45.000 Fans im Stadion

Die volle Rolling-Stones-Dröhnung beim Konzert in Düsseldorf

+

Düsseldorf - Klar, die Esprit-Arena in Düsseldorf ist ausverkauft. Wer ein Ticket wollte, musste ganz schnell sein. So ist das, wenn die Rolling Stones auf Tour gehen.

Mittags sperrte die Polizei aufgrund des Fan-Andrangs schon kurzzeitig die Straße vorm Nobelhotel ab, in dem die Band angestiegen war. Zum Konzert kommen rund 45.000 Fans, viele von ihnen sind schon lange vor dem Auftritt da. Sie stehen dicht an dicht gedrängt vor den Toren und warten auf Einlass. Die Vorfreude ist groß, die Stimmung ausgelassen.

Dixieklos statt Trainerbänke, Bodenplatten statt Rasen - und eine riesige Bühne, dort, wo sonst der Torwart nach Bällen hechtet: das Stadion ist hergerichtet für einen rockigen Musikabend mit der wohl größten Band aller Zeiten und vielen ihrer Hits. Gestandene Erwachsene, ausstaffiert mit den wichtigsten Fanartikeln, die auf dem Außengelände zu knackigen Preisen angeboten werden, verwandeln sich da schnell wieder zu jungen Hüpfern voller entrückter Begeisterung für ihre Lieblingsband, als Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts, begleitet von zahlreichen Tourmusikern, auf die Bühne kommen.

Die Rolling Stones spielen Hit für Hit beim Konzert in Düsseldorf

„Please allow me to introduce myself“, singt Mick Jagger ins Mikro, nachdem die ersten Takte des Openers erklungen sind. Rotes Licht flackert über die vier rund 20 Meter hohen Videowände. Vorstellen muss sich Jagger nicht. Den Song, zum dem die Songzeile gehört, auch nicht. „Sympathy for the Devil“ ist einer der bekanntesten Songs der Band. Das ist mal eine Ansage – und ein Versprechen: An diesem Abend werden die ganz großen Nummern aus den Boxen kommen. Dazu gesellen sich noch ein paar spezielle Leckerbissen, und fertig ist die volle, rund zwei Stunden ausfüllende Stones-Dröhnung mit Hits wie „Paint It Black“, „Honky Tonk Woman“ und „Start Me Up“, den Coversongs „Just Your Fool“ und „Ride ‘em Down“ vom aktuellen Album und zwei Stücken, die von Keith Richards gesungen werden, darunter die Ballade „Slippin‘ Away“.

Die Band hat auch nach fünf Jahrzehnten immer noch sichtlich Spaß an ihren Auftritten. Chapeau! Zusammen sind die vier britischen Musiker mittlerweile schließlich 293 Jahre alt, 73 Jahre im Schnitt. Während Charlie Watts mit Zurückhaltung am Schlagzeug glänzt und stoisch in sich ruhend Trommeln und Becken bedient, wirft Ron Wood seinen Fans Handküsse zu und spielt sich mit Keith Richards die Gitarrenriffs zu. Richards selbst, im knallbunten Hippie-Look, markiert zwischendurch das Gorilla-Männchen, als er mit den Fäusten auf der Brust trommelt, die Kippe zwischen den Fingern. Dann wird wieder das Instrument bearbeitet, denn das kann er am besten.

Mick Jagger lässt derweil die Hüften kreisen, wackelt mit seinem Hintern und fuchtelt mit den Armen herum, während er tänzelnden Schrittes eine gehörige Strecke auf der rekordverdächtig dimensionierten Bühne zurücklegt. Bei „Miss You“ hat der 74-Jährige eine Gitarre umgeschnallt und schlägt ein paar Akkorde. Bei „Midnight Rambler“ bläst Jagger sein Lungenvolumen in eine Mundharmonika und läutet damit eine rund zwölfminütige Version der Blues-Nummer ein.

Zwischendurch gibt es ein Extralob von Jagger fürs Publikum: „Ihr singt wunderbar!“ ruft er auf Deutsch, das wie Schwedisch klingt. Für Düsseldorf hat die Band ohnehin etwas übrig: 1965 landeten die Stones am Rhein, um ihr erstes Deutschland-Konzert dann in Münster zu geben.  Als „Beweis“ ihrer Ankunft auf dem Flughafen wird ein Foto eingeblendet: Jugendliche rennen über das Rollfeld, verfolgt von einem Einsatzfahrzeug der Flughafen-Feuerwehr. „Wir haben immer noch die Wasserwerfer“, ruft Mick Jagger auf Deutsch und erntet Lacher.

Der heimliche Höhepunkt wartet am Ende mit der harten Rocknummer „Gimme Shelter“ aus dem Jahr 1969, geschrieben zu Zeiten des Vietnamkrieges, was sich nicht nur textlich, sondern auch musikalisch in kraftvoller Dringlichkeit äußert. Unterstützt wird Jagger beim Gesang von Sängerin Sasha Allen. Die beiden liefern sich ein beeindruckendes Duett, ehe als letzte Zugabe noch Platz ist für „(I Can’t Get No) Satisfaction“. Glückliche und zufriedene Gesichter sind auf dem Heimweg jedenfalls garantiert.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare