„60 Jahre Freunde des Museums Ostwall“ in Dortmund

Heinrich Nauens Gemälde „Sonnenblumen mit welker Kresse“ (1924) war 1937 von den Nazis beschlagnahmt worden und später wieder angekauft worden. Foto: museum ostwall

Dortmund – Das curryfarbene Sofa ist bequem und ein aktueller Hingucker aus der Möbelbranche. Im Museum Ostwall in Dortmund zählt das Interieur zum Konzept von Kuratorin Natalie Çalkozan. Kunstinteressierte dürfen Platz nehmen und sich wohlfühlen. „Zuhause bei Freunden!“ heißt folgerichtig die Ausstellung zum 60. Jahrestag der Freunde des Museums Ostwall (MO).

Rund 500 Werke hat diese bürgerliche Initiative für das Kunsthaus erworben und verschenkt. Die Ausstellung, die in die große Sammlungspräsentation „Body & Soul“ integriert ist, feiert bürgerliches Engagement für die Kunst im städtischen Museum. Auf der fünften Etage im Dortmunder U ist das neue „Schaufenster des MO“ eröffnet. Regina Selter, stellvertretende Museumsleiterin, unterstreicht die „ideelle Wichtigkeit“, die die Freunde ins Museum tragen. Anfang der 60er Jahre kamen Menschen aus Wirtschaft und Kultur im Museum am Ostwall zusammen, um sich zur Kunst zu bekennen. Die Vereinigung „Freunde Neuer Kunst“ regte eine Stiftergesellschaft 1960 an, die 1966 bereits 39 Bilder von Picasso, Chagall, Baumeister, Léger, Hartung, Marcks und anderen dem Museum übergab. Die Sammlung Cremer zu informeller Kunst wurde in den 90er Jahren mit finanziellen Mitteln der Stiftung angekauft. Bei Publikationen zu den expressionistischen Bildern des Hauses, die in den 50er Jahren angekauft worden waren, halfen die Stifter, um einen Schwerpunkt der Dortmunder Sammlung sichtbar zu machen. Dortmund ist für dieses Konvolut international bekannt. Neben Expressionismus und Informel sind über die Sammlung Feelisch, die 2012 erworben wurde, Fluxus, Dada- und Konzeptkunst ins Museum Ostwall eingezogen.

Aus der Stiftergesellschaft ging 2001 der Verein „Freunde des Museums am Ostwall“ hervor. 100 000 Euro steuerten die Freunde 2012 bei, als die Sammlung Feelisch für insgesamt 300 000 Euro von der Stadt erworben wurde. Allerdings hatte 2007 der Rat der Stadt beschlossen, dass das „Museum am Ostwall“ nicht saniert und erweitert werden sollte, wie es die Stifter und Freunde gern gesehen hätten. Es wurde ein neuer Standort gefunden: das Dortmunder U. 2010 fand der Umzug ins ehemalige Brauerei-Gebäude statt. Folglich gibt es seit 2012 die „Freunde des Museums Ostwall e.V.“ Derzeit sind es 271 Mitglieder und Firmen. Allein 2019 seien 15 neue Mitglieder hinzugekommen, sagte Benjamin Sieber, Vorsitzender der „Freunde“. Aktuell hat der Verein 15 000 Euro (und die Transportkosten) für drei Fotografien von Nan Goldin aufgebracht, die nun zur Sammlung des Museum Ostwall zählen.

Die Ausstellung „Zuhause bei Freunden!“ schaut mit Hilfe von 18 Werken in die Sammlung. Zu sehen sind Beispiele für Kunst- und Kulturgeschichte, wie Heinrich Nauens „Sonnenblumen“ von 1924, die 1937 von den Nazis beschlagnahmt worden waren. Erst 2015 konnte das Gemälde auf dem Kunstmarkt zurückgekauft werden. Die „Freunde“ entschieden sich dafür. Wie auch für den Ankauf der „Studie im Zoologischen (Garten) I, 1912“ von August Macke. Die Galerie Utermann hatte die Zeichnung in einer rheinischen Privatsammlung entdeckt und den „Freunden“ angeboten. 2013 kam die „Studie“ nach Dortmund, wo bereits das Gemälde „Großer Zoologischer Garten“ (1913) zur Sammlung zählt. Beide Werke sind nun im Museum zu sehen. Vor allem die Figuren mit Hut sind in der gestrichelten Studie leicht auszumachen.

Werke des gestisch-abstrakten Malers Fred Thieler („Riverrum IV“, 1989), des expressiv-abstrakten Künstlers Emil Schumacher („November“, 1987) und des Informellen Peter Brünning („o. T. (Nr. 564)“, 1964) dominieren den kleinen Schauraum. Amüsant ist Robert Fillious „Bin in 10 Minuten zurück. Mona Lisa“ (1969). Eimer, Schrubber und Putzlappen sind arrangiert, um dem Kunstmarkt mit seinen Bewertungsstrategien spöttisch entgegenzutreten. Auch Milan Knìzáks Fluxus-Werk „Dress Jewelry“ (1969) bietet mit Utensilien auf roter Bluse andere „Juwelen“: Stecknadeln, Schere, Wäscheklammer, Kaugummi, Streichholzmäppchen.

Der MO-Kunstpreis, den die „Freunde“ seit 2014 vergeben, richtet sich an zeitgenössische Künstler, die im Geist der Fluxus-Bewegung arbeiten. Ihre unkonventionellen Werke, ihr entlarvender Blick auf Arriviertes wie Alltägliches, senken die Barriere, die einigen Menschen immer noch den Museumsbesuch erschweren. Doch die „Freunde“ wollen vermitteln. Dies gelingt ihnen mit Bildungsinitiativen und Kooperationen, wie mit den Theater- und Konzertfreunden der Stadt sowie mit Tänzern und Studenten der FH-Dortmund. Eine Tanzperformance ist schon lange geplant. Wegen der Corona-Krise steht ein Termin noch nicht fest.

Bis 30. August; di, mi, sa, so 11 – 18 Uhr, do, fr 11 – 20 Uhr; Tel. 0231/50 26087; www.museumostwall. dortmund.de – Kostenlose Ausstellungsbroschüre

Quelle: wa.de

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