorf. Seit zehn Jahren ist bei André Terwey der Dienstagmorgen fest verbucht. Dann fährt der Coesfelder, der bis vor einigen Jahren noch zusammen mit seiner Frau in Coesfeld und Dülmen die beiden Geschäfte „Lederwaren Janning“ betrieben hat, nach Ramsdorf. Dort gibt es seit 2008 hinterm Chor der Walburgiskirche ein historisches Kleinod: Beckmanns Schmiede. Die Einrichtung der Museumsschmiede, die den Gerätebestand in etwa der 1920er Jahre darstellt – so etwa ein flachriemengetriebener Bohrständer –, kam als Spende aus Lüdinghausen. Akteure des Heimatvereins Ramsdorf bauten die Einrichtung ab, und nach einer Zwischenlagerung kam sie in ein denkmalgeschütztes und nun um eine Toilettenanlage erweitertes Fachwerkgebäude, in dem früher Witwen lebten.

Auf rund 100 Quadratmetern Fläche trifft sich hier dienstags die Schmiede-Mannschaft, und fast immer ist Feuer in der Esse. „Wir haben gerade erst für die Kirchengemeinde einen Ständer mit einer Weihwasserschale gefertigt“, erklärt André Terwey und nimmt eine Schmiedezange aus dem Essefeuer, um sie dann mit einem Hammer auf dem Amboss zu bearbeiten. „Man hat in einer Schmiede die verschiedensten Zangen. Die Stiele verbiegen sich dann mit der Zeit, so dass man sie gelegentlich wieder umbiegen muss“, erläutert der 71-Jährige und zeigt auf die Dutzenden Zangen, die hier hängen. Daneben Dutzende Hämmer, mit denen runde und auch eckige Löcher in glühendes Metall oder auch Prägungen geschlagen werden können. 

„Wir haben hier immer wieder Besucher zu Gast, die sich die Schmiede anschauen und das alte Handwerk erleben möchten. Auch Kindergartengruppen und Schulklassen hatten wir hier. Die Kinder sind begeistert – vor allem, wenn sie selber am Amboss Eisen bearbeiten können.“ 

André Terwey in Aktion an der Esse in Beckmanns Schmiede. Rechts zu sehen: Etliche der zahlreichen Schmiedezangen.

Besonders eindrucksvoll sind die seit 2018 möglichen Hochzeitstermine in der Museumsschmiede, wo schon manches Ja-Wort vor der Standesbeamtin gesprochen wurde: „Wir bauen dann vor der Esse den Trautisch auf und dahinter Stuhlreihen für die Gäste. Während der Trauung können die Brautleute heiß gemachte, fünf Zentimeter große Eisenringe zusammenschmieden, und manchmal kommen auch noch die Initialen drauf“, schildert André Terwey. Besonders seit Schließung des Sporthotels Schloss Velen sei die Nachfrage nach Trauterminen gestiegen. „Insgesamt 16 Trauungen hatten wir bislang hier in der Schmiede“, so Terwey. Intensiv sind auch die Stunden, in denen sich André Terwey dem künstlerischen Gestalten widmet. Ergebnisse – unter anderem Skulpturen aus geschmiedetem Eisen – sind bei ihm zu Hause zu sehen. Und ein großes Eisenkreuz mit einem Corpus aus Draht steht vor der Museumsschmiede. 

„Hierfür bin ich aber in eine Gesenkschmiede mit großen Maschinen gefahren, denn so starkes Material können wir hier in unserer Schmiede nicht bearbeiten“, so André Terwey, der schon als Teenager den Umgang mit Metall gelernt hat: Bei seinem Onkel Hermann Terwey in Coesfeld hatte er eine Ausbildung zum Bau- und Kunstschlosser gemacht. Später sattelte er eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Harenberg in Münster auf und übernahm mit seiner Frau das schwiegerelterliche Lederwarengeschäft. 

Seine Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Metallbearbeitung kamen ihm sehr zugute, als er vergangenes Jahr – zusammen mit Gerd Pöhlchen aus Coesfeld – das auf Burg Vischering ausgestellte Stachelhalsband des Lambert von Oer zu Kakesbeck aus dem 16. Jahrhundert nachbildete. „Das war ein halbes Jahr geduldige Arbeit“, so André Terwey. Ein Verwandter des Lambert von Oer hatte, weil sich der Ritter weigerte, Immobilien herauszugeben, ein Metallhalsband mit gebogenen Eisenstacheln fertigen lassen und Lambert um den Hals gelegt. Weil keiner den pfiffigen Schließmechanismus öffnen konnte, ritt Lambert nach Münster, wo ihm ein Schmied half. 

„Bei unserer Replik kann man die Stacheln abnehmen – und wir haben einen Magnet-Schließmechanismus eingebaut“, so André Terwey, der auch schon die Bütt der Karnevalsgesellschaft Die-La-Hei – hier war er zehn Jahre im Vorstand – repariert hatte und auch als Stadtführer in Coesfeld manchen Interessierten einen Einblick in frühere Zeiten gewährte.

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