Installationen von Ana Torfs im K21 Düsseldorf

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Etwas Schlimmes ist passiert: Filmstill aus Ana Torfs‘ Arbeit „The Intruder“, zu sehen in Düsseldorf.

Von Annette Kiehl ▪ DÜSSELDORF–Es gibt nur wenige Orte, die das Werk von Ana Torfs so gut zusammenfassen wie das Anatomische Theater. Ein Ort des Betrachtens, des Sezierens, der Analyse. Beobachtet von Lernenden werden Körper in ihre Bestandteile zerlegt, es wird nach Ursachen geforscht. Ana Torfs wählte das Anatomische Theater in Berlin, 1787–1790 von Carl Gotthard Langhans errichtet, als Bühne für ihre Kunst. Im Düsseldorfer K21 Museum ist ihre Installation „Anatomy“, die mit Bildern dieses Theaters arbeitet, der Mittelpunkt zur Werkschau „Album / Tracks A“.

Ana Torfs, die in Brüssel lebt und arbeitet, ist Raum-Forscherin. In ihren Arbeiten inszeniert sie mit Sprache, Bildern und räumlichen Erfahrungen Geschichten, die sie zuvor in ihre Einzelteile zerlegt hat. Eine eigenwillige, sperrige Welt entsteht.

„Displacement“ (Verschiebung) erzählt im Untergeschoss des K21 von der Beziehung eines Paares. Als Vorlage dient Rossellinis Filmklassiker „Viaggio in Italia“, die „Reise in Italien“, von 1954. Dabei arbeitet Ana Torfs mit Techniken der Entfremdung und Verschiebung. An der einen Wand sind schwarz-weiße Dias von kargen Landschaften mit verfallenen Militärgebäuden zu sehen; gegenüber wechseln sich nüchterne Porträts eines Mannes und einer Frau ab. Dazu hört man in diesem dunklen Zimmer über Kopfhörer englische Dialoge, die so distanziert klingen, als seien sie einem Audio-Sprachkurs entnommen. Englischlernen auf der Reise. So prallen Bilder und Worte aufeinander, verwirren, fügen sich dann doch zusammen – das melancholische Bild einer Beziehung entsteht. Nüchtern und desillusionierend von Ana Torfs offen gelegt.

Diese Stimmung prägt die Schau, eine Sammlung von Forschungsarbeiten. Ana Torfs, Jahrgang 1963, präsentiert sich als Historikerin, die oft zitierte Stoffe – ob Filmklassiker, Lieder oder Legenden – aus ihrem Zusammenhang nimmt und aktualisiert. „Anatomy“ thematisiert den Prozess um den Mord an Rosa Luxemburg. Dabei ließ die Künstlerin die Verhörprotokolle von jungen, deutlich als Zeitgenossen erkennbaren Darstellern auf Deutsch nachsprechen. Parallel dazu sind die Befragungen der Mordverdächtigen in englischer Simultanübersetzung zu hören. Den Hintergrund bilden Bilder aus dem Anatomischen Theater. Festlich gekleidete Personen auf den Rängen blicken hinunter, sind mit zweifelndem Gesichtsausdruck zu sehen, andere schauen distanziert nach unten. Sie beobachten die Neuverhandlung der Geschichte - voller Doppeldeutigkeiten.

Die Ausstellung im K21 ist eine Gesamterfahrung; entworfen von Ana Torfs und dem belgischen Architekten Kris Kimpe. Ein Spaziergang durch verschiedene Atmosphären. Die Räume sind angesiedelt zwischen Black Box – also dem Kino – und White Cube, dem leeren, weißen Raum als zurückgenommener Rahmen für Kunst.

Die Auseinandersetzung mit diesen Werken braucht Geduld und Neugier. Oft setzen sich die Arbeiten erst nach und nach in Bruchstücken zusammen. „The Intruder“ (Der Eindringling) konfrontiert den Betrachter mit schwarz-weißen Diabildern einer Familie in mondäner Umgebung. Modern-elegantes Haus, großer Garten. Doch etwas stimmt nicht, etwas Schlimmes ist passiert. Von Geräuschen im Garten berichten die Stimmen aus dem Hintergrund, von der sterbenden Mutter, vom blinden Großvater. Eine Atmosphäre der Ungewissheit und Angst, zu der sich Ana Torfs durch das Theaterstück „L'Intruser“ des flämischen Literaturnobelpreisträgers Maurice Maeterlinck inspirieren ließ. Solche Arbeiten verweigern eine schnelle Interpretation, zumal Torfs zurückhaltend mit Kommentaren umgeht.

Bis 18.7., di – fr 10 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr. Katalog 29,90 Euro. Ergänzend werden im Black-Box-Kino im Filmmuseum Düsseldorf Torfs' Film „Zyklus der Kleinigkeiten“ sowie weitere ausgewählte Filme gezeigt.

Tel. 0211/83 81 600, www. kunstsammlung.de, www. duesseldorf.de/filmmuseum 

Quelle: wa.de

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