15.000 Fans feiern Punkrock-Party

Die Toten Hosen aus Düsseldorf erobern Kölner Herzen mit Leichtigkeit

+

Köln - „You‘ll Never Walk Alone“, intoniert der Chor der Fans in der Kölner Lanxess-Arena, da hat das Konzert der Toten Hosen noch gar nicht begonnen. Hier und da liegen sie sich schon freudetrunken in den Armen. Die Erwartungen sind riesig – und sie werden erfüllt. Es wird ein denkwürdiger Abend in der Domstadt.

15.000 Fans sind nach Köln gekommen, um den Toten Hosen, Düsseldorfs Punkrock-Export, beim Musizieren in der Nachbarstadt zuzuschauen. Wobei, echte Musiker seien sie ja gar nicht, erklärt Sänger Campino augenzwinkernd. Dafür habe die Band ein Streicher-Quartett aus Russland und die Pianistin Esther aus Schweden aufs Konzert eingeladen, die zwischendurch immer mal wieder groß aufspielen und den Hosen-Songs eine neue Note verleihen. 

Zu hören bekommen die Fans beim ersten von zwei Auftritten in Köln viel Material vom aktuellen Album „Laune der Natur“, das bei den eingefleischten Fans, aber auch bei den Gelegenheitsrockern im Publikum selbstverständlich bekannt ist und – mehr noch – textsicher mitgesungen werden kann. „Wie viele Jahre (Hasta la Muerte)“ etwa ist schon wenige Monate nach Erscheinen dank seiner schon fast unverschämten Eingängigkeit auf dem Weg, ein Hosen-Dauerbrenner zu werden.

Rappelvolle Hütte beim Konzert der Toten Hosen in Köln

„Wannsee“ kommt mit seinem Reggae-Beat ungemein poppig daher. Balladesk und reduziert dagegen ist „Alles passiert“. „Endlich mal eine Stelle, wo Ihr Eure scheiß I-Phones vernünftig benutzen könnt. Nicht immer nur draufdrücken und klick-klick machen, sondern Lämpchen an, und dann kommt bei mir auch schon weihnachtliche Atmosphäre auf“, kommentiert Campino verschmitzt. Die Arena verwandelt sich in ein Meer voll gleißender Lichter.

Dazu kredenzt das Quintett Klassiker wie „Eisgekühlter Bommerlunder“, „Opel-Gang“ und „Hier kommt Alex“. Aber auch Stück vergangener Tage, die es sonst nur selten auf die Setlist schaffen, werden in Köln präsentiert, zum Beispiel „Disco“, immerhin schon rund neun Jahre alt, oder aber „Mehr davon“ von 1988 – mit beinahe schon geschrienen Zeilen und Disharmonien eigentlich ein ungewöhnlicher Hosen-Song, der immer wieder von den alten Fans gefordert werde, wie Campino erklärt.

Und weil die Adventszeit bereits begonnen hat, wird‘s auch ein wenig heimelig im großen Rund auf Kölns „Schäl Sick“, etwa mit der „Kleinen Nachtmusik“ von Mozart, bei dem der russische Cellist trotz Kurzhaarschnitt eifrig headbangt und Campino die Triangel spielt. Acht Stunden am Tag habe er dafür geprobt, gibt der 55-jährige Hosen-Frontmann vollmundig an.

Dazu gibt es in Köln auch das schottische Traditional „Auld Lang Syne“ zu hören, für das sich drei Dudelsackbläser in voller Montur zur Band gesellen. Ach ja, karnevalistisch ist es dann irgendwie auch noch, als Campino und Co. als kleinen, nett gemeinten Seitenhieb auf Köln das „Altbierlied“ anstimmen und den Fans von der „längste Theke der Welt“, der Düsseldorfer Altstadt, vorschwärmen. Schunkel-Alarm!

Die Stimmung in der Halle ist ausgelassen. Eine gute Gelegenheit, das auf Video festzuhalten. Während der Tour schnappt sich Campino regelmäßig eine Kamera und macht Aufnahmen für die reisebedingt erst im Januar stattfindende Weihnachtsfeier der Band. Klar, die Aktion ist interaktiv, die Fans müssen mitmachen, sich hinhocken und dann zu „Steh auf, wenn du am Boden bist“ wieder aufspringen. Campino freut sich schon auf das Treffen Anfang des neuen Jahres: „Dann backen wir uns einen riesigen Haschkuchen und gucken uns zusammen den Film mit den Höhepunkten des Jahres an.“

Das bereits 35-jährige Bestehen feiert die Düsseldorf Punkband in diesem Jahr. Alles auf die Reihe, was in dieser Zeit passiert ist, bekommen die Musiker nicht mehr. Sie machen aber auch keinen Hehl daraus: „Die 80er und 90er haben wir nur noch so peripher in Erinnerung. Davon wissen wir nicht mehr so viel. Aber was war eigentlich mit den anderen Jahren? Die Zeit fliegt so schnell vorbei“, konstatiert Campino.

Ein wenig melancholisch sind sie vielleicht geworden, Sänger Campino, die beiden Gitarristen Breiti und Kuddel, Bassist Andi und Schlagzeuger Vom Richtie, der als einziger nicht von Anfang an zum Line-up gehört. Altersmüde sind die Musiker aber lange noch nicht. Campino eilt in typischer Manier ruhelos umher. Und auch den Mitstreitern ist die Lust nach dreieinhalb Jahrzehnten auf Live-Konzerte nicht vergangen. Immerhin steht ihnen ein Dauergrinsen ins Gesicht getackert.

Die Fans wollen ihre Lieblingsband nicht allzu früh gehen lassen, und die Hosen bleiben gerne. Gleich drei Zugabenblöcke reihen sich aneinander, rund zweieinhalb Stunden beackert das Quintett die Bühne. Am Ende springt Andi mit Anlauf ins Publikum und lässt sich auf Händen tragen. „Tschüss, bis morgen!“, ruft Campino. Am Tag darauf soll es erneut ein denkwürdiges Musikereignis in Köln geben.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare