Musik von Tavener und Pärt in Dortmund

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Das Chorwerk Ruhr sang in Dortmund John Taveners „Ikon of Light“ und das „Te Deum“ von Arvo Pärt.

Von Edda Breski DORTMUND - Die Komponisten Sir John Tavener und Arvo Pärt haben vor allem zwei Dinge gemeinsam: Beide haben hauptsächlich Werke mit sakralem Charakter geschaffen, beide schrieben in der Tradition der östlichen Kirche, besonders für Chöre. Beide sind beliebt, weil ihre Musik eine Raum-Klang-Zeit-Erfahrung ermöglicht, die eine spirituelle Dimension eröffnet.

Deshalb passen sie hervorragend in das Programm der Ruhrtriennale unter Heiner Goebbels, der Werke präsentieren will, denen man sich spontan, intuitiv nähern kann. Die zwei Konzerte am Wochenende in der Maschinenhalle auf Zeche Zollern in Dortmund waren ausverkauft, es gab lange Wartelisten. In diesen beiden Konzerten führten das Chorwerk Ruhr und das Streicher-Ensemble Resonanz exemplarisch vor, wie man Tavener und Pärt hören kann: als Komponisten und Schöpfer von in bestrickend schönem Klang formulierter Spiritualität – und von feinen Studien von Klangwirkung im Raum.

Das 40-minütige „Ikon of Light“ von Tavener ist für gemischten Chor und Streichtrio gesetzt. In Dortmund war das Trio hinter dem Chor in der Raumtiefe platziert. Chorstimmen und Streicher wechseln sich ab, später werden beide zusammengeführt, die Menschenstimmen überdecken die Instrumente und lassen sie nur für Momente hervortreten. Die Klangwirkung war überwältigend, der Dialog zwischen den Musikern, die Entwicklung des Materials gewannen an Klarheit.

„Ikon of Light“ beruht auf einem Gebet des byzantinischen Mystikers Simeon an den Heiligen Geist und beginnt mit einer Anrufung des Lichts. Das Chorwerk Ruhr unter Florian Helgarth behandelte die Lichtrufe als scharf im Raum abgegrenzte, subtil ineinander verschobene Klangeinheiten. Ein Ruf konnte sich harfenartig ablösen und in die Raumhöhe entschweben, ein anderer öffnete in der Verschiebung der Stimmen gegeneinander Klangdimensionen auf kleinstem Raum. Die Soprane produzierten Klang wie aus weiter Ferne, unstofflich über dem Ensemble schwebend. Die Basslinien mit ihrem archaisch-kirchlichen Gestus wurden in den Raum gemeißelt.

Arvo Pärts „Te Deum“ klang irdischer, prächtiger und dabei auch persönlicher. Es hat durchaus Anflüge von Theatralik – die Basslinie auf „Miserere nostri“, gefolgt von einem Klavierakkord, erinnert zum Beispiel an Musik aus Monumentalfilmen. Über elektronisch eingespielten Liegetönen entwickeln Streichensemble und Chor das Tonmaterial, das, prägend bei Pärt, auf einem Dreiklang beruht. Florian Helgarth dirigierte achtsam, Chorwerk Ruhr und Ensemble Resonanz gestalteten die Musik bis in ihre feinsten Verzweigungen sorgfältig aus.

Das Ensemble Resonanz führte außerdem das „Trisagion“ von Arvo Pärt auf. Die Bewegungsimpulse der Musik beruhen auf einer Umsetzung der Metrik des griechischen Ursprungstextes einer christlichen Hymne. In Dortmund hatte das eine nervöse Energie.

Eine Aufzeichnung des Konzerts ist am 18. November auf WDR 3 zu hören.

Quelle: wa.de

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