Covid-19-Ausbreitung

Coronavirus: Experten raten jetzt zu drastischen Maßnahmen - warum trotzdem keine Panik nötig ist

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Coronavirus: Wie wir uns jetzt verhalten sollten.

In Sachen Coronavirus raten Experten jetzt zu drastischen Maßnahmen. Panik sei aber trotzdem nicht nötig.

  • Mehr als 900 Menschen haben sich in NRW mit dem Coronavirus infiziert.
  • Experten wollen die Ausbreitung mit drastischen Maßnahmen verlangsamen.
  • Deshalb sollten wir uns an ihre Empfehlungen halten.

Dortmund/NRW - Das neuartige Coronavirus breitet sich in NRW weiter aus. Das war vorhersehbar, deshalb ist Panik unangebracht. Doch Experten raten zu drastischen Maßnahmen, um eine schnelle Ausbreitung ähnlich wie in Italien zu verhindern. RUHR24.de* beantwortet die wichtigsten Fragen zur Strategie der Experten.

Wie ist in NRW der aktuelle Stand beim Coronavirus?

Rund 900 Menschen haben sich in Nordrhein-Westfalen laut WA mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. "Die Situation nimmt deutlich an Fahrt auf", sagte Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts Dortmund am Mittwochabend (11. März).

Rund die Hälfte der Infizierten kommen aus dem besonders betroffenen Kreis Heinsberg. Um zu verhindern, dass sich das Virus noch schneller verbreitet, sagen Städte wie Dortmund, Bochum und Köln jetzt Großveranstaltungen ab.

Dazu gehören auch Konzerte etwa in der Lanxess-Arena in Köln*. Fußballspiele finden bislang noch statt, jedoch ohne Zuschauer. Die meisten Schulen und Kitas bleiben hingegen bis auf Weiteres geöffnet. Gleiches gilt für den öffentlichen Nahverkehr.

Coronavirus in NRW: Warum Großveranstaltungen abgesagt werden müssen

"Wenn wir nicht sofort das komplette Leben einstellen wollen, muss ich die Ansteckung großer Gruppen unterbrechen", sagt Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts Dortmund. Dort hat sich die Stadtspitze als Ziel gesetzt, die Infektionskette zu unterbrechen. Deshalb wurden bis Mitte April alle kulturellen Veranstaltungen in Dortmund abgesagt (mehr im Live-Ticker).* Auch in der Hoffnung, dass andere Veranstalter mitziehen.

Denn nur dadurch lasse sich verhindern, dass Menschen von dem Virus verschont bleiben, bei denen ein schwerer Verlauf der Krankheit Covid-19 zu erwarten ist. Dazu gehören laut Robert-Koch-Institut solche mit Vorerkrankungen der Lunge und chronischen Krankheiten wie Diabetes, aber auch Krebs und Immunschwächen.

Coronavirus: Was ist mit kleineren Veranstaltungen?

Aus Sicht der Stadt Dortmund und weiteren Kommunen sollten auch kleinere Veranstaltungen besser abgesagt werden. Generell gilt jedoch: je kleiner die Veranstaltung, desto geringer das Risiko einer Ansteckung. Die Stadt Bochum hat einen Kriterienkatalog für Veranstaltungen eingerichtet* und appelliert ebenfalls an die Vernunft der Menschen.

"Das ist keinesfalls übertrieben, da wir uns aktuell noch in einem Stadium der Virus-Verbreitung befinden, in dem wir alle durch unser tägliches Verhalten etwas tun können", sagt Dr. Bernhard Schaaf, Direktor der Klinik für Pneumologie und Infektiologie im Lungenzentrum des Klinikums Dortmund, der auch einige Tipps gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus parat hat.

Dr. Bernhard Schaaf vom Klinikum Dortmund.

Ziel müsse sein, dass sich das Coronavirus möglichst langsam und kontrolliert verbreitet. Nur dann könne die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten werden.

Was passiert, wenn das Virus sich so ausbreitet wie in Italien?

