Perfekte Gestaltung: „Die Lackkunst Koreas“ in Münster

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Zwei Phönixe mit dem Kraut der Unsterblichkeit zieren den Kosmetikkasten aus dem 18. Jahrhundert, zu sehen in der Ausstellung koreanischer Lackkunst in Münster. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ MÜNSTER–Der kleine Kasten feiert die Naturschönheit. An jeder Seite ziert ihn ein andres, silbrigweißes Motiv. Hier tummeln sich in den Zweigen einer Winterpflaume zwei Vögel. Vorn prunkt eine Päonie mit ihren Blüten. Und oben flattern zwei Phönixe, die das Kraut der Unsterblichkeit im Schnabel tragen. Dieses Symbol wurde im Korea der Joseon-Zeit mit der Königin verbunden. Der Kasten, ein rares und kostbares Luxusstück, diente wohl ihr oder einer Hofdame dazu, Kämme und Kosmetik zu verwahren.

Zu sehen ist er in der Ausstellung „Die Lackkunst Koreas – Ästhetik in Vollendung“ im Museum für Lackkunst in Münster. Erstmals überhaupt im Westen sind dort Beispiele des sehr besonderen Kunsthandwerks ausgestellt. Mehr als 40 Stücke, vom Brillenetui bis zum Schrank, vermitteln einen Eindruck der Tradition vom 12. bis ins 19. Jahrhundert aus dem asiatischen Staat, der im Schatten seiner mächtigen Nachbarn China und Japan stand. Doch auch in Korea wächst der Lackbaum, dessen Saft erst die Produktion der schimmernden Objekte ermöglichte. Schon in der Steinzeit überzogen wahrscheinlich Menschen der Region Keramikobjekte mit einer schützenden Lackschicht. Im Jahr 682 gründete der damalige Herrscher Sinmun eine Nationale Akademie für Lackkunst.

In Münster sind die kostbarsten Exponate eine Dose für Gebetsperlen und zwei Kästen für buddhistische Schriften, die aus der Goryeo-Dynastie (918–1392) stammen. Aus dieser Epoche, die übrigens dem Land den Namen gab, sind weltweit nur noch 20 Objekte erhalten. Die runde Perlendose ist über und über mit einem lückenlosen Muster aus Blüten besetzt, das aus Perlmutt, Schildpatt und Draht geformt wurde. Die dünnen Dekorationselemente wurden auf eine schwarze Lacktschicht geklebt, dann wurde erneut Lack aufgetragen. Es entsteht der Eindruck einer edlen, vollkommen glatten Oberfläche.

Die Kombination von Lack und Perlmutt war eine Spezialität der Koreaner. Die Herstellung war kompliziert und langwierig. Lange gab es nur in der Hauptstadt Seoul eine Werkstatt, die für den Hof produzierte. Für andere Kunden waren die vollendet gestalteten Stücke ohnehin zu teuer. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlebte das Land eine wirtschaftliche Blüte. Lackobjekte waren immer noch teuer. Aber nun konnte sie sich auch eine Schicht von Wohlhabenden leisten. Aus dieser Zeit, der Joseon-Dynastie (15. bis 19. Jahrhundert), stammen die meisten Exponate.

Die Dekore änderten sich. Statt der fast abstrakten Muster schufen die Künstler nun oft Bilder, vorzugsweise mit Naturmotiven. Bis auf wenige Ausnahmen sieht man in Münster Beispiele der virtuosen Einlegetechniken mit Perlmutt. Für die Päonien, Chrysanthemen, Winterpflaumen wurden Plättchen ausgesägt, aus denen das Motiv gelegt wurde. Eine Spezialität dabei war die Arbeit mit gebrochenem Perlmutt, manchmal wurden auch Linien eingeschnitten, um statt einer geschlossen weißen Fläche Schattierungen und Schraffuren zu erhalten.

Bis 27.1.2013, mi – so 12 – 18, di bis 20 Uhr,

Tel. 0251/ 418 510, www. museum -fuer-lackkunst.de,

Katalog, Hirmer Verlag, München, 35 Euro

Quelle: wa.de

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