Das Kunstmuseum Ahlen zeigt den Expressionisten Helmuth Macke

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Eher gespenstisch als lustig: Helmuth Mackes Gemälde „Karussell am Rheinufer“ (1924, Öl auf Leinwand) ist im Kunstmuseum Ahlen zu sehen.

Von Marion Gay - AHLEN - Leute mit gelben Händen und Gesichtern hängen am Karussell, und auch die Menschen im Vordergrund sind sehr gelb unter ihren Hüten. Dahinter, unter der dramatisch verbogenen Brücke, zieht ein blauer Dampfer vorbei. In Helmuth Mackes Bild „Karussell am Rheinufer“ (1924) wirkt die Jahrmarktstimmung düster-gespenstisch.

Der aus Krefeld stammende Künstler (1891–1936) gehörte zur Avantgarde vor dem Ersten Weltkrieg, stand in engem Kontakt mit den bedeutendsten Künstlern der Zeit und blieb doch immer im Schatten seines Cousins August. Zu Unrecht, wie die farbgewaltige Ausstellung „Helmuth Macke. Im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“ im Kunstmuseum Ahlen beweist. Die rund 80 Bilder und kunsthandwerklichen Arbeiten sind 50 Werken berühmter Wegbegleiter wie Franz Marc, August Macke, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin gegenübergestellt. Zusätzlich beleuchten bisher unveröffentlichte Zeitdokumente Persönlichkeit und Werdegang des nahezu vergessenen Künstlers.

Anlässlich des 80. Todestages startete die von Dr. Ina Ewers-Schulz kuratierte Schau letztes Jahr als Kooperationsprojekt in der Städtischen Wessenberg-Galerie in Konstanz. Ausstellungen im Stadtmuseum Penzberg, im Angermuseum Erfurt und August Macke Haus Bonn folgen bis April 2018. In Ahlen liegt der Schwerpunkt auf den vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Arbeiten sowie auf Werken aus den 20er Jahren. Seine frühe Werkphase im „Krefelder Freundeskreis“ wird durch Arbeiten aus der Sammlung des Hauses ergänzt.

Die chronologisch angelegte Schau beginnt mit Landschaftsbildern und dem „Selbstporträt mit Palette“ (um 1910). Mit lockeren Pinselstrichen und ganz in Blau präsentiert sich der Künstler selbstbewusst und skeptisch. Noch keine 20 Jahre alt, hatte er die Ausbildung an der fortschrittlichen Krefelder Kunstgewerbeschule beendet und war auf Einladung von August Macke an den Tegernsee gereist, wo beide die Münchener Kunstszene kennenlernten und Freundschaft mit Franz Marc (1880–1916) schlossen.

Nebeneinander hängen drei recht ähnliche Tierbilder aus jener Zeit: „Katzenkorb“ von Marc, eine farbige Katzenstudie von August Macke und die mit Kreide skizzierten Katzen von Helmuth Macke. Auch Bilder wie das 1910 entstandene „Heuhocken in Sindelsdorf“ (Marc hatte 1909 „Schilfhocken“ gemalt) und „Drei Pferde“ (1913) zeigen den Einfluss von Marc.

Als sein Cousin nach Bonn zurückkehrte, blieb Helmuth Macke noch fast ein Jahr in Marcs Wohnung in Bayern und überredete auch seinen Studienfreund Heinrich Campendonk, herzukommen. Macke profitierte von den Kunstdiskussionen im Salon von Marianne von Werefkin, traf Wassily Kandinsky und Gabriele Münter und erlebte die Entstehung des „Blauen Reiters“ mit.

Unstete Jahre folgen, in denen er zwischen Krefeld, Bonn, Sindelsdorf und Berlin pendelte, wo er sich mit Erich Heckel anfreundete und die Brücke-Maler kennenlernte. Der Erste Weltkrieg unterbrach seine künstlerische Arbeit, als Soldat musste er auf den Balkan.

Die 20er Jahre waren überschattet vom Verlust seiner engsten Freunde August Macke und Franz Marc, von Kriegsverletzungen, Malaria und Existenznöten. Seine Landschaften sind düster, etwa „Niederrheinisches Dorf“ (1923) mit windgepeitschten Bäumen unter grauem Himmel. Er nahm kunsthandwerkliche Auftragsarbeiten an wie die fantastisch-ornamentale Bemalung der Schlafzimmermöbel für den Kunstsammler Karl Gröppel (1925). Das blaue Ensemble galt lange als verschollen und ist vor gelben Wänden aufgebaut.

Der Expressionismus galt nun offiziell als tot, und auch Mackes Malstil wurde sachlicher, wie eins der letzten Bilder „Segelboote und badende Frauen“ (zwischen 1933 und 1936) zeigt. Der Künstler, besorgt wegen der Machtergreifung der Nationalsozialisten, hatte sich an den Bodensee zurückgezogen. Hier ertrank er 1936 bei einem Bootsausflug. Seine Leiche wurde nie gefunden, auch ein Großteil seines Werkes ist verloren. Zahlreiche Werke wurden von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, andere verbrannten 1943 bei einem Bombenangriff auf Krefeld.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr

Bis 1.5.; mi – fr 14 – 18, sa, so 11 – 18 Uhr; Tel. 02382/ 91830

www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog, Wienand Verlag, Köln, 24,80 Euro

Quelle: wa.de

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