Liederabend im Konzerthaus Dortmund mit Diana Damrau und Xavier de Maistre

Diana Damrau und Xavier de Maistre im Konzerthaus Dortmund. Foto: Woll

Dortmund – Diana Damrau hatte sichtlich Spaß in Dortmund. Sie hatte zwar bereits einen langen Abend plus zwei Zugaben hinter sich, und musste zwischendurch ein bisschen husten. Dennoch ließ sie die „Villanelle“ der belgischen Komponistin Eva dell’Aqua (1893) mit Lust fliegen, malte mit Vokalisen den Flug der Schwalbe nach und schickte Töne in die vier Ecken des Konzerthauses Dortmund, während Xavier de Maistre die Harfe flattern und gurren ließ.

Damrau und de Maistre gaben einen hochkarätigen und mitreißenden Liederabend, der leider vergleichsweise gering besucht war. Schade. Das Programm bot die Gelegenheit, französische Raritäten zu hören mit Liedern von Reynaldo Hahn und Francis Poulenc.

Allerdings klang Damraus Start mit Liedern von Felix Mendelssohn Bartholdy fast brav. „Auf den Flügeln des Gesanges“ schien fast zu artig. Wohler schien sie sich mit Rachmaninow-Liedern zu fühlen, die ihr weite Melodiebögen, weit ausströmende Melancholie und Gespür für die dramatische Miniatur abforderten. Den „Flieder“ sang sie zwar ebenfalls in sich gekehrt, aber fokussierter als den Mendelssohn. „Dämmerung“ aus den „Zwölf Liedern“ ist eine verhaltene Gefühlsstudie voll Sehnsucht, in der die Harfe die Höhen füllt, die die Stimme eben verlassen hat. Als spräche sie aus, was die Stimme nicht sagen kann. Damrau hatte in de Maistre einen selbstbewussten Partner, der seine Arrangements als gleichwertig neben dem Gesang versteht. Beide ergänzten sich wunderbar, vor allem in den skurrileren Poulenc-Liedern, in denen man nie weiß, ob es um Nonsense geht oder ob da doch etwas unheimlich Ungreifbares in der Musik liegt.

Liszts „Le rossignol“ spielte de Maistre in einer Bearbeitung für Harfe solo. Raffiniert wechselten die Klangfarben von fahl bis üppig. De Maistre wird für Harfenvariationen von Orchesterstücken wie der „Moldau“ gefeiert und zeigte hier seine Virtuosität, noch mehr aber seinen Einfallsreichtum.

Die Lieder von Reynaldo Hahn entstanden um die vorletzte Jahrhundertwende. Es sind Gesellschaftsstudien, die sich galanter und sentimentaler Bilder (der Text zu „Fetes galantes“ etwa stammt von Paul Verlaine) bedienen, aber hellen Spott durchscheinen lassen. Damrau sang „Fetes galantes“ aus den „Vingt melodies“ mit leichtem Plauderton, aus dem sich der Spott herausschälte. In „Mai“ trauert ein Geliebter seiner Geliebten nach. Ganz köstlich, wie Damrau in das „mon coeur“, mein Herz, hineinhauchte – ein seltener Fall von nichtmusikalischen Mitteln in ihrem Gesang, der für Ausdruck und Gefühl darauf nicht angewiesen ist. Auch „L‘enamourée“ ist eine Erinnerung, an eine Tote. Die Harfe wiederholt den Hauptmelodiebogen wie eine fixe Idee, während Damraus Gesang sich in sich zurückzuziehen schien.

Solo spielte de Maistre „Légende“ von Henriette Renié (1901). Das Werk ist eine Variation der unzähligen Märchengeschichten, in denen ein Mann tanzenden Feen begegnet und das nicht überlebt. Die Triller und ausbrechenden Melodien erzählen, wie er verwirrt und zu Tode getanzt wird. Unter de Maistres Händen klang das zwitterhaft und toll, die virtuosen Anforderungen brachen aus, stockten, änderten die Färbung, schienen außer Rand und Band.

Blitzschnelles, sauberes Parlando bot Damrau in Poulenc-Liedern wie „Le sommeil“ über ein schlafloses Kind und „Ba, be, bi, bo, bu“, in dem sich der gestiefelte Kater selbstständig macht. In „Le carafon“ bekommt eine Wasserkaraffe auf wundersame Art eine Babykaraffe. Damrau spottete und girrte mädchenhaft, und brauchte nur gelegentlich eine Eintrübung des Tons, um ein wenig ins Skurrile zu gleiten.

Quelle: wa.de

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