Das Stück „Island One Way“ mit Svavar Knutur bei den Ruhrfestspielen

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Der Naturbursche bringt die Reisenden auf Touren: Szene aus „Island One Way“ in Recklinghausen mit Svavar Knútur, Christine Diensberg und Fabian Baumgarten.

Von Edda Breski RECKLINGHAUSEN -  Wenn die Beziehung in der Sackgasse steckt, gibt es folgende Möglichkeiten. A: Man geht fremd. B: Man macht eine Reise. C: Man plant ein Baby. Anne und Phil machen alle drei Sachen und sind danach noch zusammen, weil sie, wie das im Beziehungssprech so schön heißt, ein gemeinsames Projekt haben. Davon erzählt das Theaterstück „Island One Way“, eine Koproduktion der Ruhrfestspiele und des Theaters Gütersloh, erstmals zu sehen bei den Ruhrfestspielen in der Halle König Ludwig 1/2 in Recklinghausen.

Der Text wurde geschrieben von Fink Kleidheu, eigentlich der künstlerische Leiter an der Bühne in Gütersloh, Christian Schäfer. Der isländische Singer/Songwriter Svavar Knutur macht Musik.

Eine Beziehungskiste steckt fest, Rettung soll der gemeinsame Blick in den Himmel bringen, dort, wo die Nordlichter tanzen. Das ist ihr Wunsch: Anne, Designerin, fremdverliebt. Er, Phil, jammerndes Weichei, will auf dem Golden Circle zwischen den Touristenattraktionen Thingvellir und Gullfoss aus der Beziehung noch was rausholen. Das Abenteuer soll der Paarbeziehung einen neuen Kick geben und vermittelt den beiden matten Deutschen einen neuen Lebenssinn. Sie fahren zum Whale-Watching aufs Nordmeer hinaus, wo sie schrecklich seekrank wird. Er holt sich beim Klettern am Gullfoss einen Bänderriss. Anne will auf Teufel komm raus ihren Spaß und sucht in klapprigem Touristenenglisch Kontakt zu Einheimischen. In einer Bettszene zitiert sie aus Wagners Ring-Libretto die Erweckung Brünnhildes: Sie hat sich erhofft, dass die Reise auf die mythenumwobene Vulkaninsel aus Phil ihren Helden macht. Darauf muss man auch erst kommen.

Fabian Baumgarten und Christine Diensberg spielen das irgendwie hilflose Paar sehr schön; sie schimpfen und mäkeln aneinander herum, bringen Wortspielereien temporeich rüber, aber insgesamt ist die Beziehungs-Comedy doch ziemlich vorhersehbar und hätte ihren Witz nach einer Viertelstunde eingebüßt, wäre da nicht Svavar Knutur.

Wie ein Kastenteufelchen taucht der pummelige Isländer mit dem abstehenden blonden Haar überall auf, mit einer Ukulele oder mit einem Wikingerhelm mit blinkenden Teufelshörnern. In Videosequenzen sieht man ihn als Sprecher von „CNN Iceland“, der einen katastrophalen Ausbruch des Vulkans Katla ankündigt. Er tritt bei „Island sucht den Superstar“ mit einer lausigen Version von Whitney Houstons Dauerheuler „I will always love you“ an, und er macht sich als Rechtsradikaler, der „Island für Isländer“ fordert, zum Affen. Knutur spielt den hinterlistigen Deppen mit solcher Ernsthaftigkeit, dass er das Stück über weite Strecken zur One Man Show macht. Mit wildem Naturburschendialekt schmeißt er sich an Anne heran, schleimt und blinkert und singt mit mächtiger Stimme: Als „Fremdenführer“ gibt er den Heldenbariton und preist die Schönheiten seiner Heimat. Seine Rolle heißt übrigens mit drolliger Angeberei „his master’s voice“, so wie das Plattenlabel.

Knutur muss in seinen knappen T-Shirts nur auftauchen, um das Publikum zum Lachen zu animieren. Das Pärchen kalauert sich an – etwa wenn Phil sagt, der Trip sei eine „Tor-Tour“ – und ruft mit seiner Landschaftsschwärmerei selige Erinnerungen bei denjenigen Besuchern wach, die schon mal auf Island waren.

„Island One Way“ ist meist witzig, mit viel Elan gespielt, gut musiziert und mit leichter Hand geschrieben. Dazu kommen eine Inszenierung, die auf eingängige optische Effekte mit Videosequenzen und passender Licht-Atmo setzt (Christian Schäfer) und eine Bühnengestaltung, die geschickt mit Anspielungen auf Steine und Eis arbeitet (Jörg Zysik).

14. Mai, Tel. 0 23 61/921 80,

www.ruhrfestspiele.de

Ab 13. September am Theater Gütersloh

Quelle: wa.de

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