Mehr als nur Hopfen, Malz und Wasser

Verena Ahmann ist ausgebildetete Biersommelière und bietet Bier-Tastings an

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Ein Bierfächer hilft bei der Bestimmug und Klassifizierung von Bierstilen.

Billerbeck. Die Weinkarte im Restaurant gehört zum guten Ton dazu, eine Bierkarte entdeckt man dort hingegen eher selten. Schade, findet Verena Ahmann. Denn Foodpairing passe nicht nur zu dem Rebensaft: „Ob ein Pils zu Geflügel oder klassisch ein Schwarzbier zum deftigen Gulasch – auch beim Bier gibt es viele Varian-ten.“ Die Billerbeckerin schloss nun eine Weiterbildung zur Biersommelière ab. In dem Intensivkurs in München und bei ihrem ersten Lehrgang zur IHK-Bierbotschafterin in Hamburg lernte sie die große Vielfalt der Bierwelt kennen. Eine Vielfalt, die vielen Laien auf den ersten Blick nicht bewusst ist. Dieses breite Spektrum bringt sie Kleingruppen in verschiedenen Bier-Tastings als „Bierdame“ näher.

Eine Fortbildung zum Bier-Trinken – was bei vielen zunächst Skepsis auslöst, ist in Wirklichkeit ein anspruchsvolles Programm, bei dem von der richtigen Bierauswahl über den Herstellungsprozess bis hin zu der Erkennung von Aromen vielschichtiges Bierwissen vermittelt wird. Am Ende stand für die Teilnehmer eine Abschlussprüfung an. Für Verena Ahmann waren Blindverkostung, das Erkennen von Fehlaromen und Co. kein Problem. Als Drittbeste schloss sie den Kurs ab und konnte sich über Flaschen einer besonderen Biersorte aus Brasilien als Geschenk freuen.

Gut durchmischt war die Gruppe der angehenden Biersommeliere, eins aber hatten alle Teilnehmer gemeinsam: „Bei dem Kurs hat man gemerkt, dass alle für das Bier leben“, beschreibt Verena Ahmann die Gruppe. Bei ihr begann das verstärkte Interesse für das Hopfengetränk bei den „Wirtshausgeschichten“. Bei dieser Art von Stadtführung unternimmt die 43-Jährige zusammen mit einer Gruppe einen abendlichen Streifzug durch die Gassen Billerbecks – von einem Gasthaus zum nächsten. Dabei gibt die Biersommelière zahlreiche Bier- und Wirtshausgeschichten zum Besten. Die Motivation, das Wissen über Bier zu vertiefen, enstand so ganz natürlich. Fundiert und seriös sollte die Fortbildung jedoch sein, und so stoß die Billerbeckerin schließlich auf den IHK-Bierbotschafter-Kurs. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, da wollte ich einfach weiter machen“, erklärt Verena Ahmann ihre Entscheidung, auch noch die Ausbildung zur Diplom-Biersommelière zu machen.

Bier-Tastings zu verschiedenen Themen

Ihr neuerworbenes Wissen nutzt die Bier-Kennerin nun vor allem bei speziellen Tastings. So bietet sie immer wieder „Finne Craft Bier Tastings“ im Domkontor oder eine Reise durch die Bier- und Brotwelt bei „Bier und Brot Harmonie“ an. Außerdem macht sie Hausbesuche mit Bier-Tastings zu verschiedenen Themen wie etwa „Europas Bierwelt.“

„Das Interesse am Bier steigt. Ich möchte bei den Bier-Tastings den Teilnehmern die Vielfalt des Biers näher bringen. Und zeigen, dass das Bier auch als Genussmittel und nicht als Rauschmittel genutzt werden kann“, erläutert die Biersommelierè. „Die Möglichkeiten für verschiedene Themen sind groß.“ Sogar ihr Berufsleben hat die Leidenschaft für Bier grundlegend verändert. Von der IT-Branche wechselte die Billerbeckerin vor Kurzem in das Brauereiwesen und arbeitet nun als Leitung für Administration und Organisation bei der Finne-Brauerei in Münster.

Aromen zu erkennen kann man lernen

Doch ist es nicht schwierig, bei einem Tasting einzelne Aromen zu schmecken? „Keine Angst“, winkt Verena Ahmann ab, „das kann man lernen“. Unterschiedliche Gläser helfen bei dem Tasting. So sind die klassischen Gläser, die dabei verwendet werden, unten bauchiger und enger und öffnen sich nach oben. Auf diese Weise werden unten die Aromen gebündelt und können sich nach oben hin entfalten. Den Testern fällt es so einfacher, einzelne Aromen zu erkennen. Die Abspeicherungsvorgänge des Gehirns helfen zusätzlich bei der Herausforderung. „Neue Nuancen speichert das Gehirn ab und kann sie bei Wiederholung erneut hervorrufen. Für eine eindeutigere Erkennung gibt es außerdem manchmal Aromafläschchen“, so die Billerbeckerin.

Auch privater Bierkonsum hat sich verändert

Natürlich hat Verena Ahmanns Leidenschaft auch ihr privates Bier-Trinkverhalten grundlegend verändert. „Das klassische Radler ist inzwischen nicht mehr so mein Fall“, schmunzelt die 43-Jährige. „Sauerbiere, Witbiere oder fruchtige IPAs liegen mir mehr. Es kommt aber immer auf die Gelegenheit an, was das passende Bier ist.“ Am Donnerstag, 25. Juli, findet das nächste Finne-Bier-Tasting im Domkontor statt. Verkostet werden fünf Bio-Craft-Biere der Finne-Brauerei (0,1 Liter) und die Lieblings-Finne als Abschluss (0,33 Liter). Interessierte können sich unter Tel. (02543) 9304844, per E-Mail an bierdame@web.de oder auf der Facebook-Seite „Die Bierdame“ melden.

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