Das Kunstmuseum Ahlen zeigt Günter Fruhtrunk und Andreas Horlitz

Die Handschrift von Günter Fruhtrunk wird im Bild „Expressives Grundmotiv“ (1982) sichtbar. Fotos KunstMuseum

Ahlen – Das Bild „Expressives Grundmotiv“ hat ein Maler geschaffen, das ist unverkennbar. Man sieht in der linken unteren Ecke die weiß-roten Schlieren, den Zug des Pinsels. Man sieht in den gelben Diagonallinien die Unschärfen am Rand, das Verlaufen der Farbe. Und oben rechts mischte der Künstler sogar Grau und Rot, so dass eine Art Schraffur entstand, beinahe eine Mischung.

Günter Fruhtrunk (1923-1982) hat sein 1981 entstandenes Bild „Expressives Grundmotiv“ genannt. Kurz vor seinem Tod hatte er eine stilistische Wende vollzogen, von den klar konstruierten Kompositionen, in denen die Handschrift des Malers in einer geschlossenen Fläche nicht zu finden war, zu einer Abwandlung der gestischen Malerei, des Informel. Zu sehen ist die mehr als zwei Meter hohe Tafel im Kunstmuseum Ahlen. Das Haus zeigt eine Werkübersicht über das Schaffen des bedeutenden Malers mit Leihgaben der Sammlung Maximilian und Agathe Weishaupt. Rund 20 Gemälde und ein Konvolut von Grafikblättern reichen von den späten 1950er Jahren bis 1981.

Praktisch jeder kennt wenigstens ein Werk des Künstlers, das ihm später durchaus peinlich war. Die markanten blauen Streifen auf der Plastiktüte von Aldi hat er 1970 entworfen. In dem Jahr hatte er auch eine Professur an der Münchner Akademie übernommen. Er entschuldigte sich bei seinen Studenten für die Verirrung ins Design.

Fruhtrunk gehört zur Kriegsgeneration. Er erlitt bei seinem Fronteinsatz schwere Kopfverletzungen, an deren Folgen er zeitlebens litt. Dazu gehört wahrscheinlich auch sein Selbstmord im Atelier 1982. Er musste Medikamente mit schweren Nebenwirkungen nehmen, war eigentlich schon 1979 laut ärztlichem Attest arbeitsunfähig.

Direkt nach dem Krieg hatte er beschlossen, Künstler zu werden. Er studierte bei William Straube, kam über ihn mit Künstlern wie Willi Baumeister, Julius Bissier und Jean Arp in Kontakt. Ab 1951 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt immer mehr nach Paris, war Assistent bei Fernand Léger. Er gewann Preise, nahm an der documenta IV und der Biennale in Venedig teil.

Die frühen Werke weisen Fruhtrunk als Nachfahren der russischen Konstruktivisten aus. Aus geometrischen Grundformen wie Quadrat und Kreis baut er Flächen auf. Schon in den frühen Arbeiten wie „Schwarzes Thema und Rot“ (1958) fällt eine musikalische Qualität der Malerei auf. Die geometrischen Formen in diesem Bild scheinen zu tanzen, sich zu bewegen. In den 1960er Jahren wechselt Fruhtrunk zu einem All-Over, formt die Fläche mit einer Art Schraffur, in der er immer noch einen Rhythmus anlegt und in die er Kreisformen und andere Brechungen einlagert. Hier findet man Anklänge an die Optical Art eines Vasarely, das Bild wird immer mehr zur Herausforderung des Auges, das er vor allem mit Farbkontrasten herausfordert. Die Farbe Grün, die er in vielen Schattierungen einsetzte, wird zu einer Art Markenzeichen Fruhtrunks. In „Offenes Grün“ (1969) bringt er die Bildfläche zum Vibrieren durch die Folge von grünen und schwarzen Diagonalstreifen in unterschiedlicher Stärke, wobei die meisten grünen Balken durch einen schmalen blauen Seitenstreifen flirren.

Neben diesem modernen Klassiker stellt das Kunstmuseum noch Arbeiten aus der eigenen Sammlung vor. Das Haus verwahrt den künstlerischen Nachlass des Fotografen Andreas Horlitz (1955-2016). Aus dem umfangreichen Bestand hat Stephan Trescher, der stellvertretende Leiter des Museums, rund 30 Arbeiten ausgewählt. „Reflection“ zeigt Arbeiten, die auf Fotografie basieren, aber eher Bildobjekte oder Montagen sind. So reproduzierte Horlitz, der unter anderem an der Folkwanghochschue Essen bei Otto Steinert studiert hatte, Motive aus Kunst und Wissenschaft. Da seht dann ein Tierhorn oder eine Muschel frei auf einer Farbfläche in einem Leuchtkasten. „Reconnaissance“ heißt die Serie, die an Wunderkammern von Renaissancefürsten erinnert.

In einer Serie mit Portraits steht zum Beipiel das Gesicht des Schauspielers Ulrich Tukur oder das von Horlitz selbst auf einem Spiegel. Betrachter und Bildnis überlagern sich. So spielt Horlitz immer wieder mit der Wahrnehmung. Seine Lichtkästen, seine Fotografien auf Spiegeln, seine Montagen fordern den Betrachter heraus.

Eröffnung Samstag, 16 Uhr, bis 19.5., mi - fr 14 - 18, sa, so 11 - 18 Uhr,

Tel. 02382 / 91 830, www. kunstmuseum-ahlen.de,

Katalog Fruhtrunk 10 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren