Yamato zeigt „Chousensha“ in Dortmund

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Die Trommler von Yamato starten ihre Deutschlandtournee im Konzerthaus Dortmund.

DORTMUND So eine Trommel bräuchte man für den nächsten häuslichen Wutanfall: Das größte Instrument der japanischen Trommeltruppe Yamato ist mannshoch und muss von fünf, sechs Kerlen aufs Podium gewuchtet werden, unter Urschreien natürlich. Wenn sie spricht, spürt man es in der Magengrube.

Sie wird mit einer Keule geschlagen und ist die mächtigste der Taikos, der japanischen Trommeln, die auf der Bühne als mobile Kulisse drapiert sind, vom tellergroßen, hell bellenden Instrument bis zu tragbaren Trommeln, die an einem Gurt um den Körper gehängt werden und mit denen sich tanzen und springen lässt.

Auf Wucht, durchsetzt mit Comedy und Schaukampf, verlässt sich „Chousensha“, das derzeitige Programm der Yamatos. Es startet in Dortmund eine Stationentour durch Deutschland. Bis 31. Dezember sind sie im Konzerthaus zu erleben ist.

Toll, mit welcher Energie die Männer (und vier Frauen) noch nach zwei Stunden vom Podium hüpfen wie tanzende Teufel. Die zehn Spieler bearbeiten die Trommelfelle mit Stöcken, von denen einige so dick sind wie ein Männerhandgelenk. Das ist Hochleistungssport. Das Bühnenlicht definiert immer wieder die beeindruckenden Muskeln an Armen, die wie Vogelschwingen über den bauchigen Instrumenten malerisch gereckt werden. Schummriges Bambuswaldlicht verspricht mystische Stimmung, aber für Mystik bleibt nicht viel Raum bei den aufpeitschenden, sehr eingängigen Rhythmus-Mustern. Die Asienmystik verleiht Drumrumkolorit.

„Chousensha“ bedeutet „die Herausforderer“. Die Truppe trägt bunte Röcke und Mäntel, auf denen Schriftzeichen und traditionelle Landschaftsmalerei angedeutet werden. Die Kostüme stammen vom Stardesigner Kansai Yamamoto, die kimonoartigen Mäntel und die Oberteile zeigen die typischen Yamamoto-Prints mit leuchtenden Farben und Tiermustern. Aber es sind auch Jeansoveralls zu sehen, die locker um die Hüften gebunden sind, und schwere Lederstiefel: etwas Streetstyle fürs internationale Publikum. Die Männer haben ihre Haare zu lustigen Animé-Frisuren gegelt.

Einer macht immer den Clown. Mitklatschnummern lockern das Programm auf, denn bei all der Energie auf der Bühne brauchen nicht nur die Trommler, sondern braucht auch das Publikum mal eine Pause. Reiner Slapstick ist eine Nummer mit Zimbeln. Die Männer „werfen“ sich die Töne zu wie wildgewordene Flummis, am Ende führen sie ein außer Kontrolle geratenes Tischtennis-Match auf. Ein großer Spaß.

An den großen Trommeln werden Slow-Motion-Nummern aufgeführt, eine Martial-Arts-Comedy, bei der die Männer ein freches Jackie-Chan-Grinsen ins Publikum werfen. Stockkampf wird angedeutet. Stomping lässt grüßen. Und die Kerle machen Bauchmuskelübungen vor ihren Trommeln, kontrolliert und angefeuert von ihren Kollegen: Du da! Tiefer!!

Die Shamisen, die japanische Laute, wird von den vier Frauen eher wie ein Schlaginstrument präsentiert, das Plektrum knallt über die Lautsprecher. Wucht geht über Raffinesse. Eine Flöte tönt, aber sie ist nur der Auftakt für ein weiteres Trommelgewitter: ein mustergültiger Soundtrack für einen Kriegerfilm, Thema Aufbruch der tapferen Kämpfer. Alles ist eingängig. Und zum Schluss gibt es noch mehr Spaß: Auch das Publikum soll die Arme recken. Heftiger Applaus für die Trommel-Comedians.

Edda Breski

Bis 31.12., Tel. 0231/22 696 200

www.konzerthaus-dortmund.de

ab 19. 8. 2018 in der Philharmonie Köln, Tel. 01806/101011 www.bb-promotion.com

Quelle: wa.de

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