Neue CDs: Michael Wollny Trio: Wartburg / Oslo

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Michael Wollny Trio: Wartburg

Michael Wollny Trio: Wartburg / Oslo (Act Music). Der Pianist Michael Wollny tut nicht, was man von ihm erwartet. Das Andantino von Gabriel Fauré interpretiert er durchaus werkgetreu, als wolle er Jacques Loussier nachstreben.

Paul Hindemiths „Interludium“ hingegen unterlegt er mit Bluesharmonien, lädt es mit Jazz auf, dass es eine Freude ist. Und Scott Walkers fast vergessene Pop-Schnulze „Big Louise“ zelebriert er als Hymne. Der Jazzfan bekommt jetzt Wollny im Doppelpack: Labelchef Siggi Loch bringt zeitgleich zwei neue Alben heraus, die nach ihren Entstehungsorten benannt wurden. Beim ersten, im Studio in Oslo aufgenommen, wird Wollnys vorzügliches Trio mit Bassist Christian Weber und Drummer Eric Schaefer auf drei Titeln vom Norwegian Wind Ensemble unterstützt, mit dem er schon im letzten Jahr auf Tournee ein Programm mit Live-Filmmusik spielte. Beim zweiten, live auf der Wartburg mitgeschnitten, ist auf vier Titeln der famose französische Saxophonist Emile Parisien dabei. Die aktuelle Musik Wollnys ist griffiger als auf den letzten, oft etwas romantisch verhangenen Aufnahmen. Das Trio erlaubt sich durchaus swingende Passagen wie in „Perpetuum Mobile“, von dem es Versionen auf beiden Alben gibt, und auch „There Again“ (Oslo). Und „Hello Dave“ entwickelt sogar einen Funk-Groove. Ein Höhepunkt des Oslo-Albums ist die fast zwölfminütige Suite „The Whiteness of the Whale“ mit einem wuchtigen Solo Schaefers und breiten orchestralen Klangbildern, als gelte es wieder, einen Film zu vertonen. Beim Wartburg-Album ragt die Komposition „Tektonik“ heraus, bei der das Trio und Parisien sich über einem Dreier-Beat zu Hochenergie-Improvisationen antreiben. - Ralf Stiftel

Quelle: wa.de

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