Corona-Krise

Experte prangert an: Lufthansa verhält sich "rechtswidrig" gegenüber Kunden

Coronavirus - Lufthansa.
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Coronavirus - Lufthansa.

Früh in der Corona-Krise hieß es von der Lufthansa, dass der Konzern Staatshilfen benötigen werde. Derzeit werden Bedingungen für den Staatskredit ausgehandelt.

  • Die Lufthansa* scheint mit den Bedingungen des Kredits nicht zufrieden zu sein.
  • Denn jetzt kündigte die Airline überraschend an, als Weg aus der Krise auch eine Insolvenz in Eigenverwaltung zu prüfen.
  • Für Lufthansa-Kunden wäre ein solches Verfahren jedoch ein denkbar schlechtes Szenario.

Welche Folgen hätte die Insolvenz der Lufthansa in Eigenverwaltung für Passagiere?

Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung sinken die Chancen der Fluggäste, die ihnen zustehenden Ticketerstattungen oder offene Entschädigungsforderungen zu erhalten. Denn sämtliche Forderungen würden automatisch Teil der Insolvenzmasse werden.

"Wenn Lufthansa ernst macht, wäre das ein Unding. Erst verlangt die Airline milliardenschwere Unterstützung vom Staat, verhält sich dabei aber gleichzeitig gegenüber den eigenen Kunden eindeutig rechtswidrig", erklärte Oskar de Felice, Rechtsexperte bei Flightright. "Die Airline verzögert nicht nur die Rückerstattungen für ausgefallene Flüge, sondern bietet ganz bewusst ausschließlich Gutscheine an. Jetzt wird scheinbar erwogen, das Kundengeld einfach in die Insolvenz mit reinzuziehen."

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Als Gläubiger erwartet die Passagiere ein langwieriger Prozess, an dessen Ende sie voraussichtlich auf dem Großteil ihrer Kosten sitzen bleiben werden - und das in Zeiten, in denen viele von ihnen vermutlich auf die Kostenerstattungen angewiesen sind. "Wir fordern schon seit Langem von der Bundesregierung einen Insolvenzschutz für Flugtickets. Die aktuelle Lage zeigt mehr als deutlich, wie bitter nötig eine solche Absicherung ist", so Philipp Kadelbach, Geschäftsführer und Gründer von Flightright.

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Lufthansa-Passagiere könnten langfristig doppelt zahlen

Entscheidet sich Lufthansa für die Insolvenz in Eigenverwaltung, ist das kein Garant für eine langfristige Rettung. Scheitert die finanzielle Sanierung im Selbstversuch, können mittelfristig doch wieder staatliche Hilfen nötig werden. Das wäre der Worst Case für Fluggäste: Durch die Insolvenz verlieren die betroffenen Lufthansa-Kunden nicht nur ihr Geld, sondern finanzieren über ihre Steuern auch noch den Weiterbestand der Airline.

Zwar haben staatliche Hilfen für profitable Fluggesellschaften ihre Berechtigung, denn auch Fluggäste haben ein Interesse an deren Weiterbestehen. Jedoch darf dies nicht auf deren Rücken geschehen. "Airlines sollte auf jeden Fall geholfen werden. Gleichzeitig kann es aber nicht sein, dass in der Covid-19-Krise Passagiere hängen gelassen werden und gegenüber Airlines finanziell immer den Kürzeren ziehen sollen", so Kadelbach weiter.

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Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

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