Wallraf-Richartz-Museum Köln zeigt Schau um restauriertes Honthorst-Gemälde

+
Endlich wieder in voller Größe und bestens restauriert: Gerrit van Honthorsts Gemälde „Die Anbetung der Hirten“ steht im Mittelpunkt einer Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum.

KÖLN - Ein Zauber liegt auf der Anbetung der Hirten, die der Utrechter Maler Gerrit van Honthorst 1622 geschaffen hat. Fünf Menschen blicken ergriffen auf das Kind in der Krippe. Die Magie allerdings liegt in dem Licht. Honthorst hat das Jesuskind buchstäblich als Leuchtkörper dargestellt. Alles Licht in dem barocken Meisterwerk geht von dem Säugling aus. Und so wird der Gottessohn zum optischen Zentrum des Werks, fängt alle Blicke ein.

Honthorsts Meisterwerk gehört zu den populärsten Bildern des Wallraf-Richartz-Museums in Köln. Jetzt wurde das Bild restauriert und neu kunstwissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse stellt das Museum in einer Studio-Ausstellung vor.

Nicht immer war das Werk so hoch geschätzt wie heute, da es zu den beliebtesten Bildern des Museums zählt. Jahrzehntelang lagerte es im Depot, zwischenzeitlich wurde es sogar an das Hospital in Deutz ausgeliehen. Der Farbwarenhändler Johann Heinrich Claren hatte es 1855 dem damaligen stadtkölnischen Museum vererbt. Neu entdeckt aber wurde es mitten im Zweiten Weltkrieg. 1940 unterzog Robert Hieronymi das angegriffene Gemälde einer Restaurierung. Unter anderem besserte er Schäden an der Leinwand aus und nahm einen alten Firnis ab. Danach schwärmte der Direktor des Museums, das „scheinbar unansehnliche“ Bild habe sich als „makellos erhaltenes“ Hauptwerk des Künstlers erwiesen. Allerdings wurde damals bei der Rahmung oben ein zwölf Zentimeter breiter Streifen umgeklappt. Der damalige Kustos schrieb, dass der Streifen die „künstlerische Wirkung empfindlich störte“.

Danach wurde das Bild ausgelagert in einen Stollen bei Siegen, um es vor der Bombardierung der Stadt zu schützen. Im feuchten Lager litt das Bild erneut.

All das haben die Kunsthistoriker und Restauratoren des Museums herausgefunden. Die Eingriffe wurden rückgängig gemacht, der inzwischen ebenfalls verschmutzte Firnis wurde nach neuesten Methoden entfernt, das Bild hat wieder das große Format, das Honthorst ihm seinerzeit gegeben hatte. Wenn auch erst im zweiten Anlauf: Tatsächlich hatte der Maler einen Stoffstreifen oben an das Bild angefügt und die Handhaltung des Hirten im roten Mantel verändert. Ursprünglich schützte der seine Augen vor dem Licht Christi. Nun zieht er seine Mütze.

Die Ausstellung setzt natürlich vor allem auf die grandiose Wirkung des aufgefrischten Bildes. Honthorst (1592–1656) hatte es nach seiner Rückkehr aus Rom gemalt, wohin er gereist war, um wie fast alle bedeutenden Maler seiner Zeit die Kunstschätze Italiens zu studieren. Honthorst hatte sich bei Caravaggio die Technik extremer Hell-Dunkel-Kontraste abgeschaut. Als er in seine Heimatstadt zurückkam, war er schon berühmt, so etwas wie ein Star. Und mit der Hirtenanbetung unterstrich er seine Ambitionen.

Das Motiv des Christuskinds als Licht der Welt hat er nicht erfunden. Die Idee geht auf die Visionen der Birgitta von Schweden zurück. Und schon der spätmittelalterliche Maler Geertgen tot Sint Jan schuf um 1480/90 eine Darstellung des leuchtenden Christkindes. Neu in Honthorsts Werk ist allerdings die suggestive Umsetzung. Mit extremem Detailrealismus sorgt er dafür, dass der Betrachter die Illusion bekommt, da leuchte wirklich ein Kind. Tatsächlich fand das Bild auch große Bewunderung. Honthorst malte mindestens noch eine Fassung des Motivs, die heute in Greifswald aufbewahrt wird. Das Kölner Bild freilich war zwischendurch sehr wahrscheinlich Prunkstück im Palast des Statthalters der Niederlande in Den Haag. Später kam das Bild in das Kölner Kartäuserkloster St. Barbara.

In der Ausstellung wird Honthorsts Gemälde nun anderen, früheren und zeitgleichen Werken gegenübergestellt. Eine Darstellung der Geburt Christi (2. Hälfte 16. Jh.), die nach einem Werk von Hieronymus Bosch entstand, zeigt das Geschehen noch bei Tageslicht, links im Hintergrund hinter Maria sieht man freilich schon die Hirten an ihrem Lagerfeuer. Auf einer Hirtenanbetung, die Peter Wtewael, ebenfalls ein Utrechter Maler, um 1628 schuf, sieht man das gleiche Personal, freilich in einer völlig anderen Anordnung. Und auch der grandiose Effekt des Lichts fehlt in diesem Bild.

Zeichnungen und Grafikblätter aus dem reichen Bestand des Museums runden die instruktive Schau ab. Wtewael hat 1618 schon eine Hirtenanbetung gezeichnet, und anders als in seinem und Honthorsts Bild bekommt man in diesem Blatt mit viel mehr Personen und Bewegung den Eindruck einer Art Party an der Krippe. In dem Bild geht es nicht mehr um spirituelle Versenkung, sondern um die Lust an einer frommen Erzählung.

Bis 4.2.2018,

di – so 10 – 18 Uhr,

Tel. 0221/ 221 211 19, www.wallraf.museum,

Katalog 12 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.