Das neue Museum Peter August Böckstiegel in Werther

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Ein steinerner Monolith im Grünen: Der Neubau des Museums Peter August Böckstiegel in Werther-Arrode.

Werther-Arrode  - Wenn man das Museum Peter August Böckstiegel in Arrode besucht, verlässt man die Metropolen, begibt sich aufs Land. Erst Bielefeld, dann Werther, auf die Schlossstraße, die ihrem feudalen Namen kaum gerecht wird. Durch sanfte Hügel, an Feldern und Wäldchen vorüber kommt man ins Bauernland. Der Maler Peter August Böckstiegel (1889–1951) wohnte die meiste Zeit seines Lebens hier, auf dem Dorf, im Haus seiner Eltern. Noch sein Sohn schlief dort, auf einem Sofa, in dem Schubfächer waren für die Arbeiten des Vaters.

Am Freitag wird hier das Museum Peter August Böckstiegel eröffnet. Das 1826 errichtete Elternhaus des Künstlers, dieser markante rote Ziegelbau mit den Verzierungen, die Böckstiegel selber schuf, blieb unberührt. Auf der Obstwiese davor steht nun ein vieleckiger Monolith aus grauem Naturstein, entworfen von André Habermann vom Büros h.s.d. in Lemgo. Nur ein Stockwerk hoch fügt es sich in die Landschaft, die den Künstler inspirierte und prägte.

Böckstiegel gehörte zu den bedeutendsten Expressionisten der zweiten Generation. Der Maler hatte in Dresden studiert und hier auch viele Kontakte geknüpft, unter anderem zu seinem Schwager, Conrad Felixmüller, und Otto Dix. Er erhielt eine Reihe wichtiger Preise, aber nach der Machtergreifung der Nazis wurden auch seine Bilder als „entartet“ diffamiert und aus den Museen entfernt.

Schon lange bemühte sich der Böckstiegel-Freundeskreis darum, den Nachlass angemessen an dem Ort, wo die meisten Werke entstanden, präsentieren zu können. Das denkmalgeschützte Elternhaus kann zwar im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Für eine museale Präsentation von Gemälden und Skulpturen taugt es aber nicht. Rund 4500 Besucher kamen bisher jährlich trotz dieser eingeschränkten Möglichkeiten. Der Neubau soll nun gewährleisten, dass mehr Kunstfreunde Zugang zu den farbstarken, expressiven Bildern finden. Die Macher erhoffen sich zunächst die dreifache Besucherzahl.

Fast vier Millionen Euro wird das Projekt am Ende kosten, zwei Millionen brachte die Böckstiegel-Stiftung ein, die der Kreis Gütersloh auf Initiative von Böckstiegels Kindern 2008 gegründet wurde. Weitere 1,2 Millionen kamen durch Spenden zusammen, 600 000 Euro stellte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) bereit. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kulturdezernentin des LWL, sagte, dass die hohe Qualität von Böckstiegels Werk und die nachhaltige Struktur des Museums Voraussetzungen für die Förderung seien. Museumsleiter David Riedel hat nun die Aufgabe, das Haus zu bespielen. Wichtig dabei, dass hier neben dem Werk Böckstiegels auch Wechselausstellungen präsentiert werden, damit sich der Impuls nicht erschöpft.

Der Neubau hat im Erdgeschoss einen Ausstellungsraum mit knapp 240 Quadratmetern, insgesamt knapp 1100 Quadratmeter Nutzfläche in Erd- und Kellergeschoss. Das Gebäude meidet rechte Winkel, der polygonale Zuschnitt soll den Bau naturhaft wirken lassen, mit weißen Wänden und Eichenholz als einigem Kontrast. Große Fenster bieten Ausblicke in die umliegende Landschaft.

Zur Eröffnung gibt es die Schau „Ausdruck seines Ursprungs“ mit rund 70 Gemälden, Arbeiten auf Papier und Plastiken des Künstlers. Sie zeigen den starken Einfluss des niederländischen Malers Vincent van Gogh, zum Beispiel im Gemälde „Sonnenkinder“ (1925) auf dem Böckstiegel seine Frau Hanna und seinen Sohn Vincent hinter einer Wand aus glühend gelben Sonnenblumen zeigt. Es ist sozusagen eine Einführung in das Werk des Expressionisten, zeigt seine zahlreichen Porträts von Familienmitgliedern und Bauern aus der Nachbarschaft, Akte, Stillleben, Landschaften. Obwohl der Ausstellungsraum nicht allzu groß ist, entsteht nicht der Eindruck von Enge.

Die Voraussetzung für weitere, abwechslungsreiche Präsentationen sind gut: Rund 1200 Werke Böckstiegels besitzt die Stiftung. Hinzu kommen zahlreiche Werke von befreundeten Kollegen. Böckstiegel war auch ein engagierter Sammler, wie man noch bis Anfang Oktober in der Ausstellung „Kosmos Böckstiegel“ in der Städtischen Galerie Paderborn sehen kann.

Bis 2019 hat Riedel schon das Programm fertig. Mit drei Wechselausstellungen jährlich will er dafür sorgen, dass Kunstfreunde auch mehrmals den Weg nach Arrode finden. So soll das Werk des Dresdner Impressionisten Robert Sterl (1867–1932) vorgestellt werden, mit dem Böckstiegel befreundet war. Böckstiegel vermittelte hunderte von Bildern Sterls an Kunstsammler in Bielefeld.

„Böckstiegel ist nicht bekannt genug“, meint Barbara Rüschoff-Parzinger. Die Chancen stehen gut, dass sich das mit dem neuen Museum ändert.

Festakt 30.8., geöffnet für Publikum ab 31.8., mi – so 12 – 18 Uhr,. Auch das Wohnhaus Böckstiegel kann weiter besichtigt werden, aber nur im Rahmen von Führungen.

Tel. 05203/ 3297,

www.museumpab.de

Quelle: wa.de

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