Malerei des 19. Jahrhunderts aus der Berliner Nationalgalerie in Paderborn

+
Wildromantisch: Die „Heimkehr des Palikaren“ von Eduard Magnus ist in Paderborn zu sehen.

PADERBORN - Die Szene erinnert an die Abenteuerromane Karl Mays. Ein wilder Geselle mit Bart und Turban schaut liebevoll auf den nackten Säugling auf seinem Arm, während die größeren Kinder ihn stürmisch bedrängen. Die stolze Gattin trägt derweil die Flinte und die Schatulle mit der Kriegsbeute. Das alles spielt vor einer wildromantischen Fjordlandschaft.

So verklärte der Maler Eduard Magnus 1836 die „Heimkehr des Palikaren“. Die griechischen Freiheitskämpfer gegen die Türken waren für deutsche Maler und deren Kunden ein beliebtes Motiv. Auch andere Räuber, Rebellen und Krieger wurden gern dargestellt. In der Motivwahl äußerte sich ein gewisser Freiheitsdrang in einer Ära der Restauration, des konservativen Stillstands.

Das Bild aus der Nationalgalerie in Berlin ist in der Städtischen Galerie in der Reithalle Schloss Neuhaus in Paderborn zu sehen. Die Ausstellung „Die Poesie des Lebens“ dokumentiert dort prägnant die Geschichte eines folgenreichen Geschenks. Der Berliner Bankier Joachim Heinrich Wagener (1772–1861), einer der wichtigsten Sammler von Gegenwartskunst im 19. Jahrhundert, hatte dem preußischen König 262 Gemälde vermacht. Die einzige Bedingung: Die Kollektion sollte zusammenbleiben und öffentlich gezeigt werden. Das war die Initialzündung für die Gründung einer Nationalgalerie, die schon lange gewünscht, aber nicht realisiert worden war. Wageners Erbe setzte nun den preußischen Staat unter Zugzwang. Nun stellte auch der Finanzminister Geld bereit, 1874 betrug der Ankaufsetat 100 000 Taler, und mit dem alten Akademiegebäude Unter den Linden fand sich ein Ausstellungsort. Heute gehört das Haus zu den Prunkstücken der Berliner Museumslandschaft.

In Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie ist nun eine repräsentative Auswahl von rund 70 Werken in Paderborn zu sehen. Man begegnet hier vor allem einigen Höhepunkten der deutschen Malerei aus Romantik und Biedermeier. Caspar David Friedrich fehlt zwar, aber dafür ist eine famose italienischen Landschaft von Karl Friedrich Schinkel zu sehen. Und das ikonische Bildnis einer Italienerin des Düsseldorfer Akademie-Präsidenten Wilhelm Schadow von 1832 ist ebenfalls ausgestellt. Man sieht Beispiele der virtuosen Stillleben-Malerei von Johann Wilhelm Preyer: Im gläsernen Römer des runden Obststilllebens (1833) sieht man den Künstler als zarte Spiegelung. Preyer bezieht sich natürlich auf die großen Vorbilder der Barockmalerei, einschließlich der liebevoll porträtierten Fliegen, Falter und Käfer, die seine Blumensträuße bevölkern. Aber wie er zum Beispiel die Porzellanschale mit dem zierlichen Bauernpaar am Fuß ausführt, das übersetzt die strengen, oft moralisierenden Vorbilder des 17. Jahrhunderts in eine neue bürgerliche Lieblichkeit.

Wageners Sammlung ist aus heutiger Sicht bemerkenswert, weil sie geradezu bürgerlich emanzipatorische Akzente setzt. Gewiss finden sich auch sakrale Motive wie Heinrich Karl Anton Mückes Himmeltragung des Leichnams der Hl. Katharina von Alexandrien. Und auch nationale Mythen werden bedient wie in Peter Cornelius‘ Bild „Hagen versenkt den Nibelungenhort“ (1859).

Aber bemerkenswert breiten Raum nehmen in der Schau Darstellungen mit sozialen Themen ein. Wilhelm Joseph Heines Gemälde „Gottesdienst in der Zuchthauskirche“ (1838) bietet keine „Verbrechervisagen“, sondern stellt dem Betrachter durchaus empathisch Menschen vor Augen. Und bei der adretten Italienerin mit der niedlichen Tochter, die Theodor Leopold Weller ihren Mann durch die Gefängnisgitter anschmachten lässt (1835), mag man sich fragen, ob da ein Räuber seine gerechte Strafe abbüßt oder nicht doch ein Unschuldiger willkürlich eingekerkert wurde. Offene Kritik war auch für Maler riskant. Also verschlüsselte man seine Botschaften, indem man Zustände in fernen Ländern zeigte. Heines Bild war schon ungewöhnlich direkt.

Nicht immer treffen die Künstler den Ton. Rudolf Jordan malt 1843 die „Schiffswinde in der Normandie“, an der sich eine ganze Familie abschuftet, der Seemann in seiner Schifferskluft, aber eben auch vier Frauen und vorneweg der kleine Sohn, bei dem allerdings das Tau durchhängt. Er spielt nur mit. Da wird die Realität allzu behaglich verklärt. Geradezu Komödienstadl bietet Carl Hendrik d‘Unker mit seiner „Arrestmeldung“ (1857): Ein Gendarm führt da einen alten Herrn und eine ärmliche junge Frau in die Amtsstube zu einem phlegmatisch am Schreibtisch sitzenden Beamten. Die beiden haben wohl unerlaubt auf der Straße musiziert, gebettelt, wie die Fiedel unter dem Arm des Alten vermuten lässt. Und die Altherrenrunde, die Johann Peter Hasenclever im selben Jahr zur „Weinprobe“ versammelt, die ist mit roten Nasen und dicken Bäuchen, mit all den Besserwisserposen wie Nase ins Glas und erhobener Zeigefinger hinreißende Kritik am Spießbürgertum.

Bis 28.1.2018, di – so 10 – 18 Uhr, 24., 25., 31.12. geschlossen, 26.12. und 1.1. geöffnet,

Tel. 05251/ 88 10 76, www. paderborn.de/galeriereithalle

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.