Liam Gallagher spielt eigene Songs und alte Oasis-Hits beim Konzert in Köln

Köln - Puh, Glück gehabt, mag manch einer denken, als nach rund eineinhalb Stunden im Kölner Palladium wieder die Lichter angehen: Liam Gallagher hat sein Konzert durchgezogen. Keine Selbstverständlichkeit, wie Tage zuvor die Fans in Hamburg beim ersten Tourstopp in Deutschland erleben mussten.

Da brach der Sänger, einst mit seinem älteren Bruder Noel Kopf der Britpop-Band Oasis, das Konzert während des fünften Songs ab. Über Twitter entschuldigte er sich später. Eine Stimmbandentzündung habe ihm zu schaffen gemacht. Schon zwei Tage später trat der 47-Jährige in Amsterdam wieder auf - der Kortisonspritze eines Arztes sei Dank.

Von den Niederlanden ging's nach Belgien und von Brüssel nach Köln. Stimmlich scheint Gallagher weitgehend wiederhergestellt, wenn auch noch nicht vollständig. Der Laune im Palladium tut das keinen Abbruch. Neben zahlreichen eigenen Songs aus zwei Soloalben gibt es viel von Oasis zu hören. Die Halle steht Kopf, und Liam Gallagher, ausgerüstet mit Schellenring und Rasseln, ist es völlig egal, dass Noel, Hauptsongschreiber der Ex-Band, bei jedem Auftritt mitverdient.

Bruderzwist: Liam und Noel haben sich nicht mehr viel zu sagen

Ja, der Bruderzwist. Spätestens seit der Trennung von Oasis haben sich die beiden Streithähne nicht mehr viel zu sagen, zumindest nichts Freundliches. Wie viel echte Abneigung und wie viel eingeplante Werbewirksamkeit dahinter stecken, sei dahingestellt. Eines steht auf jeden Fall fest: Liam Gallagher liebt sein Rüpel-Image, und er spielt damit - bisweilen auch beim Auftritt in der Domstadt.

Liam Gallagher gibt Konzert im Kölner Palladium

“Schaltet den verdammten Scheinwerfer aus”, schimpft er ins Mikro. Seine Silhouette am Mikro muss den Fans reichen. Die Zuhörer quittieren Gallaghers Sprüche mit Jubel. “Liam, Liam”-Chöre hallen durchs Palladium wie von der Tribüne eines Fußballstadions. Später kommen typische Schlachtgesänge hinzu. Gallagher zeigt sich beeindruckt. “Nett”, nickt er anerkennend. Er muss sich wie im Fußballstadion fühlen. Und das gefällt dem eingefleischten Manchester-City-Anhänger, der zu Beginn seines Konzerts Fangesänge einspielen lässt.

Wilde Songs wie "Halo" und "Shockwave" 

In der ersten Hälfte dominieren die Solonummern, wilde Songs wie “Hal o” oder “Shockwave”. Sturm Sabine zieht noch übers Land, die Ausläufer reichen bis in die Konzerthalle. Turbulent geht’s zu, das halbe Dutzend Musiker und die drei Backgroundsängerinnen tragen ihren Teil dazu bei. Die Menge tobt. Gallagher, neuerdings mit Vollbart, trägt sicherheitshalber einen dicken Regenmantel.

Zeit zum Durchatmen im Rock-’n’-Roll-Tornado gibt es aber auch. Bei “For What It’s Worth” schrauben Sänger und Band das Tempo runter. “Wenn Ihr schicke Sänger seid, dann steigt doch beim Refrain mit ein”, fordert Gallagher seine Fans auf, mitzumachen. Und die lassen sich nicht lange bitten. Ein Moment, um Feuerzeuge zu schwenken. Den gibt es später bei “Once” noch einmal und bei “Stand by Me” und “Champagne Supernova”, beide von Oasis, sowieso.

Gerade bei letzterem könnte Liam Gallagher seine Stimme für die noch anstehenden Konzerte schonen und den Gesang dem Publikum überlassen. Einträchtig, Arm in Arm, singen die Fans jede Zeile mit. Gegen eine Oasis-Reunion hätten sie alle nichts einzuwenden. Vielleicht wird es damit ja doch noch mal was. Bis dahin ist eine Show wie in Köln ein mehr als guter Ersatz.

Quelle: wa.de

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