Niklas und Phillip Weitkamp

Auf der Jagd nach Stürmen: Diese Brüder haben ein extremes Hobby

+
Niklas (links) und Phillip Weitkamp sind Brüder, Sturmjäger und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Billerbeck.

Billerbeck. Gemeinsam sind sie Wetterextremen auf der Spur. Mit ihren Autos fahren sie dorthin, wo es stürmt und gewittert. Immer mit dabei haben sie dann die Kamera: Niklas und Phillip Weitkamp sind Sturmjäger (englisch: Storm Chasers). Für Fotos und Videos von den wilden Naturphänomenen nehmen die Brüder viel Aufwand in Kauf. Ihre Bilder verbreiten sie im Internet. Vernetzt sind die Billerbecker mit Kollegen aus ganz Deutschland.

Als Niklas Weitkamp noch ein Kind war, da hatte er Angst vor Unwettern. „Richtig Schiss hatte ich früher“, sagt der heute 22-Jährige und schmunzelt. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Wenn jetzt im Münsterland ein Unwetter aufzieht, dann setzen sich die Geschwister oft ins Auto. Ausgestattet sind sie mit professionellem Equipment – einer Spiegelreflexkamera, unter anderem mit einem Ultraweitwinkel-Objektiv. 

Phillip und Niklas „jagen“ dem Extremwetter hinterher. „Gute Fotos kommen oft dann zustande, wenn wir uns direkt vor dem Unwetter befinden“, erklärt Phillip Weitkamp. Der 27-Jährige arbeitet hauptberuflich in einer Feinkostfleischerei in Münster. Seinem außergewöhnlichen Hobby geht er – genau wie sein Bruder – immer dann nach, wenn Zeit dafür bleibt. Das ist manchmal am Abend der Fall. Seltener sogar bis in die Nacht. Und manchmal am Wochenende.

Tornado-Jagd in den USA

Der Sturmjäger-Trend hat vor allem in den USA viele Anhänger. Dort ist diese Art der Freizeitbeschäftigung nicht selten eine riskante. Die „Storm Chasers“ nähern sich teilweise großen Tornados – für spektakuläre Bilder. In den USA waren Niklas und Phillip Weitkamp selbst noch nicht. „Einmal sind wir für ein Unwetter bis nach Belgien gefahren“, so Phillip. Der Ausgang dieser Fahrt war eher enttäuschend: „Als wir ankamen, fielen nur noch die letzten Regentropfen.“ Auch das komme vor.

Ein Wirbelsturm geriet den „Sturmjägern Westmünsterland“ bei Epe vor die Kamera.

Was die Billerbecker an der „Sturmjäger-Arbeit“ fasziniert? „Wir sehen aus nächster Nähe, zu was die Natur fähig ist und zu was sie fähig sein könnte“, beschreibt Phillip. „Wir sehen die Gewalt, die hinter solchen Wetterphänomenen steckt und sehen, wie das Wetter plötzlich komplett umschlagen kann“, ergänzt Niklas. Ihre Fotos teilen die Domstädter mit einer Internet-Community. Als „Sturmjäger Westmünsterland“ bespielen sie eine eigene Webseite. Ihre Facebook-Seite hat gut 1700 Gefällt-mir-Angaben.

Lesen Sie auch:

Seltener Doppel-Tornado gefilmt

Urlaub ohne Sturm und Starkregen

Von der Sturmjäger-Begeisterung ließen sich die Weitkamp-Brüder 2016 von ihrer Schwester Janina anstecken. Die hatte vor einigen Jahren damit angefangen, Gewitterwolken und Blitze zu filmen. Jetzt sei Janina Mutter und dadurch natürlich seltener mit den beiden unterwegs, erklärt Niklas.

Der 22-Jährige, der ebenso wie sein Bruder Phillip gebürtig aus Gronau stammt, absolviert gerade eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Seine IT-Kenntnisse helfen auch bei seinem Hobby: „Sehr dezent bearbeiten wir unsere Bilder mit Photoshop“, erklärt er. Das diene lediglich dazu, Kontraste zu stärken. Und tatsächlich: Zwischen bearbeitetem und unbearbeitetem Foto sind oft nur geringe Unterschiede zu erkennen.

Im Internet informieren sich die Geschwister darüber, wann und wo das nächste Unwetter aufziehen soll.

Wann und wo es ein Unwetter geben soll, das erfahren die Weitkamps aus dem Internet. Beispielsweise habe sich die Webseite „Kachelmannwetter“ für sie als zuverlässig herausgestellt. Die Brüder tauschen sich außerdem regelmäßig mit Kollegen aus: Sie stehen über eine WhatsApp-Gruppe in Kontakt mit etwa 20 anderen Sturmjägern aus ganz Deutschland und der Schweiz. „Angemeldet sind wir außerdem bei Skywarn Deutschland“, so Phillip Weitkamp. Mit der Hilfe dieser Plattformen melden Mitglieder von Skywarn Deutschland e.V. ehrenamtlich Unwetter, die nach eigenen Angaben unter anderem an den Deutschen Wetterdienst und die Unwetterzentrale weitergeleitet werden.

Auch den Blutmond und Eiswolken fotografiert

Über einige Wetterphänomene wissen Niklas und Phillip – auch wenn sie „nur“ hobbymäßig als Sturmjäger unterwegs sind – mittlerweile gut Bescheid. Grünlich schimmernde Wolken seien zum Beispiel oft Vorboten für Hagel. Und eine „Shelf Cloud“ ist eine tiefe Wolke, die vor allem in Verbindung mit Gewittern auftritt. Niklas Weitkamp fotografiert übrigens nicht ausschließlich Unwetter: Auch der Blutmond und Eiswolken (Wolken aus Eiskristallen und nicht aus Wassertröpfchen) gerieten ihm schon vor die Linse.

Sechs-Tage-Trend: So wird das Wetter in Ihrer Region

Eines ist den Brüdern als Sturmjägern wichtig: „Wir helfen vor Ort, wenn wir helfen können“, sagen sie. So räumen sie bei einem Unwetter beispielsweise abgebrochene und auf die Straßen gestürzte Äste und Zweige weg – sofern das möglich ist. „Oder wir rufen die Feuerwehr“, sagt Phillip Weitkamp. Da ergänzt sich ein weiteres Hobby der beiden Geschwister gut: Sie sind Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Billerbeck.

Lesen Sie auch:

Weihnachtsfeier auf dem Wacken-Festival: Gruppe aus dem Kreis Coesfeld bei Metal-Event

Spende der Otternasen: Summe reicht für einen Kleinwagen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare