Der Maler Bernd Koberling im Museum Küppersmühle Duisburg

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Abstrahierte Natur: Bernd Koberlings Gemälde „Eyrarrós-Klang 10“ (2016), zu sehen in Duisburg.

DUISBURG - Zart und transparent erscheinen die Farben in den Eyrarrós-Klang-Bildern von Bernd Koberling. Abgebildet scheint hier nichts zu sein. Scheinbar hat sich da ein Künstler frei ausgedrückt, in großen Malgesten eigenwillige Kombinationen geschaffen. Das zwei Meter hohe Gemälde „Eyrarrós-Klang 10“ (2016) hat diesen Zweiklang aus Rosa und sattem Grün, in das Linien gezogen sind.

Und doch hat man es hier mit Naturbeobachtungen zu tun. Eyrarrós ist das isländische Wort für Weidenröschen. Wenn man das weiß, findet man den floralen Ursprung dieser Bilder offensichtlich. Aber der Künstler (Foto) ist so ins Detail eingetaucht, dass aus den Blüten abstrakte Formationen wurden.

Zu sehen sind die Bilder in der größten Werkschau, die dem Künstler bislang gewidmet wurde. Das Museum Küppersmühle in Duisburg zeigt rund 80 Gemälde aus sechs Jahrzehnten. Koberling, 1938 in Berlin geboren, gehört in die zweite Generation der deutschen Nachkriegsmalerei, hatte mit Markus Lüpertz und anderen die Gruppe Großgörschen 35 in Berlin gegründet, war mit Georg Baselitz und Jörg Immendorff befreundet. Aber in seiner Malerei ging er andere Wege. Ihm wurden zwar bedeutende Preise zugesprochen wie 2006 der Fred-Thieler-Preis für Malerei, Werke von ihm waren in großen Museeen wie dem MoMA in New York zu sehen und bei der Biennale von Venedig. Aber die Prominenz eines Malerfürsten wie Lüpertz erreichte er nicht. Was vielleicht daran liegt, dass Koberlings Werk eher zeitabgewandt und hermetisch daherkommt. Was freilich nicht gegen die Qualität der Bilder spricht.

Nach einer Ausbildung zum Koch studierte Koberling Kunst in Berlin. Seine Malerei ist durchgängig bestimmt von der Landschaft als Motiv. Die frühesten Bilder in der Schau entstanden bei Reisen nach Norwegen und Schwedisch-Lappland, es sind expressive, abstrahierte Ansichten von Fjorden und Bergen (1963). Hinzu kommt eine Serie von „Hüttenbildern“ (1964), unspektakulären Innenräumen von Hütten, die der Wanderer in Skandinavien nutzen darf.

Koberlings künstlerische Wurzeln liegen in expressiven Tendenzen, er bezieht sich auf Edvard Munch, Ernst-Wilhelm Nay, Willem de Kooning. Für einen Maler der 1960er Jahre war es schwer, da noch eigene Wege zu finden. Immer wieder gibt es Zeichen von Malkrisen. Das gilt selbst für die so geschmackvollen „Überspannungen“ (1965–1969), für die Koberling zwei Leinwände bemalte und übereinander legte, so dass das untere Bild durchscheint, und über beide noch einmal Plastikfolie spannte, so dass die Farben licht und verblasst wirken, abstrahiert wie Scherenschnitte, freilich ohne deren starke Kontraste. Man vernimmt darin das Echo der Post-Impressionisten wie Maurice Denis und Pierre Bonnard. Aber es waren Versuche, neue Wege zu finden. In Rom war Koberling frustriert und schuf Anti-Bilder, zuweilen mit Text wie „Versuch, einen Punkt zu treffen“ (1969), wobei die Linie natürlich den Punkt knapp verfehlt.

Aber Koberling malte immer weiter, in den 1970er Jahren auf grober Jute, nun wieder Landschaftsabstraktionen, die auf den Expressionismus verweisen. Später bevölkert er sogar die Szenerien mit Lebewesen. „Im Zeichen des Kormoran II (Schwarzer Vogel)“ (1982) zeigt monumental, fast zweieinhalb Meter breit, das Tier mit ausgebreiteten Schwingen. Und in der Serie „Spannweiten“ misst sich der Mensch mit den Vögeln, spreizt die Arme wie sie die Flügel. Der Farbauftrag ist hier wuchtig, es gibt keine klaren Konturen, keine reinen Blaus und Gelbs, sondern Mischungen, Flecken, stehen gebliebene Linien, immer wieder auch Fließspuren.

Es folgt eine Serie dunkler Bilder, in denen sich Koberling der Natur im Kleinen widmet, Gemälde von Erdstrukturen wie „Landlinien 1“ (1989), „Untergrund“ (1988-90) und „Schwarze Pilze“ (1990), die in ihrer dichten Textur an Monets Seerosenbilder erinnern. Erstaunlich dann der Umschwung im Spätwerk, zum Beispiel bei „Schneewärme“ (1997), bei dem man an manche Blüten von Christian Rohlfs denkt. Freilich trügen solche Assoziationen auch, schon weil Koberling überwiegend in wandfüllenden, monumentalen Formaten arbeitet.

Wunderbar sind die riesigen Acrylbilder der frühen 2000er Jahre, in denen Koberling die Farbe so dünnflüssig einsetzt, dass die Wirkung von Aquarellen entsteht, transparente Farbfelder, die gleichwohl intensiv leuchten. Und bei der Serie „Inverted Darkness“ beschreibt er die Fläche mit einzelnen, floral wirkenden Linien, dass man an japanische Grafiken von Blumen und Schilf denkt.

Bis 28.1., mi 14 – 18, do – so 11 – 18 Uhr,

Tel. 0203/301 948 10, www.

museum-kueppersmuehle.de, Katalog, Wienand Verlag, Köln, 35 Euro

Quelle: wa.de

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