Picasso-Museum zeigt abstrakte Kunst aus Frankreich: „Durch das Licht“

„Komposition“ hat Elvire Jan ihre abstrakte Malerei von 1958 genannt. Zu sehen ist das Gemälde in der Ausstellung „Durch das Licht“ im Museum Pablo Picasso in Münster. Foto: VG-Bildkunst, Bonn 2019

Münster „Es ist eine neue Sprache, so sanft wie jene, der sich die Musiker seit Langem bedienen“, sagte Alfred Manessier. Der französische Künstler war auf der Suche nach einer neuen Ausdrucksweise. Sein Gemälde „Am Ufer entlang“ (1950) zeigt mit vielen Blautönen, kleinen Flächen und Strukturlinien, dass neben Assoziationen zu Booten, Stegen und Menschen auch das Gefühl vom Leben am Fluss spürbar wird.

Der Maler stimmt es mit seiner farbigen Abstraktion an, die sich am realen Vorbild orientiert und eben keinen neuen Illusionsraum aufmacht. In seiner Zeichnung „Sand VII“ verschreibt sich Manessier den biomorphen Strukturen, die das Meer im Sandgrund hinterlässt. Es ist eine Hommage an die Natur.

Das Museum Pablo Picasso in Münster präsentiert eine Gruppe französischer Abstrakter, die 1941 erstmals gemeinsam in Paris ausstellten. Elvire Jan, Gustave Singier, Jean Le Moal, Roger Bissière und Jean Bazaine waren mit Alfred Manessier und untereinander freundschaftlich verbunden. Es gab kein Manifest, kein Programm, keine Weltanschauung, die sechs schlugen einen „mehr abstrakten Weg“ ein, ohne sich von der gegenständlichen Welt abzuwenden. Als nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Kunst von Erneuerung die Rede war und die Figuration an Bedeutung verlor, sollten ihre abstrakten Bilder en vogue werden und wurden auf der documenta 1955 und 1959 ausgestellt. Das änderte sich aber schon bald.

Die Ausstellung „Durch das Licht – Abstraktion in Frankreich“ erinnert an eine Phase in der Kunstgeschichte. Im Museum Pablo Picasso sind insgesamt 110 Bilder zu sehen. Kern der Schau sind rund 90 Arbeiten. Ein Privatsammler aus der Schweiz hat seit den 70er Jahren rund 300 zusammengetragen. Mit Leihgaben aus Frankreich und der Schweiz will die Fondation Planque zusammen mit Museen aus Aix-en-Provence, Roubaix und Münster die sechs Abstrakten bekannter machen. Alle sechs schufen auch Glasmalereien, waren der Natur verbunden und ihrem Frankreich. Zwar gewann Alfred Manessier noch den Großen Preis der Biennale in Venedig 1962, aber danach dominierten die abstrakten Expressionisten aus den USA den internationalen Kunstmarkt. Die Pop-Art folgte darauf.

Kurator Florian Rodari von der Fondation Planque sagte in Münster, es sei „ein Schock“ für die Künstler gewesen, plötzlich zeigten sich internationale Galeristen desinteressiert. Warum? Die französischen Abstrakten seien nicht dezidiert politisch gewesen, weniger expressiv als beispielsweise Willem de Kooning und weniger radikal als andere Künstler, sagte Rodari. Zur politischen Revolte in den 60er Jahren passten keine naturnahen Strukturbilder und Künstler, die „mit der Berührung und dem Inneren der Form“ zeichnen wollten, wie Jean Le Moal es formulierte. Die Abstrakten arbeiteten außerdem für katholische Gemeinden und modernisierten Kirchenfenster. Alfred Manessier, der Bekannteste unter ihnen, schuf Fenster für das Essener Münster, Sankt Gereon in Köln und für die Liebfrauenkirche Bremen. Alle sechs halfen, die sakrale Kunst zu erneuern, und entwarfen Glaskunst in Frankreich, der Schweiz und Deutschland.

In Münster erhalten ihre Bilder wieder Aufmerksamkeit. Herrlich ist, wie Elvire Jan für „Komposition“ (1958) Farbe auf die Leinwand gegeben hat, als sei die Lichtbrechung einer Landschaft eingefangen. Die schwarzen Konturen schaffen eine Idee von Orientierung, die an etwas Organischem festhält – im Gegensatz zum Informel. Gustave Singier ist ein ganzer Raum gewidmet. Seine Gemälde wie „Hügel der Provence III“ (1959) sind farbdurchglüht und erinnern an Joan Mirós poetische Abstraktion. Jean Bazains Bild „Gesang der Frühe II“ (1985) ist eine expressive Farbstimmung und zeitlos.

Bis 29. 9.; di-so 10 – 18 Uhr, Tel. 0251 / 41447 10; www.kunstmuseum- picasso-muenster.de

Quelle: wa.de

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