Picasso-Museum feiert 20 Jahre mit „Simply The Best“

Opulentes Porträt: Pablo Picassos „Kleiner Frauenkopf bekrönt von Blumen“ (1962, Farblinolschnitt) ist in Münster zu sehen. Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
+
Opulentes Porträt: Pablo Picassos „Kleiner Frauenkopf bekrönt von Blumen“ (1962, Farblinolschnitt) ist in Münster zu sehen. Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Münster – Große abgründige Augen. Wallendes Haar, mit Blüten geschmückt. Auch wenn Pablo Picasso beim „Kleinen Frauenkopf“ von 1962 nicht auf seine Stilmittel verzichtet, vor allem auf die Verschränkung von Profil und Frontalansicht, so gab er diesem Antlitz doch Anmut mit und eine frische, unmittelbare Schönheit.

Zu sehen ist der Linolschnitt im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster. Das Haus feiert im September sein 20-jähriges Bestehen. Die begleitende Ausstellung unter dem bescheidenen Motto „Simply The Best“ bietet eine Übersicht über die bedeutendsten Neuerwerbungen dieser Zeit. Gegründet wurde das Haus als Stiftung der Sparkassen und der Sammlung Huizinga. Gert Huizinga (1927–2018) hatte 731 Lithografien Picassos eingebracht, die umfassendste Übersicht über diesen Schaffensbereich des spanischen Künstlers. Aber das Institut hat es dabei nicht belassen. So wurden weitere Grafiken angekauft, zum Beispiel schon 2001 die komplette Suite Vollard, bestehend aus 100 Radierungen, die zwischen 1930 und 1937 entstanden und in denen der Meister auf sehr spezielle Weise Klassizismus und Surrealismus verband. Und ein 101 Werke umfassendes Konvolut von Linolschnitten wurde 2012 angekauft. Inzwischen kann das Museum das grafische Schaffen Picassos so umfassend darstellen wie kein anderes Institut in Deutschland.

Durch weitere Ankäufe, Zustiftungen und Schenkungen wuchs die Sammlung des Museums weiter an. So kam 2004 eine Sammlung mit Grafik von Picassos Weggefährten Georges Braque ins Haus, mehr als 200 Blatt. Seit 2008 beheimatet das Museum 137 Grafiken von Marc Chagall, den Picasso bei aller Distanz durchaus respektierte. Immerhin 121 Arbeiten von Henri Matisse, dem Rivalen Picassos, wurden 2015 aus dem Kreis der Erben erworben. Und der Fotograf David Douglas Duncan schenkte 161 Abzüge seiner Picasso-Fotos nach Münster. Er war in den späten 1950er Jahren im Atelier des Künstlers und schuf Aufnahmen von großer Intensität. Auf inzwischen rund 2000 Werke beziffert Museumsleiter Markus Müller die Bestände.

Aus diesem enormen Fundus wurden rund 150 Blätter für die Ausstellung ausgewählt. Sie dokumentieren mit faszinierenden Beispielen die Bandbreite, mit der das Haus inzwischen die Pariser Schule vorstellen kann, mit Arbeiten von vier der berühmtesten und besten Künstler der Moderne.

Picasso ist dabei die untere Etage reserviert. Man findet Studen für die berühmten Friedenstauben, daneben ein Porträt seiner Tochter Paloma als Kleinkind, einige Radierungen aus der Suite Vollard und vieles mehr.

Besonders die Linolschnitte bieten prachtvolle Einblicke in seine Arbeitsweise. Picasso entdeckte die Technik an der Côte d‘Azur mit dem spanischen Drucker Hidalgo Arnera. Anfangs schuf Picasso Plakate für den Stierkampf in Vallauris, Gebrauchsarbeiten für den Stadtraum. Bis 1962 arbeitete er in dieser Technik. In drei Zustandsdrucken sieht man, wie der Künstler sein lebensfrohes Blatt „Faun und Ziege“ (1959) mit mehreren Druckplatten entwickelte: Vom zweifarbigen Grund mit grüner Berglandschaft und blauem Himmel bis zum ausgearbeiteten Bild mit den musizierenden Figuren und den Kringelwolken.

Abgerundet wird dieses Ausstellungskapitel durch die Fotos von Duncan, die zum Teil Koproduktionen mit dem Maler sind, zum Beispiel, wenn er die Zeichnung einer Eule als Maske vor sein Gesicht hält. Dabei sieht man durch zwei Löcher Picassos Augen. Der Künstler, unterstreicht Museumsdirektor Müller, vor der Kamera stets eine bestimmte Rolle gespielt, die öffentliche Person verkörpert. Es wirkt trotzdem sehr spontan, wenn er im Atelier vor einem monumentalen Gemälde mit seiner Frau Jacqueline einen Tanzschritt ausprobiert.

Das Obergeschoss ist Werkgruppen von Picassos drei Kollegen vorbehalten, die er einerseits respektierte, andererseits auch als Rivalen empfand. Von Georges Braque ist eine Serie von Farblithografien von 1932 zu sehen mit einem Motiv der antiken Mythologie, „Athenaios“, die Weisheitsgöttin auf einem Streitwagen mit steigenden Rössern. Dabei geht er ähnlich wie Picasso den Klassizismus gleichsam surrealistisch an. Stark abstrahiert sind die Blätter mit Vogelmotiven. Die poetischen Grafiken Marc Chagalls sind das Kontrastprogramm zu Picasso. Ein Blatt mit Tänzerinnen und einem Faun allerdings schlägt eine unvermutete Brücke zum Schaffen des Spaniers. Rund 40 Arbeiten stammen von Henri Matisse, Akte, extrem abstrahierte Köpfe. Einen Raum widmet die Schau dem Malerbuch „Jazz“ (1947), dessen leuchtend farbige Blätter die Welt des Zirkus spiegeln. Matisse schuf die Vorlagen dieses Spätwerks als Scherenschnitte.

Bis 6.9., di – so 11 – 17 Uhr, Tel. 0251/ 414 47 10, www.picassomuseum.de

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare