Das Lichtkunstzentrum in Unna zeigt die Ausstellung „¡Bright!“

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Erhellend ist die Ausstellung „¡Bright“ im Lichtkunstzentrum Unna: Hier Björn Dahlems Installation „Milky Way“.

UNNA - Geschichten von Licht und Dunkel stellen regelmäßig die ganz tiefen, mythischen Stoffe, und daher ist es kein Wunder, dass hinter den Lichtkunstobjekten in der neuen Wechselausstellung im Unnaer Zentrum für Lichtkunst, „¡Bright!“, auch große Konzepte stecken: Astrologische Beobachtungen und kosmische Philosophie inspirierten den Künstler Björn Dahlem nach seinen Angaben zu „Milky Way“.

Die Installation schwebt an Drahtseilen, eine zweiteilige geometrische Struktur auf Holzlatten, die einen zerbrechlichen Bogen in den Raum zeichnet. Als witziger Eckpunkt dieser mathematischen Konstruktion steht da, so, dass man sie zunächst kaum sieht, eine Milchflasche – na klar, es geht um die Milchstraße.

Diese hübsche Installation setzt den Raum als zerbrechliches, zugleich weites Konstrukt in Szene. Neben der Rauminszenierung gab es eine zweite Vorgabe an die Künstler: Es sollte hell werden. Denn „¡Bright!“ Ist eine Nachfolgeausstellung zu „Dark!“, eine Schau, die 2015 mit Lichtobjekten das umgebende Dunkel in Szene setzte.

Leuchtstoffröhren hat Volkhard Kempter gebündelt und bringt sie im Dauereinschaltmodus zum Flackern. Besucher sollen eines der Objekte, „True Lite Standard II“, mit einem Pedal einschalten, weil der Künstler selbst meint, dass das Dauerflackern für Betrachter eine Herausforderung ist. Da steht eine halbmannshohe weiße, steril wirkende Röhre, in der es flackert wie ein Lagerfeuer, um das man sich nicht versammeln will, so kalt und unstet ist es. Für „Stalagmite“ hat er Leuchtstoffröhren übereinander gepackt. Die obersten brennen noch. Wenn sie ausgehen, baut er neue darüber. So thematisiert er das Vergehen von Licht.

Oben in der Schwankhalle des Museums hängt Kempters „Blister“. Sie hat, wie einige der Ausstellungsobjekte, etwas Kunstdesignhaftes. In verkleinerter Form könnte man sie sich ins Wohnzimmerhängen. Es ist ein Ball, innen aus Alumniumstreifen, außen mit chaotisch angeordneten Leuchtstoffröhren besetzt.

Auch Björn Dahlems „Mond“ erinnert an ein Designerobjekt: eine Kugel aus Leichtholz, Kabelbindern und Glühbirnen. Die bewusst veraltete Leuchtquelle – Museumsleiter John Jaspers erklärt, es sei durch das EU-Glühbirnen-Verbot gar nicht so leicht gewesen, welche aufzutreiben – wird von Spiegeln verstärkt. Klar, der Mond hat ja auch kein eigenes Licht, sondern nur geborgtes. Auch das ist ein Leitthema der Schau: Leuchtmittel, die aussterben. Wie die Glühbirne.

Etwas sperriger kommt „Extension – model 1:1“ des Künstlerduos Ursula Molitor/Vladimir Kuzmin daher. Wie eine Raketenabschussrampe im Bau lotet sie das Gewölbe des Ausstellungsraums aus. Das Baustellenhafte wird verstärkt durch Kabel und Computerreste am Boden. Licht und Toneffekte wechseln sich ab, die Installation strahlt in Schattierungen von Weiß von Leuchtröhren und modernen LEDs, und wenn das Licht sich dimmt, hört man Sprachfetzen. Ein Künstler sinniert über Kunst: Dieses Objekt hat retrofuturistischen Charme.

Die Arbeit „Standing and Laying“ des renommierten portugiesischen Künstlers Pedro Cabrita Reis scheint zunächst einfach den sonst dunklen Raum zu inszenieren. Ein vertikaler Lichtstrich genau in der Raummitte, auf dem Boden ein horizontaler Lichtstrich. Doch je länger der Betrachter in dem Raum verweilt, desto gewichtiger wird das Licht, desto bezwingender die einfache Komposition.

Zwischentöne gibt es hier, zumindest was das Licht betrifft, nicht. Aber Museumschef John Jaspers will „Dark“ und „Bright“ eine dritte verwandte Schau folgen lassen. Vielleicht dann mit Farbe.

25.11. - 8.4.,

Besuch nur im Rahmen von Führungen, di–fr 13, 15 und 17, sa, so stündlich von 12 – 17 Uhr,

Tel. 02303/ 103 751

www.lichtkunst-unna.de

Quelle: wa.de

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