Maria Hassabis Tanz-Installation „Staging“ in Düsseldorf

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Wie eingefroren: Die Tänzerin in Maria Hassabis choreografischer Installation „Stagung: Solo #2“ in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

DÜSSELDORF - Flauschig fühlt man sich in der Grabbe-Halle der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. 600 Quadratmeter Teppich in Pink bedecken den Boden. Und in der Weite des Raumes verliert sich gerade eine Tänzerin, die lange Minuten braucht, um sich aus der Hocke aufzurichten. Um in einem Bogen zu laufen. Um sich wieder auf dem Teppich niederzulassen, sich ganz zusammenzuziehen zu einem menschlichen Block und sich dann auszustrecken, mal ein Bein vor-, einen Arm zurückzustrecken, so dass da eine Art Kreuzfigur entsteht.

Zwei Stunden dauert die Aufführung von „Staging: Solo #2“ der zypriotischen Künstlerin Maria Hassabi. Dann übernimmt ein anderer Tänzer, eine andere Tänzerin. Einen Loop nennt Kuratorin Isabelle Malz das, nur dass hier kein Video in Endlosschleife läuft. Hier und jetzt geschieht alles real. Einige Zuschauer haben sich hingelegt, einige lehnen an der Wand. Nicht alle gucken konzentriert hin. Aber man fühlt sich hier schon ein wenig aus der Welt gefallen. Der Teppich definiert einen Sonderraum, hinzu kommen die Klänge des Sound Designers Stavros Gasparatos, mal einige dezente Klaviertöne, mal elektronisches Summen, Brummen und Pfeifen. Wer hereinkommt, senkt automatisch die Stimme, flüstert, fühlt sich als Eindringling in dieses seltsame Ritual, das die Tänzerin konzentriert ausführt.

Nichts ist hier improvisiert, sagt Malz. Zwei Stunden lang zählt die Performerin Sekunde für Sekunde und führt die jeweils vorgeschriebene, extrem langsame und extrem reduzierte Bewegung aus. Ein Kraftakt. Für die Kunstsammlung ist das eine Premiere: Erstmals wird hier kein Bild, keine Skulptur, kein Video gezeigt, sondern eine Aufführung. Eine choreografische Installation nennt Direktorin Susanne Gaensheimer die Arbeit von Maria Hassabi. Die Künstlerin hat das Werk schon in einer anderen Fassung bei der documenta gezeigt. Im Trubel der ehemaligen Hauptpost in Kassel, zwischen großformatigen anderen Kunstwerken war es schwer, dem einzelnen Tänzer in der Eingangshalle zuzusehen. In Düsseldorf hingegen lenkt nichts ab, und das hilft enorm. Da entfaltet die minimalistische, lebendige, sich bewegende Skulptur eine Anziehungskraft, einen meditativen Zauber. Hassabi hat sich von der Kunstgeschichte inspirieren lassen. Manche Posen der Tänzerin erinnern an Skulpturen der Antike, von Rodin. Selbst die Blicke auf manche Zuschauer sind vorgeplant. Das Publikum wird beim Betreten der Halle Teil der Installation, schon ihre bloße Gegenwart verändert die Wahrnehmung dessen, was gerade passiert.

Gaensheimer hofft, dass diese neue Kunstform Anklang findet und auch neues Publikum anlockt. Und weil das alles so ungewöhnlich ist und auch einiges an Zeit vom Besucher verlangt, ist der Eintritt für „Staging“ frei. Man kann kommen, gehen, wiederkommen, wann man will.

Bis 21.1.2018, di – fr 10 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0211 / 8381 204, www.kunstsammlung.de

Quelle: wa.de

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