Zehn Jahre Schulmensa in Billerbeck

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Das Mensa-Team: (vorne v.l.) Jutta Reckmann, Lisa Fels und Dagmar Seifert, (mittlere Reihe v.l.) Maria Dapper, Rosie Westerhoff, Lisa Messing, (hintere Reihe v.l.) Heike Lauvers, Brigitte Wübken und Birgit Geißler. Es fehlen: Nina Bersuch, Nathalie Dide, Anneliese Eckrodt, Sabine Hülk und Marita Ueding.

Billerbeck. Wie in einem Bienenstock geht es in der Küche der Mensa der Gemeinschaftsschule zu: zwei Küchenhelferinnen formen Fleischbällchen für eine Suppe, eine andere schiebt diese in den übergroßen Backofen, daneben köchelt die Soße für die Lasagne mit den übergroßen Nudelplatten. Und eine andere der fleißigen Bienchen belegt Fladenbrote – nicht irgendwie, sondern solche, die Rosie Westerhoff kreiert hat.

Seit zehn Jahren leitet die Ökotrophologin die Schulmensa – und ist damit nicht nur zuständig für die Verpflegung der Schüler, sondern auch der Kindergartenkinder. „Für uns ist Rosie Westerhoff sowohl als Mensch als auch aufgrund ihrer Qualifikation ein Glücksgriff“, betont Hubertus Messing von der Stadt Billerbeck. Der Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste und Ordnung schätzt die Arbeit der Ernährungsberaterin für die Kinder, die damals wie gerufen kam. Denn das einheimische Catering mit gastronomischen Betrieben aus Billerbeck erwies sich, laut Messing, als nicht kindgerecht. Damals hatte Rosie Westerhoff schon bei der Ausgabe der Speisen geholfen. 

Eine Lösung musste her. „Die Stadt Coesfeld arbeitete damals bereits mit einem externen Catering-Unternehmen für die Schulen“, so Messing. Verwaltung und Politik informierten sich weiter. Schließlich schaute sich eine Delegation eine Schulmensa in Wettringen mit einer eigenen Küche an. Die Idee gefiel. Und umsetzen ließ sich auch ohne weiteres in Billerbeck. Die Küche in der Gemeinschaftsschule, in der ursprünglich nur Essen ausgegeben werden sollte, verfügte über die technische Ausstattung, um dort eine Vollküche einzurichten. Daran wurde bei der Umbauphase des Gebäudes gedacht. Skeptikern zum Trotze ging die Schulmensa im August vor zehn Jahren in den Betrieb. „Positiv unterstützt von den Eltern“, so Messing. 

Zu Anfang standen Rosie Westerhoff zwei Teilzeitkräfte zur Seite, um bis zu 400 Essen, davon 200 Essen außer Haus täglich zuzubereiten. Inzwischen ist die Anzahl auf bis zu 520 Essen täglich gestiegen. Dementsprechend hat sich auch die Anzahl der Personen verändert, die täglich dafür sorgen, dass die Kinder ein vollwertiges abwechslungsreiches Mittagessen bekommen. Neben Rosie Westerhoff als Leiterin der Schulmensa sind dort Zwei Köchinnen als auch drei Küchenhilfen in Teilzeit sowie vier in geringfügiger Beschäftigung dort tätig. Und ohne die ehrenamtlichen Helfer wie unter anderem Lisa Fels, Mathilde Westerhoff und Brigitte Wübken, die Kartoffeln schälen, Hackbällchen formen und viele andere Dinge erledigen nicht gehen. Damit auch die Kindergartenkinder ihr Essen bekommen, sorgen Hubert Lenfers und Willi Wolters. 

„Wir sind eineingespieltes Team“, so Rosie Westerhoff. Die zierlich und ruhig wirkende Leiterin der Schulmensa, hat die Arbeitsabläufe mit den Mitarbeitern einstudiert. Jeder weiß, was er zu erledigen hat. 

Das Ergebnis wissen die Kindergartenkinder, Schüler und nicht zuletzt die Lehrer zu schätzen. „Es ist sehr, sehr lecker. Ich finde immer etwas“, betont Schulleiter Thomas Wischnewski. Viele seiner Kollegen genießen auch das gesunde Essen. Drei Menüs stehen zur Auswahl. Ein vegetarische Alternative gehört natürlich dazu. 

Apropos gesund! Als Rosie Westerhoff vor zehn Jahren die Mensa federführend übernahm, war die heute 58-Jährige vollen Mutes, den jungen Leuten die Vollwertkost näher zu bringen. Ein schwieriges Unterfangen! „Die Salattheke musste ich im Anfang nicht nachräumen“, sagt sie lachend. Es brauche Zeit, um bei Kindern etwas zu ändern. In der Woche gebe es einmal die Woche Fleisch, manchmal auch noch Fisch. Nudeln kommen in der Vollkornvariante daher – nicht ganz. Da tricksen Rosie Westerhoff und ihr Team. Im Kindergarten gibt es je halb Vollkorn- und Weizennudeln. „Bei den Schülern stoße ich auf Granit. Da ist der Anteil ein Viertel Vollkornnudeln zu Dreivierteln Weizennudeln“, so Rosie Westerhoff schmunzelnd. Dass sie kleine Schritte gehen muss, hat die Mutter von fünf erwachsenen Kindern gelernt. Gekocht wird übrigens mit regionalen Produkten. 

Lieblingsspeisen haben die jungen Leute auch: Pizza, Currywurst mit Pommes und Dampfnudeln mit Sauerkirschen. Die Kleinsten schlecken insbesondere den Teller leer, wenn es Möhreneintopf mit Pfannkuchen gibt. Der Nachtisch geht übrigens immer. „Das hat sich seit Jahren nicht geändert“, sagt Rosie Westerhoff lachend. 

Gefördert wird das Essen durch die Stadt. „Es trägt sich noch nicht selbst“, so Hubertus Messing. Das Essen kostest 3,50 Euro für die Schulkinder, 3 Euro für die Ü3-Kinder und 2 Euro für die U3-Kinder. Dieser Betrag gilt seit Juni 2013. Ob irgendwann eine Erhöhung ansteht, ist zurzeit nicht in Sichtweite. „Wenn möglich nicht“, so Messing in Hinblick auf das wichtige Thema. Den Schritt, direkt vor Ort kochen zu lassen, hat die Stadt nicht bereut. „Wir können mit diesem Modell besser reagieren“, betont Hubertus Messing mit Blick auf die Catering-„Baustellen“ in anderen Kommunen. Den Kindern schmeckt’s.

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