Konzert in Köln

Muff Potter nach mehr als neun Jahren wieder auf Tour

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Köln - Im Jahr 2009 war die Geschichte von Muff Potter auserzählt. Das Quartett stand in Münster für sein Abschiedskonzert auf der Bühne. Danach sollte Schluss sein mit der Bandgeschichte, die 1993 in Rheine begonnen hatte und in deren Verlauf sieben Alben erschienen waren. Eigentlich...

2018 tauchte die Indie-Rock-Band plötzlich wieder auf der Bildfläche auf, erst mit einem kryptischen Facebook-Post von Frontmann Thorsten Nagelschmidt, genannt Nagel, dann mit einem unangekündigten Auftritt beim Festival „Jamel rockt den Förster“ und schließlich mit der Info über eine Tour zu Beginn des Jahres. „Unser Schlagzeuger hat sein Schlagzeug wiedergefunden“, kommentierte die Band ihre Rückkehr mit einem Augenzwinkern.

Los geht es in Köln. Geplant war die Show ursprünglich im Gloria-Theater. Aufgrund der großen Nachfrage verlegte der Veranstalter den Auftritt in die Live Music Hall. Der Laden ist ausverkauft, genauso wie es die restlichen sechs Live-Termine sind, die Muff Potter durch Clubs in ganz Deutschland führt – auch der Gig in Münster am 3. Februar.

Muff Potter starten ihre Tour in Köln

„Hey, Köln, wir sind‘s!“ begrüßt Nagel, der sich zwischendurch als Buchautor einen Namen gemacht hat, die Fans so, wie sich Freunde nach einer kurzen Zeit der Funkstille Hallo sagen, so als ob sich die Band nur mal eben eine kleine Pause gegönnt hätte. Bei einem solchen Wiedersehen soll natürlich die Stimmung passen, also machen es sich Muff Potter auf der Bühne mit zwei antiquarisch anmutenden Tischlampen gemütlich. Das muss reichen. Dazu viel Nebel aus der Maschine, grelles Flackerlicht und harte Songs.

Muff Potter kommen vom Punk. Vor allem auf den Frühwerken spielt die Band mit einem kratzigen, polternden Sound. Und auch später sind die Ursprünge der Band allgegenwärtig, auch wenn die Songs poppiger und zugänglicher werden. „Sie tippen irre auf deinen Möbeln“ ist mit viel Groove ausgestattet, bei „Wenn dann das hier“ werden die Arme in die Höhe gereckt und zeigen sich die Fans äußerst textsicher und lautstark. Nagel hinterm Mikro ist kaum mehr zu hören.

„Elend #16“ ist eine Nummer mit melancholischer Grundstimmung. In „Von wegen (Aus Gründen)“ wird gesprochen, weniger gesungen. Erst eine Minute vor Schluss kommt Melodie ins Spiel, aber wie. „Auf der Bordsteinkante (Nachts um halb eins)“ ist ein Protestsong. „Auch wenn alles scheiße ist, können wir das Feld nicht denen überlassen, die es noch beschissener machen wollen“, erklärt Nagel. Der 42-Jährige hat die Ärmel seines Hemds hochgekrempelt. Er ist für klare Worte, überlässt Gitarrist Dennis Scheider bei einigen Songs aber den Gesang, so etwa bei „Wir sitzen so vorm Molotow“.

Ob und wie es nach den Live-Terminen für Muff Potter weitergeht, steht noch nicht fest. Beim Konzert in Köln präsentieren Muff Potter mit „23 Gleise später“ einen Song, den das Quartett 2009 als „Abschieds-7-Inch“ veröffentlicht hat. „Vielleicht machen wir dieses Jahr wieder eine“, meint Nagel vielsagend. In die Karten gucken lässt sich die Band nicht, vielleicht wissen die vier Musiker aber auch selbst noch nicht, wie es um die Zukunft bestellt ist. Zum Abschluss des rund 100 minütigen Auftritts spielt die Band einen Auszug aus „Kleine Welt“: „Ich weiß nicht wohin die Reise geht, ich weiß auch nicht, wie das weitergeht.“ Lassen wir uns überraschen.

Quelle: wa.de

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