Das Naturmuseum in Dortmund lockt mit einer frischen Dauerausstellung

Ein Riesenpuzzle aus Knochen aus der Nordsee: Das Skelett eines weiblichen Wollhaarmammuts ist ein spektakuläres Schauobjekt im neu eröffneten Naturmuseum in Dortmund. Fotos: Stiftel

Dortmund – Noch als Skelett wirkt die Mammutkuh imposant. Zwei Meter fünfundvierzig Schulterhöhe, ausladende Stoßzähne, so steht sie vor dem Besucher im neu eröffneten Naturmuseum in Dortmund. Die 30 000 Jahre alten Überreste haben Hochseefischer in der Nordsee in ihrem Schleppnetz gefunden.

In Wirklichkeit stammen die Knochen nicht von einem Tier, sondern von vielen. Zwar gibt es in der Nordsee vor Südholland eine Fahrrinne, in der zahlreiche gut erhaltene Fossilien zu finden sind. Aber im Laufe der Zeit blieben die Relikte nicht beieinander. Was in Dortmund so perfekt aussieht, ist in Wahrheit ein gigantisches Puzzle, für das die Fachleute der Firma Manimal Works aus Rotterdam mühsam aus den Fundbeständen Teile gesucht haben, die zusammenpassen. Man kann an manchen Stellen noch sehen, dass das Stück lange im Meer lag. Zum Beispiel haben sich am Schädel Seepocken angesiedelt. Man erfährt aber auch an diesem Schaustück ganz praktisch etwas über Umweltwandel: Was heute Nordsee ist, war einst in der Eiszeit trockene Steppe, besiedelt von Wollnashorn, Säbelzahntiger, Höhlenhyäne und eben Wollhaarmammut.

Das in Deutschland einzigartige Stück ist ein Geschenk der Sparkasse Dortmund zur Neueröffnung. Sechs Jahre klang war das ehemalige Museum für Naturkunde geschlossen. Bauliche Mängel hatten eine gründliche Sanierung nötig gemacht. Von der Energieeffizienz bis zur Barrierefreiheit reichten die Defizite des 1980 eröffneten Baus im Dortmunder Norden. 9,45 Millionen Euro kosteten die Arbeiten. Das Team um Museumsdirektorin Elke Möllmann nutzte die Gelegenheit, das Haus auch gründlich zu modernisieren. So entstand ein einladender Eingangsbereich. Es gibt jetzt ein Museumscafé, das „Ammonit“. Und es wurde erstmals ein eigener Raum für Wechselausstellungen bereitgestellt.

Eigentlich hatte das Haus viel schneller fertig werden sollen. Aber bei den Arbeiten gab es etliche Verzögerungen, so ging eine beteiligte Firma pleite, was ein Jahr Verzögerung zur Folge hatte. Die Pandemie sorgte für weiteren Verzug. Gestern aber war Eröffnung, im kleinen Kreis von 100 Gewinnern einer Verlosung. Oberbürgermeister Ulrich Sierau ließ sich die Freude nicht verderben. Er lobte schon einmal die neue Dauerausstellung und versprach, selbst mit seinen beiden Enkeln das Museum besuchen zu wollen.

Vieles ist neu an dem äußerlich gar nicht sehr veränderten Haus. Es beginnt mit dem verkürzten Namen „Naturmuseum“. Dahinter steht laut Möllmann das Konzept, niedrigschwellig zu arbeiten. Es soll keinen Museumstempel mehr geben, sondern einen Erlebnisort.

Entsprechend wurde auch die Präsentation geändert. Das Naturmuseum ist nicht mehr der Versuch, Schullehrbücher zur Archäologie, Geologie und Biologie in Vitrinen zu übersetzen. So werden zum Beispiel die Tierpräparate nicht nach dem biologischen Ordnungssystem vorgestellt, sondern im Zusammenhang von Lebensräumen. Da sieht man in dem Großfoto einer zugeparkten Wohnstraße in Nischen einen Hausrotschwanz, ein Stück Flechte, Löwenzahn. Aus einer Fotowand mit dem Blick auf die Autobahn scheint dem Betrachter ein reales Auto entgegenzukommen. Und auf der Trennwand hockt eine Krähe, die auf einen überfahrenen Igel blickt. Bei vielen Dioramen wurde die Glasscheibe entfernt, so dass man den Tierpräparaten und Modellen Auge in Auge gegenüber tritt. Vor allem aber konzentriert sich das Museum auf seinen Standort. So erzählt die Präsentation „Stadt – Land – Fuss“ anschaulich von dem, was die Menschen der Region umgibt.

Das große 100 000-Liter-Aquarium wurde ebenfalls umgestaltet. Hier begegnet man nicht mehr Tropenfischen wie vor der Umgestaltung, sondern den Wassertieren des Möhnesees: Aal, Döbel, Kaulbarsch, Silberkarausche und Seeforelle. In einem kleinen Becken daneben sieht man die vom Aussterben bedrohten Flusskrebse. Haustiere wie Kuh, Schwein, Huhn stehen zum Streicheln nah (obwohl man die Präparate nicht nur wegen Corona nicht berühren sollte). Hörstationen und Touchscreens vermitteln Hintergrundinformationen über ökologische Zusammenhänge.

Auch die obere Etage mit den Fossilien bezieht sich auf Dortmund und seine Umgebung. Sei es in der Darstellung des karbonzeitlichen Waldes mit tropischen Siegelbäumen und Riesenschachtelhalmen, aus denen in Jahrmillionen die Steinkohle entstand, die das Revier reich machte. Sei es in Funden wie den metergroßen Riesenammoniten, die bei Bauarbeiten unter anderem unter dem Friedensplatz gefunden wurden. Einst war da, wo heute Stadt ist, tropisches Meer, in dem solche Tiere schwammen. Ein lebensgroßes Modell vermittelt einen Eindruck davon.

Hochattraktiv sind auch die Schatzkammern mit glitzernden Kristallen wie der 400 kg schweren Quarz-Stufe geraten. Und ein weiterer Raum vermittelt die Entstehung unseres Planeten als Reise in die Tiefen des Weltalls.

Geöffnet di – so 10 – 17 Uhr. Wegen Corona müssen Tickets vorab online gebucht werden. Tel. 0231/ 502 48 56 www.naturmuseum. dortmund.de

Quelle: wa.de

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