Rockige Reise zurück in die Vergangenheit mit Bush

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[Update 14.05 Uhr] Köln - Und plötzlich ist wieder 1994. Von der Stimmung her, vom Sound. Gavin Rossdale lässt gerade im Kölner E-Werk seine Gitarre verzerrt aufheulen. Es sind die ersten Klänge von „Everything Zen“ der Band Bush. Da ist die Hochphase des Grunge und des Alternative Rocks auf einmal ganz nah.

Nach ihrer Reunion 2010 hat die britische Band drei Alben herausgebracht. Deren Songs werden auf der Tour aber stiefmütterlich behandelt. Der Fokus liegt auf den Liedern, die Bush vor mehr als 20 Jahren in die vorderste Reihe der Rockszene katapultierten, in einer Zeit als Männer mit langen Haaren, Holzfällerhemden und Dr. Martens gerade die ganz große Nummer waren. Und als die meisten am Absperrgitter vor sich hin schmachtenden weiblichen Fans wohl eher was für Rolf Zuckowski übrig hatten als für den charismatischen Bush-Frontmann Rossdale, der auch heute als 51-Jähriger nichts von seiner Jugendlichkeit verloren hat – von den wachsenden Geheimratsecken einmal abgesehen.

„Wie geht‘s?“, fragt er auf Deutsch. Die Sprachkenntnisse wird sich der Sänger derzeit gut aneignen können. Zumindest ist er dieser Tage gern gesehener Gast in der Yellow Press wegen seiner Beziehung zu Schauspielerin Sophia Thomalla. Relativ früh im Konzert legt der Brite die Gitarre ab und beweist in der Folge eine beachtliche körperliche Fitness. Er tänzelt leichtfüßig umher, dreht Pirouetten, hüpft eifrig. „Es ist eine unglaubliche Zeit, auf Tour zu sein“, schwärmt er.

Gavin Rossdale rockt mit seiner Band Bush das Kölner E-Werk

Vor allem das Debütalbum "Sixteen Stone" von 1994 sorgt für die rund 90 Minuten lange rockige Reise in die Vergangenheit und wird gleich zur Hälfte aufgeführt. Mitsingen kann die Songs hier jeder: Viele der Stücke gehören längst zum Kanon einer jeden Alternative-Disco. „Little Things“, bei dem der Sänger inmitten seiner Fans singt und „Machinehead“ gehören dazu, ebenso wie der bekannteste Song der Band, „Glycerine“. Da steht Rossdale zunächst alleine auf der Bühne in blauem Licht, begleitet seinen rauen, kraftvollen Gesang mit wenigen einfachen Gitarrenanschlägen und schafft so einen ganz intimen Moment. Dann kommen seine Kollegen dazu und sorgen für die Eruption des brodelnden Songvulkans.

Bei „The Sound of Winter“, einem jüngeren Stück, bleibt das Krachende allgegenwärtig, allerdings drehen Rossdale und seine Band die Temposchraube im Vergleich zu den meisten anderen Stücken runter. Noch träger geht es beim darauf folgenden „Testosterone“ aus den Anfangstagen der Band zu mit fetten Gitarrenriffs und qualvollem Gesang. „Let Yourself Go“ ist in ein dichtes Soundgewand gehüllt, „The People That We Love“ mit einem besonders sperrigen Refrain ausgestattet.

Dissonant und unerwartet – so entfalten sich die Stücke des Quartetts, von dessen Originalbesetzung neben Rossdale nur noch Schlagzeuger Robin Goodridge übrig geblieben ist. Die Songs der Band plätschern nicht einfach dahin, da steckt immer und überall ein dicker Stein im Schuh, der drückt. Ungemütlich soll es sein, fordernd. Und dann schält sich aus dem Unbehagen plötzlich eine Melodie voller Schönheit und Wohlklang heraus.

Den meisten Jubel bekommt „Swallowed“ mit seinen depressiven Lyrics und schleppendem Rhythmus vom 1996er Album „Razorblade Suitcase“, mit dem die Band Platz eins in den US-Album-Charts erklomm. Aber auch ganz neues Material gibt es in Köln zu hören mit „This Is War“ und Metal-Einschlag. „Die Welt brennt derzeit“, erklärt Gavin Rossdale. Mit „The One I Love“ bauen Bush kurz vor Schluss auch ein Cover ins Set ein. Am Ende beschließt mit „Comedown“ - wie sollte es auch anders sein - ein Song des Debüts das Konzert. „Ich möchte nicht zurückkommen, runter von dieser Wolke“, heißt es darin. Sie können ruhig dort bleiben. Die Musik von Bush ist auch im 21. Jahrhundert noch bestens aufgehoben.

Quelle: wa.de

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