Kunsthalle Düsseldorf zeigt Carroll Dunham und Albert Oehlens „Bäume“

Das Gemälde „Green Flowers“ (2009-2010) von Carroll Dunham, zu sehen in der Kunsthalle Düsseldorf. Foto: lettmann

Düsseldorf – Über dem starken Stamm wirkt die Baumkrone wie ein grünes Powerpack, so schwungvoll keilen die Farbschlaufen aus, so vital kringeln sich die Schneckenformen in Carroll Dunhams Gemälde „Green Flowers“ (2009-2010). Der Künstler, 1949 in New Haven (US-Bundesstaat Connecticut) geboren, beeindruckt mit einer Energie, die sich nicht am Abbildhaften aufhält. Ein Baum, ja, aber der Pinsel geht in alle Richtungen: schnell, schräg, breit und strichelig. Die paar Blätter dazu sind einfache Lösungen, die mit der Popart kokettieren. Aber stilistisch lässt sich Dunhams Werk nicht festlegen. Derzeit stellt er mit Albert Oehlen in der Kunsthalle Düsseldorf aus. „Carroll Dunham. Albert Oehlen. Bäume/Trees“ heißt die Ausstellung, die zwei erfolgreiche Künstler erstmals gemeinsam präsentiert – zu einem Thema, das sie immer wieder beschäftigt. Kuratoren sind Kunsthallendirektor Gregor Jansen und Journalist Cornelius Tittel. Die Schau ist eine Zusammenarbeit mit dem Sprengelmuseum Hannover.

Albert Oehlen, 1954 in Krefeld geboren, ist Kunstprofessor an der Akademie in Düsseldorf und als „neuer Wilder“ und Neoexpressionist international bekannt. Ausgehend von seinen Radierungen („The Green Door (2)“, 1989) und Zeichnungen, die noch klar am Gegenstand orientiert sind, nimmt Oehlen den Baum samt Wurzel mehr und mehr als strukturell-abstraktes Gebilde, das im Bildraum schwebt und mit Farbe nur flächig in Kontakt tritt. Der wellige „Paravent 3“ (2015) in Düsseldorf ist ein Beispiel dafür, dass Oehlen immer wieder das Malerische erprobt und zu sehr reduzierten Bildern findet. Auch der kühl-weiße Bildträger aus Dibond-Aluminium sorgt dafür. Ein Material, das vor allem für den Druck von Fotos verwand wird. Oehlen schafft hier autonome Malbehauptungen, die er selbst „post-ungegenständliche“ Malerei nennt.

Mit Dunham verbindet Oehlen das Experimentelle im eigenen Kunstkosmos. Beide schätzen sich gegenseitig und haben jeder für sich sehr facettenreiche Werke geschaffen. Carroll Dunham ist von den unorthodoxen Erzählsystemen eines Fred Tomaselli und der zeichenhaften Kosmologie Matthew Ritchies beeinflusst worden. In den 90er Jahren hatte Dunham seine Figuren grotesk überzeichnet und ihre Körperformen abstoßend ins Bild gerückt. Immer wieder tauchen Bildelemente auf, die aus Cartoons kommen können. Auch die Ironie dieser Bildsprache ist selbst in den Baum-Bildern zu erkenne. In „Distant Hills (Broken Tree)“ (2007-2008) hat Dunham das Blätterwerk zu einem Viereck versimpelt, das an einer Seite rundliche Auswüchse bietet. Auch seine Schneckenform ist als Selbstzitat verarbeitet. Dieses Bilderrätsel lässt sich schnell lösen. Das Sujet Baum ist in der Malerei einfach unverwüstlich. Ob als biblisches Motiv der Erkenntnis und erstem Sündenfall, als Lieblingsmotiv der Romantiker und als Bausatz der Moderne, wenn Piet Mondrian den Baum fragmentiert und Joseph Beuys „7000 Eichen“ auf der documenta 1982 pflanzen lässt.

Albert Oehlen hat geheimnisvoll die „Frau im Baum“ (2004) entdeckt und dabei eine Fotografie übermalt. Im gleichen Saal sind kleinformatige Zeichnungen von Dunhall mit Ornamenten (in Vitrinen) zu sehen wie groß- und kleinformatige Drucke und Zeichnungen Oehlens. Auch die Installation in der Kunsthalle ist von ihm: „Baum 1“ (2015, Soundanlage, Sound, Bäumchen). Ein Licht wird rhythmisch auf ein aus Ästen und Holzlatten verschraubtes Baumgestell geworfen. Aber erst auf der Rückseite des zweiteiligen, vom Objekt abgerückten Bildträgers ist die Momentaufnahme eines „Baums“ als Schattenbild zu sehen – in Intervallen. Töne vom Schlagzeug, E-Piano und Geige geben der Installation das Situative einer Performance.

Bis 1. 3. 2020; di-so 11 – 18 Uhr; Katalog 35 Euro; Tel. 0211/8996243; www.

kunsthalle-duesseldorf.de

Zweite Station: Sprengel Museum Hannover von Juni bis Oktober 2020.

Quelle: wa.de

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