Kurz gesagt: Dann könnten die Betten knapp werden. In Dortmund gibt es bereits Planungen für den Fall, dass sich die Pandemie so entwickelt wie in Italien, sagte Gesundheitsamtsleiter Renken am Mittwoch. Dort sind mittlerweile mehr als 800 Menschen an Covid-19 gestorben, weil es viele schwere Fälle gab.

Renken: "Wenn sich die Pandemie so weiterentwickelt, müssten wir die Behandlungsweise der Patienten verändern." Das würde bedeuten: Nicht dringende Operationen würden verschoben, um Platz für Intensivpatienten zu schaffen. In Dortmund würden rund 180 Betten für Intensivpatienten zur Verfügung stehen, viele davon mit Beatmungsmöglichkeit.

Dies sei aber auch der limitierende Faktor: Sind diese Betten dauerhaft von Schwerkranken belegt, können neue Fälle nicht behandelt werden. Generell ist die Zahl dieser Betten in Deutschland aber um rund das Hundertfache höher, als in Italien, schätzt Renken. Dennoch: Von Seiten der Palliativmedizin wird kritisiert, dass nicht jeder Covid-19-Kranke beatmet werden müsse - vor allem, wenn die Aussichten auf ein Überleben gering seien.

Warum bleiben Schulen und Kitas trotz des Coronavirus vorerst geöffnet?

"Schulen gehören nicht zu den gefährdeten Gruppen", sagt Renken. Bei jüngeren Menschen werden nur selten schwere Verläufe der Krankheit Covid-19 festgestellt. Deshalb werde hier jeder Einzelfall betrachtet. Pauschale Schließungen soll es in Dortmund deshalb nicht geben, in Einzelfällen sei das aber möglich.

Problematisch würde das jedoch mit Blick auf die Betreuungssituation der Kinder, wie die Fälle des Coronavirus in einer Kita in Bergkamen (Kreis Unna)* zeigen. Dort müssen auch die Eltern zu Hause bleiben, weil die Kinder unter Quarantäne stehen.

Klassenfahrten wurden für Schulen in NRW jedoch trotzdem bis zu den Osterferien abgesagt. Das teilte das Schulministerium am Mittwoch in Düsseldorf mit.

Warum sollte ich zu Hause bleiben, wenn das Virus für mich kaum gefährlich ist?

Damit ihr keine Älteren ansteckt. Generell steigt das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, bereits ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. Besonders Risikogruppen wie chronisch Kranke und Menschen mit schwachem Immunsystem oder Vorerkrankungen müssen vor der Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden.

Sprich: Wer nur leichte Symptome hat und dennoch zu Veranstaltungen geht, droht andere anzustecken, bei denen die Krankheit im schlimmsten Falle tödlich verlaufen könnte.

Warum soll ausgerechnet Mitte April alles besser werden?

Das ist die aktuelle Prognose der Experten in Dortmund. Sie basiert auf Annahmen, die aus Daten der Erkrankungen etwa aus China und Italien getroffen wurden. Für uns spreche zudem ein gewisser Informationsvorsprung, sagt Renken.

Außerdem werden in Deutschland bereits leichte Fälle erkannt. Schwere Verläufe seien hingegen verhängnisvoll. In China sorgten diese für viele weitere leichte Fälle. Dort ist die Rate an Neuinfektionen derzeit sehr gering.

In zwei bis drei Wochen sollte laut Renken der Höchststand in NRW erreicht werden. Sonst sei der nun gemachte Zeitplan unrealistisch. Dazu beitragen können nur die drastischen Maßnahmen, die Experten nun vorschlagen.

Video: Coronavirus - Was gilt jetzt und wie weit kann ich noch planen?

Was tun bei Symptomen?

Bei Symptomen wie Halskratzen, Husten, Fieber und Brustschmerzen gilt weiter: Einen Arzt oder das örtliche Gesundheitsamt anrufen und die Symptome schildern. Dann wird entschieden, ob ein Test auf das Coronavirus oder eine Quarantäne nötig sind. ffo

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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